04. Jan 2019

Verhältnis Solar- zu Windstromerzeugung Trotz der hohen Einstrahlungswerte im Sommer war die Solarstromerzeugung zu niedrig, um den Einbruch beim Wind kompensieren zu können. ©Fraunhofer ISE/Bruno Burger

Anteile Erneuerbarer an der Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung von 2002 bis 2018. Die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch ist bei dieser Darstellung nicht berücksichtigt. ©Fraunhofer ISE/Bruno Burger

Nettostromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung. Die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch ist bei dieser Darstellung nicht berücksichtigt. ©Fraunhofer ISE/Bruno Burger

Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland 2018: Erneuerbare erreichen erstmals über 40 Prozent

(FI/ISE) Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben die Jahresauswertung zur Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2018 vorgelegt. Danach verzeichnete die Solarenergie mit einem Plus von 16 Prozent dengrössten Zuwachs, vor der Windenergie mit 5.4 Prozent. Die Nettostromerzeugung aus Kohle, Gas und Wasserkraft nahm dagegen ab. Der Anteil aller erneuerbaren Energiequellen an der öffentlichen Nettostromerzeugung, d.h. dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, lag bei über 40 Prozent.


Die deutschen Photovoltaikanlagen speisten 2018 etwa 45.7 TWh ins öffentliche Netz ein, das waren 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Zubau von 3.2 Gigawatt erhöhte die installierte Gesamtleistung auf 45.5 Gigawatt (Stand Ende November). Die maximale Solarleistung wurde am 2. Juli 2018 um 13:15 Uhr mit etwa 32 Gigawatt erreicht, das waren 39 Prozent der gesamten Stromerzeugung zu diesem Zeitpunkt. Von April bis August 2018 war die monatliche Stromerzeugung von PV-Anlagen höher als von Steinkohlekraftwerken.

Windenergie zweitstärkste Energiequelle
Die Windenergie produzierte 2018 ca. 111 TWh und war damit die zweitstärkste Energiequelle nach der Braunkohle. In zehn Monaten übertraf die Windstromproduktion die Erzeugung aus Steinkohle und Kernenergie. Die maximal erzeugte Leistung betrug ca. 45.9 GW am 8. Dezember um 12:00 Uhr. Der Anteil von Onshore-Wind betrug 87.4 TWH, ein Plus von 2 TWh. Offshore-Wind konnte die Produktion von 17.4 TWh in 2017 auf über 18.8, TWh in 2018 steigern. Das Gros des Windstroms wurde mit 16.6 TWh in der Nordsee erzeugt.

Gemeinsam produzierten Solar- und Windenergieanlagen 2018 ca. 157 TWh und liegen damit in Summe vor Braunkohle, Steinkohle und Atomenergie. Das Verhältnis zwischen Solar- und Windanlagenleistung ist jedoch unausgewogen, Ende 2018 fehlten 16 GW installierter Solarleistung zum optimalen Verhältnis Wind-Solar.

Wasserkraftproduktion unter dem Vorjahr
Die Wasserkraft trug aufgrund des extrem trockenen Sommers nur mit 17 TWh zur Stromerzeugung bei. Das ist der zweitniedrigste Wert der letzten 30 Jahre. Von Mai bis Dezember lag die monatliche Stromerzeugung unter der des Vorjahres. Die Biomasse lag mit ca. 44.8 TWh genau auf dem Niveau des Vorjahres.

In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen im Jahr 2018 etwa 219 TWh und legten damit um 4.3 Prozent gegenüber 2017 zu. Damit erreichten sie einen Anteil von über 40 Prozent an der öffentlichen Nettostromerzeugung.

