Dem Abwasser der ARA Birs wird fortan die Wärme entzogen, bevor es in den Rhein eingeleitet wird. Bild: IWB

Anschlussgebiet des Wärmeverbunds Lehenmatt.

ADEV und IWB: CHF 28 Mio. Investitionen um Basler Lehenmattquartier und Teil von Birsfelden mit erneuerbarer Wärme zu versorgen

(AN) Abwärme der ARA Birs dank einer Wärmepumpe nutzen und mit einer Holzschnitzelzentrale ergänzen. So wird der fertige Wärmeverbund Lehenmatt Birs AG funktionieren. Das bedeutet 10 MW Leistung und jährlich bis zu 30 GWh Wärme für rund 9000 Personen mit über 200 Anschlüssen. Das Projekt für die erneuerbare Wärmeversorgung des Basler Lehenmattquartiers und eines Teils von Birsfelden wurde von IWB und der ADEV Energiegenossenschaft gemeinsam entwickelt.


Der neue Wärmeverbund ersetzt zu rund 95% Wärme, die heute fossil bereitgestellt wird. Den Stein ins Rollen gebracht hat das Baselstädtische Energiegesetz, es lässt Öl- und Gasheizungen nur noch in Ausnahmefällen zu. Erneuerbare Alternativen sind gefragt und die ADEV und die IWB konnte aus ihrer langjährige Erfahrung schöpfen. „Wir betreiben seit 35 Jahren Wärmeverbünde mit möglichst erneuerbarer Wärme“, erklärt Andreas Appenzeller, Geschäftsführer der ADEV Energiegenossenschaft. „Mit der IWB haben wir einen verlässlichen und glaubwürdigen Partner, um künftig die Abwärme der ARA Birs mit einer Wärmepumpe und einer grossen Schnitzelzentrale zu nutzen und mit dieser erneuerbaren Energie die Liegenschaften im Lehenmattquartier und Birsfelden zu versorgen.“

Ende 2021 erste Wohnungen beheizen
Das bedeutet in einem ersten Schritt die Kombination einer Wärmepumpenleistung von 4.5 MW mit rund 4 MW Heizöl als Übergangslösung. Schrittweise wird dann der Heizölanteil durch eine Holzschnitzelzentrale von 6 bis 8 MW ersetzt. Damit ist dieser Wärmeverbund das weitaus grösste Wärmenetz, das die ADEV betreibt. Die Planung startete denn auch schon vor einigen Jahren. Mit als Projektentwickler eingebunden war Energie Zukunft Schweiz. Seit rund zwei Jahren ist auch IWB an Bord. Die Basler Energieversorgerin hat nun zusammen mit der ADEV eine gemeinsame AG gegründet, die Wärmeverbund Lehenmatt Birs AG. Diese wird den Wärmeverbund in den nächsten drei Jahren bauen und anschliessend auch betreiben. Die Bauarbeiten starten noch diesen Sommer. Die ersten Wohnungen sollen ab Ende 2021 bereits mit erneuerbarer Wärme über den Wärmeverbund versorgt werden.

Noch Kapazität für Interessierte
Eine Reihe von Wohngenossenschaften und Liegenschaftsfirmen haben sich bereits vor Baustart für die neue Wärmeversorgung entschieden. «Wir haben noch Kapazität für Hauseigentümerinnen und -eigentümer, die ihre Öl- oder Gasheizung ersetzen möchten. Wir freuen uns über Interessenten und werden auch aktiv auf Liegenschaftsbesitzer zugehen», garantiert Gregor Leonhardt, Geschäftsführer der neu gegründeten Gesellschaft. Ist das Interesse da, könnte der Wärmeverbund längerfristig sogar auf 16 MW ausgebaut werden, Es könnten auch weitere Quartiere in Birsfeld sowie in Muttenz angeschlossen werden.

30 GWh erneuerbare Wärme
Wärmeverbünde spielen bei der Energiewende eine wichtige Rolle. Gerade in dicht bebauten Gebieten wie dem Quartier Lehenmatt und in Birsfelden. An solchen Orten ist eine zentrale Heizanlage effizienter und wirtschaftlicher. Und wenn die Energiequelle erneuerbar ist, so wie Abwärme aus Abwasser, lässt sich der CO2-Ausstoss gegen null senken. Bei der ARA Birs werden zwei Wärmepumpen jährlich rund 30 GWh Wärme produzieren. Damit werden schlussendlich mehr als 200 Liegenschaften über ein effizientes Leitungsnetz mit erneuerbarer Wärme versorgt. Die Wärmepumpen werden dem Abwasser der ARA Birs Wärme entziehen. Mit dieser Wärme werden dann die Quartiere geheizt. Und das hat erst noch den Vorteil, dass kühleres Wasser in den Rhein eingeleitet wird. „Wäre es über eine längere Zeit unter 20 Grad minus, würden wir täglich maximal rund 80 m3 Holzschnitzel verbrauchen“, führt Andreas Appenzeller aus. Beim Vollausbau des Wärmeverbunds, versteht sich, was ein Investitionsvolumen von CHF 28 Mio. bedeutet.

Text: Anita Niederhäusern, im Auftrag der ADEV Energiegenossenschaft

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