Eine Messung im Auftrag von Topten Schweiz und Kassensturz zeigt: Der Stromverbrauch von Settop-Boxen ist im Wartezustand Standby viel höher als fürs Fernsehschauen. Bild: topten.ch

Settop-Boxen: Hoher Stromverbrauch für langes Warten

(AB) Eine Messung im Auftrag von Topten Schweiz und Kassensturz zeigt: Der Stromverbrauch von Settop-Boxen ist im Wartezustand Standby viel höher als fürs Fernsehschauen.


Mit dem Schritt von der analogen zur digitalen Übermittlung von Bild- und Tondaten begann vor einigen Jahren ein neues Fernsehzeitalter. Damit die TV-Geräte schärfere Bilder in höherer Auflösung darstellen konnten, brauchte es ein Zusatzgerät: Die Settop-Box. Doch die Entwicklung ging weiter. In Erwartung von noch viel besseren Fernsehbildern erfüllten damals viele LCD-und Plasma-Flachfernseher bereits den Standard „HD ready“. Heute ist hochaufgelöstes Fernsehen mit brillanten, gestochen scharfen Bildern („High Definition TV“) zum Standard geworden. Dafür braucht es aber bei Flachfernsehern der älteren Generation auch eine HD-fähige Settop-Box. Diese gehört zu den Senderpaketen von Providern wie Cablecom, Swisscom, Sunrise oder Quickline.

Topten Schweiz und die Sendung „Kassensturz“ des Schweizer Fernsehens wollten genau wissen, wieviel Strom die Settop-Boxes dieser Provider verbrauchen. An der HTW Chur wurden in Zusammenarbeit mit dem renommierten deutschen Prüf- und Zertifizierungsinstitut VDE fünf Geräte im Messlabor geprüft. Drei davon verfügen über einen Aufnahmerecorder. Damit ist neben dem Aufzeichnen von Sendungen auch zeitversetztes Fernsehen möglich. Zwei einfache Geräte dienen lediglich dem Empfang von digitalen (HD)-Sendern.



Viermal mehr Strom als fürs TV-Schauen
Liest man die Bedienungsanleitungen von Settop-Boxen, wird man meist darauf hingewiesen, das Gerät per Fernbedienung „ein- und auszuschalten“. Es wird so aber nicht vom Stromnetz getrennt, sondern geht in den Standby-Modus. Der Vorteil: Das Gerät wartet ‚aktiv‘ auf Software-Aktualisierungen (Updates) und beim Start des Fernsehers ist das Bild sofort da. Trennt man die Settop-Box hingegen vom Stromnetz, kann es beim Aufstart je nach Modell einige Sekunden bis mehrere Minuten dauern, bis Fernsehbild und aktualisierter Programmführer erscheinen. Bei Geräten mit Aufnahmerecorder können natürlich auch keine Aufzeichnungen gemacht werden, wenn sie komplett abgeschaltet sind.

Da ist es bequemer und wohl sehr weit verbreitet, die Settop-Box nur per Fernbedienung ‚abzuschalten‘. Bei durchschnittlich 4,5 Stunden fernsehen pro Tag summieren sich so in einem Jahr gut 7000 Standby-Stunden. Wie die Messungen von Topten und Kassensturz nun zeigen, ergibt das einen stolzen Stromverbrauch. Die Ergebnisse für die Settop-Boxen mit Aufnahmerecorder: Die Cablecom-Mediabox verbraucht im Standby 16,2 Watt – im Fernsehbetrieb sind es nur unwesentlich mehr (19,3 Watt). Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das einen Stromverbrauch von 147 Kilowattstunden (kWh) – davon allein 115 kWh im Standby. Oder anders ausgedrückt: Im Standby verbraucht die Mediabox fast viermal mehr Strom als beim Fernsehen.

Doppelt so viel Strom wie ein grosser Kühlschrank
Dasselbe gilt auch für die Sunrise TV-Box. Der Standby-Wert ist mit 13,9 Watt zwar etwas tiefer (Betrieb: 16,3 Watt). Vom Jahresverbrauch von 126 kWh gehen 99 kWh aufs Standby-Konto. Im Unterschied zum Kabelfernsehen ist bei Sunrise für den Fernsehempfang auch noch ein Modem nötig, das in der Regel permanent eingeschaltet bleibt. Dieses dient allerdings auch der Internetnutzung. Schlägt man von diesem Modem die Hälfte des Standby-Stromverbrauchs der Fernsehnutzung zu, kommen knapp 30 kWh hinzu. Das ergibt dann für Settop-Box und Modem einen jährlichen Standby-Verbrauch von rund 130 kWh. Zum Vergleich: Das ist fast doppelt so viel wie der beste von www.topten.ch gelistete 224-Liter-Kühlschrank (ohne Gefrierfach) pro Jahr verbraucht! Immerhin: Sunrise hat seine TV-Kunden kürzlich darauf aufmerksam gemacht, wie der nicht standardmässig eingestellte Stromsparmodus aktiviert werden kann. Nach der festgelegten Zeit fährt die aufnahmefähige Sunrise TV-Box in einen „Deep-Standby“-Modus mit einer Leistung von weniger als 1 Watt herunter. Geplante oder laufende Aufnahmen sind auch in diesem Sparmodus möglich. Allerdings mit einem Nachteil: “Bitte beachten Sie, dass das Aufwecken aus dem Stromsparmodus mehrere Minuten dauert“, schreibt Sunrise den TV-Kunden.