Atomkraft und fossile Energien
Die Nettostromerzeugung aus Kernkraftwerken lag mit 72.1 TWh auf dem Vorjahresniveau. Braunkohlekraftwerke produzierten 131.3 TWh netto. Das sind ca. 2.7 TWh bzw. 2 Prozent weniger als in 2017. Die Braunkohlekraftwerke reagierten flexibler auf niedrige Börsenstrompreise als in den vergangenen Jahren und drosselten ihre Leistung auf unter 6 GW, wie z.B. am 05.01.2018 und am 08.12.2018. Die Drosselung erfolgt hauptsächlich bei niedrigen oder negativen Börsenstrompreisen. Nach wie vor sind Braunkohlekraftwerke aber noch unflexibel in ihrer Reaktion auf hohe Einspeisung von Erneuerbarer Energien.

Die Nettoproduktion aus Steinkohlekraftwerken betrug 75.7 TWh und damit 6 TWh bzw. 7.4 Prozent niedriger als im Jahr 2017. Gaskraftwerke verzeichneten den stärksten Rückgang: Sie haben 40 TWh netto für die öffentliche Stromversorgung produziert und lagen damit 9.1 TWh bzw. 18.5% unter dem Niveau des Vorjahres. Gaskraftwerke im Bergbau und im verarbeitenden Gewerbe produzierten zusätzlich ca. 20 bis 25 TWh für den industriellen Eigenbedarf.

Exportüberschuss von 45.6 TWh
Im Jahr 2018 wurde ein Exportüberschuss (physikalische Flüsse) von ca. 45.6 TWh erzielt, ein leichter Rückgang gegenüber 2017 (52.5 TWh). Der Grossteil der Exporte floss in die Niederlande (19.2 TWh), die einen Grossteil des Stroms nach Belgien und Grossbritannien weiterleiten. Auf Platz zwei folgt Österreich (11.6 TWh) vor der Schweiz (11.5 TWh), die hauptsächlich Transitland nach Italien ist.

Börsenstrompreis über Vorjahr
Deutschland importierte 8.3 TWh Strom aus Frankreich, der hauptsächlich an die Nachbarländer weitergeleitet wurde. Die durchschnittlich exportierte Leistung betrug ca. 5.2 GW, was der Leistung von vier Atomkraftwerken entspricht. An 8215 Stunden des Jahres (94 Prozent) wurde Strom exportiert, an 545 Stunden (6 Prozent) wurde Strom importiert. Beim Aussenhandel mit Strom ergibt sich ein Exportüberschuss von 52.8 TWh und Einnahmen im Wert von 1,81 Mrd. Euro. Eingeführter Strom kostete durchschnittlich 38.31 Euro/MWh, ausgeführter Strom 35.57 Euro/MWh. Der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead Börsenstrompreis liegt mit 32.89 Euro/MWh etwas über dem Wert des Vorjahres (28.20 Euro/MWh). Inflationsbereinigt liegt er aber noch unter dem Niveau von 2003 und 2004.

Die Last betrug 508.5 TWh, das ist ein Zuwachs von 3.1 Prozent gegenüber 2017.

Zur Datengrundlage
Diese erste Version vom 01.01.2019 berücksichtigt alle Stromerzeugungsdaten der Leipziger Strombörse EEX bis einschliesslich 31.12.2018. Über die verfügbaren Monatsdaten dds Statistischen Bundesamtes (Destatis) zur Elektrizitätserzeugung bis einschliesslich September 2018 und die Monatsdaten zur Ein- und Ausfuhr von Elektrizität bis einschliesslich Oktober 2018 wurden die Stundenwerte der EEX energetisch korrigiert. Für die restlichen Monate wurden die Korrekturfaktoren auf Basis von zurückliegenden Jahresdaten abgeschätzt. Die hochgerechneten Werte unterliegen grösseren Toleranzen.

Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland 2018 >>

Energy-Charts mit stündlich aktualisierten Daten >>

Text: Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE


1 Kommentare
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max @ 06. Jan 2019 21:55

"Die maximale Solarleistung wurde am 2. Juli 2018 um 13:15 Uhr mit etwa 32 Gigawatt erreicht"
Intellektuell ehrlich wäre auch zu publizieren, wann die Minimalleistung erreicht wurde und wer zu welchen Kosten wieviel produziert hat. Idem Offshore Wind. Irreführendes, täuschendes Lückenreporting?

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