Gas-Oil-Nuclear and Climate-Pressreview Januar: Billiges Geld und tiefen Zinsen erlauben Investitionen in US-Fracking-Verlustgeschäft – harte Zeiten fürs Ölgeschäft

(WS) Interessieren Sie sich dafür, was die englisch- und deutschsprachige Presse insbesondere über Erdöl, Gas und Kohle schreibt? Walter Stocker, Geologe und ehemaliger Präsident von ASPO Schweiz erstellt für uns monatlich eine Press Review der wichtigsten Artikel zu diesen Themen. Zum Beispiel darüber, warum die Erdölpreise nicht mehr ansteigen, die Verlustgeschäfte mit dem Fracking in den USA, über ein angedachtes, totales Frackingverbot US-Bundesstaat Pennsylvania, Australien im Pyrozän und den Warnungen vom The Economist, über die wenig rosige 2020er Jahre für das Ölgeschäft.


ERDOEL

Der US Dronenangriff auf einen Iranischen Offizier im Irak, und der Raketengegenschlag des Iran auf US Stützpunkte im Irak, hat die Kriegsgefahr im Nahen Osten erhöht. Der Erdölpreis blieb natürlich nicht ganz verschont:
https://www.nytimes.com/2020/01/03/business/iran-oil.html?searchResultPosition=1

Aber die Ereignisse an den Erdölmärkten hinkten den realen Spannungen zwischen den USA und dem Iran hinterher:
https://www.nytimes.com/2020/01/07/business/energy-environment/iran-oil-soleimani.html?searchResultPosition=1

Warum der Erdölpreis nicht mehr angestiegen ist, und warum er dies aber tun müsste, wird im Artikel in  The Conversation analysiert:
https://theconversation.com/why-the-us-iran-conflict-isnt-driving-oil-prices-higher-and-why-it-probably-should-129727

Auch „The Economist“ stellt fest wie schnell die Erdölmärkte die Spannungen im Mittleren Osten weggesteckt haben:
https://www.economist.com/finance-and-economics/2020/01/16/oil-markets-shrug-off-tension-in-the-middle-east

Und wieder einmal wird der „Fracking Boom“ in den USA in den Himmel gelobt. Diesmal in „The Daily Signal“. Dabei wird kaum (oder nicht) erwähnt, dass „Fracking“ die schwindenden Reserven an (billigem und leicht förderbarem) konventionellem Erdöl nicht wird kompensieren können. Der „Boom“ ist auch nur beim einem erhöhten Erdölpreis möglich. Das billige Geld der Notenbanken und die tiefen Zinsen erlauben erst die Investitionen in dies „Verlustgeschäft“:
https://www.dailysignal.com/2020/01/22/how-the-oil-production-boom-has-benefited-america/

Kurze Zeit nachdem die USA ihre Truppen aus dem Nordosten Syriens zurückgezogen hatten, wurden erneut US Verbände in die Region geschickt, um die dortigen Erdölfelder zu sichern. Auch wenn diese Erdölvorkommen nicht enorm sind, so sind sie für die Regierung in Damaskus von entscheidendem Wert. Die Einkünfte würden für den Wiederaufbau dringend benötigt. Genau dies wollen aber die USA verhindern. Dieser „Erdöl Reichtum“ soll nicht in die Hände der Assad Regierung fallen. Da Russland Sicherheitsaufgaben in dieser Region übernommen hat, ist es nun zu gefährlichen (noch nicht gewaltsamen) Konfrontationen zwischen Truppen der USA und Russlands gekommen:

https://www.washingtontimes.com/news/2020/jan/21/us-troops-block-russian-forces-capturing-syrian-oi/

SAUDI ARAMCO

Im Januar hat Saudi Aramco 450 Millionen zusätzliche Aktien auf den Markt gebracht. Somit ist das Gesamtvolumen des grössten Börsenganges auf über 29 Mrd. Dollar angewachsen:
https://www.nzz.ch/wirtschaft/aramco-groesster-boersengang-wird-sogar-noch-groesser-ld.1533444

ERDGAS
In diesem Beitrag des „The Economist“ hat es interessante Angaben zu den neuen Erdgaspipelines von Russland nach Europa, und der Erdgasfrage im Libyenkonflikt:
https://www.economist.com/graphic-detail/2020/01/24/indias-democracy-in-danger

