27. Mai 2019

Wenn eine Heizung getauscht werden muss, soll die neue Heizung zumindest anteilig aus Erneuerbaren gespeist werden, sofern das technisch zumutbar ist. ©Bild: BSW-Solar

Die Zahl der Solarwärmeanlagen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um rund 71‘000 gewachsen. Insgesamt erzeugen aktuell (Stand Ende 2018) etwa 2.4 Millionen Solarthermieanlagen in Deutschland Solarwärme. ©Bild: BSW-Solar

BSW: Klimadebatte dreht Solarwärme-Nachfrage ins Plus

(BSW) Nach einem Marktrückgang um 75 Prozent in den letzten 10 Jahren zieht die Nachfrage nach Solaranlagen zur Wärmeerzeugung seit Herbst letzten Jahres wieder an. Das geht aus einer gemeinsamen Erhebung der deutschen Solar- und Heizungsindustrie hervor. Nach Einschätzung des deutschen Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. (BSW) ist die Belebung der Nachfrage in erster Linie auf ein wachsendes Klimaschutzbewusstsein zurückzuführen.


Der Verband weist jedoch darauf hin, dass der Absatz von Solarwärmesystemen weiterhin weit hinter dem klimapolitisch notwendigen Zubau hinterherhinkt. Von der der deutschen Bundesregierung fordert die Solarwirtschaft endlich wirksame Massnahmen zur Vervielfachung der Solarwärme-Nutzung im Raum-, Prozess- und Fernwärmesektor. Die Bundesregierung sei weit davon entfernt, die selbst gesteckten Klimaschutzziele im Wärme- und Gebäudesektor zu erreichen. Zur Umsetzung ihres Klimaschutzplans müsste sie den Kohlendioxidausstoss im Gebäudesektor bis 2030 gegenüber 2018 um rund 40 Prozent reduzieren. Gemäss ihrer eigenen Energieeffizienzstrategie Gebäude erfordert dies eine Verdrei- bis Versiebenfachung der jährlich installierten Solarthermie-Leistung.

Anreize und Standards setzen
„Zwischen Anspruch und Realität klafft eine gewaltige Lücke. Ohne energiepolitische Paukenschläge werden wir die Klimakrise nicht in den Griff bekommen. Erneuerbare Energien benötigen endlich faire Investitionsbedingungen gegenüber fossilen Wärmeträgern. Die fortschreitende Klimakrise kann nur durch eine Abkehr von fossilen Brennstoffen aufgehalten werden. Gerade im Wärmebereich passiert hier noch viel zu wenig. Die Politik muss dringend die richtigen Anreize und Standards setzen, sowohl im Bestand als auch im Neubau“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft anlässlich eines Branchentreffens im Kloster Banz. Konkret fordert Körnig „einen Dreiklang aus attraktiveren Förderangeboten, einem sozial abgefederten CO2-Preis und gesetzlichen Mindeststandards für den Einsatz eneuerbarer Energien. Letztere dürfen nicht nur bei Neubauten gelten, sie müssen dringend auf die Heizungssanierung und die Fernwärme ausgedehnt werden.“

In einer aktuellen Umfrage sprechen sich zwei Drittel der Bürger dafür aus, dass im Sanierungsfall die neue Heizung aus Erneuerbaren Energien gespeist werden muss – zumindest anteilig und sofern das technisch zumutbar ist. Das geht aus einer vom BSW-Solar im Februar 2019 beauftragten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor.

Zubau von 71‘000 Solarwärmeanlagen
In Deutschland sind weit über 10 Millionen Heizungen in Betrieb, die vollkommen veraltet sind und zügig ausgetauscht werden sollten. Ihr Verbrauch an fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas ist besonders hoch – damit verursachen sie nicht nur sehr viel klimaschädliche Emissionen, sondern auch unnötig hohe Kosten. Die Zahl der Solarwärmeanlagen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um rund 71‘000 gewachsen. Insgesamt erzeugen aktuell (Stand Ende 2018) etwa 2.4 Millionen Solarthermieanlagen in Deutschland Solarwärme.

Hintergrund
Nach einer vom deutschen Bundesverband Solarwirtschaft und dem BDH gemeinsam geführten Kollektorabsatzstatistik wuchs der Absatz von Solarkollektoren in den zwei Quartalen um gut sechs Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Solarwärmeanlagen nutzen Sonnenenergie, um warmes Brauchwasser, Raum- oder Prozesswärme zu erzeugen. In den sonnenreichen Sommermonaten sorgen sie dafür, dass der Heizkessel komplett ausser Betrieb bleibt und keine Energiekosten produziert. Mit passenden Wärmespeichern wird die Wärme aus einer Sonnenheizung auch für die Nacht und bis zu mehreren Wochen in den Übergangsjahreszeiten und z. T. im Winter gespeichert. Nur zu Spitzenzeiten wird der Heizkessel zugeschaltet. Solarkollektoren lassen sich mit beinahe jedem erdenklichen Wärmeerzeuger kombinieren, etwa mit einem Holzheizkessel, einer Wärmepumpe oder einem Gasbrennwertkessel.

Text: Deutscher Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar)


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