Quickline-Box: Sparsam und schnell
Etwas besser steht die aufnahmefähige Swisscom TV-Box da: Der Standby-Wert beträgt 8,3 Watt, im Betrieb sind es 15,9 Watt. Der Stromverbrauch pro Jahr liegt bei 85 kWh, davon entfallen knapp 60 kWh auf den Standby. Auf denselben Standby-Verbrauch kommt die Swisscom TV-Box ohne Aufnahmefunktion. Für beide Swisscom-Boxen braucht es wie bei Sunrise zusätzlich ebenfalls ein Modem mit einem TV-bedingten Standby-Verbrauch von rund 30 kWh pro Jahr. Unter dem Strich ergibt das einen Standby-Stromverbrauch von 90 kWh – dreimal mehr als beim Fernsehen.

Dass es auch anders geht, zeigt die einfache Settop-Box des Kabelnetzbetreibers Quickline: Der Standby-Wert liegt bei lediglich 0,5 Watt, im Betrieb sind es 8,6 Watt. Das ergibt einen jährlichen Stromverbrauch von lediglich 18 kWh, davon nur 4 kWh im Standby. Und der Clou dabei: Wenn die Quickline-Box vom Stromnetz getrennt wird, dauert es nach dem Einschalten zwei Sekunden, bis das TV-Bild erscheint. Die anderen gemessenen Settop-Boxen brauchen dafür 30 Sekunden (Cablecom-Mediabox) bis knapp drei Minuten (einfache Swisscom TV-Box). Sparsam ist also nicht unbedingt gleichbedeutend mit langsam.

Die Sache mit der Box
Neue LCD-/LED-Flachfernseher haben meist Tuner für den Digital-Empfang via Kabel (DVB-C), Satellit (DVB-S, DVB-S2) oder Antenne (DVB-T) eingebaut. HDTV ist bei diesen Geräten Standard. Beim Kabelfernsehen (Cablecom, Quickline) können diese Fernseher auch ohne externe Settop-Box betrieben werden, wenn sie CI+ tauglich sind.

Das Kürzel CI+ steht für einen Verschlüsselungsstandard von TV-Programmen. Statt durch die Settop-Box können die Programme auch mit einer „DigiCard“ entschlüsselt werden. Dafür muss am Fernseher ein CI-Einschubschacht vorhanden sein, wo diese Karte eingesteckt werden kann. Zeitversetztes Fernsehen oder Aufnahmen sind damit aber nicht möglich. Die effizientesten von www.topten.ch gelisteten TV-Geräte mit integriertem Tuner und CI+ Schacht haben im Standby eine Leistung von lediglich 0,15 Watt. Pro Jahr ergibt das einen Stromverbrauch von rund einer Kilowattstunde. Die von Topten und Kassensturz gemessenen Settop-Boxen brauchen – mit Ausnahme von Quickline - 90 bis 130 mal mehr!

Abonniert man mit diesen Topten-Geräten jedoch Swisscom- oder Sunrise-TV, das über Telefonleitung und Internet verbreitet wird, nützen integrierte Tuner nichts. Sie sind nicht für „Internet Protocol Television“ (IPTV) geschaffen. Dazu Swisscom-Mediensprecherin Annina Merk: „Heute gibt es noch keine TV-Geräte, die IPTV-Signale empfangen können. Deshalb benötigt es für den Empfang von Swisscom TV zwingend eine TV-Box. Grund dafür sind die unterschiedlichen Standards der verschiedenen Übermittlungstechnologien.“ Bleibt noch der Satelliten-Empfang: TV-Geräte mit integriertem Tuner (DVB-S, DVB-S2) können die frei empfangbaren (HD)-Sender zeigen. Für die sechs (HD)-Programme des Schweizer Fernsehens braucht es allerdings für eine einmalige Gebühr von 60 Franken die Viaccess-Karte zur Entschlüsselung. Diese steckt man in den CI-Einschubschacht.

55 Digital-Sender freigeschaltet
upc cablecom hat Mitte Oktober bekanntgeben, dass ab 1. Januar 2013 das digitale Grundangebot mit 55 TV-Programmen frei empfangbar sein wird. Darin eingeschlossen sind je nach Region bis zu 19 HD-Sender. Was heisst das? Dieses Grundangebot kann von Fernsehgeräten mit integriertem DVB-C-Tuner ohne Set-Top-Box oder „DigiCard“ empfangen werden. Für Fernsehgeräte ohne integrierten Tuner (Röhrenfernseher, ältere LCD- oder Plasma-Flachfernseher) ist für den Empfang des 55 Sender umfassenden Grundangebots nach wie vor ein Zusatzgerät notwendig – sei das die vorhandene (HD-fähige) Set-Top-Box oder neu ein sogenannter „Umwandler“. Dieser Umwandler kann zurzeit allerdings noch nicht bestellt werden. Wieviel (Standby-)Strom er verbrauchen wird, ist ebenfalls noch unklar. Für Kunden von upc cablecom, die mehr Sender als das Grundangebot mit 55 Sendern abonnieren möchten, bleibt die Verschlüsselung bestehen. Um diese weitergehenden Senderpakete empfangen zu können, braucht es zumindest eine „DigiCard“. Wer Sendungen aufzeichnen und zeitversetzt fernsehen will, braucht nach wie vor ein Zusatzgerät – sei das der Mediabox-Recorder von upc cablecom oder einen Digitalrecorde nach freier Wahl.

Die sparsamsten LCD-/LED-Fernseher finden Sie auf www.topten.ch

Text: Armin Braunwalder, Schweizerische Agentur für Energieeffizienz, www.energieeffizienz.ch

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