Die Demokraten im US-Bundesstaat Pennsylvania wollen ein totales „Fracking“ Verbot durchsetzen. Dies könnte jedoch bei den nächsten Wahlen zum Bumerang werden, da sehr viele Arbeitsplätze von der Erdgasindustrie abhängen:
https://www.nytimes.com/2020/01/27/us/politics/pennsylvania-democrats-fracking.html?searchResultPosition=1

KOHLE
Australien wird von verheerenden Buschfeuern heimgesucht. Der Klimawandel spielt dabei eine grosse Rolle. Aber gleichzeitig setzt die Regierung voll auf Kohle. Der „Le Monde Diplomatique“ titelt in seiner Januar Ausgabe „Australien im Pyrozän“:
https://monde-diplomatique.de/artikel/!5652926

Die „The New York Times“ spricht von Selbstmord:
https://www.nytimes.com/2020/01/25/opinion/sunday/australia-fires-climate-change.html?searchResultPosition=1

Ganz pervers wird es, wenn das grösste Kohleunternehmen sich über die Rauchentwicklung beklagt, die die Fördermenge beeinträchtige:
https://www.nytimes.com/2020/01/21/business/coal-company-bhp-smoke.html?searchResultPosition=1

Im Januar beschliesst die Regierung Deutschlands den Ausstieg aus der Kohle bis 2038. Die NZZ stellt den Fahrplan vor:
https://www.nzz.ch/wirtschaft/kohleausstieg-in-deutschland-der-fahrplan-steht-nzz-ld.1534315

Am Beispiel von Deutschland stellt die „The New York Times“ die Frage „wie schwierig ist der Ausstieg aus der Kohle?“:
https://www.nytimes.com/2020/01/16/climate/germany-coal-climate-change.html?searchResultPosition=1

FOSSILE ENERGIEN UND KLIMAWANDEL
Und wieder einmal wird eine Regel aus der Obama Zeit durch die Trump Regierung ausser Kraft gesetzt. So werden künftig bei grossen Infrastrukturprojekten (wie etwa Erdgas- oder Erdölpipelines) Einsprachen in Bezug auf den Klimawandel nicht mehr zugelassen:
https://www.nytimes.com/2020/01/03/climate/trump-nepa-climate-change.html?searchResultPosition=1

Die „Tennessee  Valley Authority“, welche in der Zeit des „New Deal“ der 1930er Jahre eine wichtige Rolle spielte, wird in den Zeiten des „Green New Deal“ wider eine zentrale Funktion einnehmen müssen, nämlich seine Elektrizitätswerke weg von der Kohle führen:
https://www.nytimes.com/2020/01/27/opinion/climate-Tennessee-Valley-Authority.html?searchResultPosition=1

Obwohl die Fossile Industrie seit mindestens dreissig Jahren weiss, dass sie aus dem Erdölausteigen soll, aber nichts getan hat, glauben Analysten immer noch, dass die fossilen Energiekonzerne eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen müssen:
https://www.nytimes.com/2020/01/09/opinion/renewable-energy-oil-companies.html?searchResultPosition=1

„The Economist“ sieht wenig rosige 2020er Zeiten auf „Big Oil“ zukommen:
https://www.economist.com/business/2020/01/18/big-oil-has-a-do-or-die-decade-ahead-because-of-climate-change

„The New York Times“ wiederum rät dazu, beim Geld (d.h. bei den Banken) anzusetzen, um dem Klima zu helfen:
https://www.nytimes.com/2020/01/11/opinion/climate-change-bank-investment.html?searchResultPosition=1

„The New York Times“ fragt sich aber auch, warum die Harvard Universität immer noch riesige Summen in fossilen Energien investiert hat:
https://www.nytimes.com/2020/01/29/opinion/harvard-divestment-fossil-fuels.html?searchResultPosition=1

Auf der positiven Seite kann festgestellt werden, dass die Zeitung „The Guardian“ keine Reklame für fossile Energien mehr akzeptiert:
https://www.nytimes.com/2020/01/30/business/media/guardian-climate-change-fossil-fuel-advertisements.html?searchResultPosition=1

Text: Walter Stocker, Geologe und ehemaliger Präsident von ASPO Schweiz

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3 Kommentare

Remi Zarn

Auch meinerseits herzlichen Dank an Werner Stocker!

Jürgen Baumann

Sehr schöne Zusammenstellung! Dank an Werner Stocker!!

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