21. Jul 2016

Das Passivhaus Institut hat untersucht, wie die Passivbauweise in einer Klinik umgesetzt werden kann. Diese Erkenntnisse könnten auch den weiteren 2100 Kliniken in Deutschland zu Gute kommen. ©Bild: Passivhaus Institut

Mit Gummistiefel und Spaten bei der Premiere für die Operation Passivhausklinik. ©Bild: Passivhaus Institut

Um den Energiebedarf einer Klinik zu ermitteln, sollte auch die komplette Gebäudeausstattung inklusive medizinischer Geräte berücksichtigt werden. ©Bild: Passivhaus Institut

Passivhaus: Spatenstich für erste Passivhausklinik

(PM) Im Frankfurter Stadtteil Höchst entsteht das erste Krankenhaus in Passivhaus-Bauweise. Das bisherige Klinikgebäude wird durch einen Neubau ersetzt. Auf sechs Geschossen sind zehn Operationssäle und 666 Betten vorgesehen. Das Passivhaus Institut hat das Klinikum Frankfurt Höchst bei der Planung begleitet und setzt die Begleitung in der Bauphase fort.


Krankenhäuser zählen beim Energiebedarf aufgrund ihres 24-Stunden-Betriebes zu den Spitzenverbrauchern unter den Gebäuden. Hessens Sozialminister Stefan Grüttner rechnete bei der Feier zum symbolischen Spatenstich in Höchst vor, dass in Hessen pro Jahr und Krankenhausbett 3350 Euro an Energiekosten anfallen.

Abläufe optimieren, Kosten reduzieren
Mit dem Neubau will das Klinikum Frankfurt Höchst sowohl die internen Betriebsabläufe optimieren als auch die Betriebskosten drastisch reduzieren. „Die Grundidee des Passivhaus-Konzeptes, bei verbessertem Komfort den Bedarf an Energie deutlich zu reduzieren, ist bei einem Krankenhaus besonders lohnenswert, muss jedoch in einer Klinik spezielle Anforderungen erfüllen“, erläutert Oliver Kah vom Passivhaus Institut. Besondere Anforderungen gelten unter anderem für hygienisch sensible Bereiche wie die Operationssäle. Was die Raumtemperatur angeht, empfinden Patienten eine erhöhte Temperatur von rund 23 °Celsius in Krankenzimmern als komfortabel.

Anforderungen an Hygiene und Komfort
Im Auftrag des Landes Hessen untersuchte Oliver Kah zusammen mit Kollegen im Vorfeld, wie die hoch energieeffiziente Passivbauweise in einer Klinik umgesetzt werden kann. Diese Erkenntnisse könnten auch den insgesamt 2100 Krankenhäusern in Deutschland zu Gute kommen, von denen viele sanierungsbedürftig sind. Wie die Untersuchung unter anderem zeigt, hat die Ausstattung des Krankenhauses einen wesentlichen Einfluss auf den Energiebedarf. In konventionellen Bilanzverfahren (wie z. B. der DIN V 18599) wird ausschliesslich der Energiebedarf für Heizung, Trinkwasser, Beleuchtung und Kühlung betrachtet. In einer Klinik sollte jedoch auch die komplette Gebäudeausstattung und damit unter anderem der Bedarf für medizinische Geräte berücksichtigt werden. „Wird die Gebäudeausstattung nicht betrachtet, entgeht den Planern rund die Hälfte des gesamten Energiebedarfs der Klinik. Gleichzeitig sparen effiziente Geräte Energie ein und verringern den Kühlbedarf“, erklärt Oliver Kah.

Medizinische Ausstattung berücksichtigen
240 Millionen Euro hat die Stadt Frankfurt für den Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst veranschlagt. Das Land Hessen beteiligt sich mit 46 Millionen Euro. „Wir statten einen hochkomplexen Bau mit Sondernutzung durch modernste Technologien aus und tragen damit unserer Zielvorgabe Rechnung, 2050 eine klimaneutrale Stadt zu sein“, erläutert Frankfurts Umwelt- und Sozialdezernentin Rosemarie Heilig.

Viele Krankenhäuser sanierungsbedürftig
Das Klinikum Frankfurt Höchst gilt als Einrichtung der höchsten Versorgungsstufe und Akademisches Lehrkrankenhaus der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Über 2000 Beschäftige versorgen jährlich rund 36000 stationäre und 80000 ambulante Patienten. Der Passivhaus-Neubau soll im ersten Halbjahr 2019 bezogen werden.

Text: Passivhaus Institut

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