Adonis, die eine Masthöhe von 99 Metern und einen Rotordurchmesser von 101 Metern misst, wird zu praktisch 100 Prozent das Tal aufsteigende Winde nutzen. ©Bild: Anita Niederhäusern

Bernard Troillet, Verwaltungsratspräsident der Betreibergesellschaft ValEole, anlässlich der Einweihung. ©Bild: Anita Niederhäusern

Oliver Kohhle von KohleNusbauemer, die für die Planung der Anlage verantworlich zeichnet und Sandra Hoffmann von Enercon anlässlich der Einweihung. ©Bild: Anita Niederhäusern

Adonis: Grösste Windturbine der Schweiz eingeweiht

(©AN) Ende Juli ging sie ans Netz, am 11. September wurde sie offiziell eingeweiht, die mit 3- MW-Leistung grösste Windturbine der Schweiz im Walliser Dorf Charrat, ein paar Kilometer nord-östlich von Martigny. „Sie wird jährlich rund 6.5 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren und ist die erste von mindestens drei weiteren Turbinen, die wir hier bauen wollen“, erklärte Bernard Troillet, Verwaltungsratspräsident der Betreibergesellschaft ValEole.


„Adonis, die eine Masthöhe von 99 Metern und einen Rotordurchmesser von 101 Metern misst, wird zu praktisch 100 Prozent das Tal aufsteigende Winde nutzen“, erklärt Oliver Kohle, Geschäftsleiter der KohleNusbaumer AG aus Lausanne, die für die Planung verantwortlich zeichnet. So wird die Anlage von Charrat hauptsächlich von 13 bis 19 Uhr mit thermischen Winden Strom produzieren. „Im Tal der Rhône zwischen dem Genfersee und St. Maurice gibt es kaum genügend Wind zur Windenergienutzung“, führt er weiter aus. „Erst durch die Verengung des Tals entstehen starke thermische Winde, die sich vorzüglich für die Stromerzeugung eignen“, erklärt der Fachmann weiter. So produziert zum Beispiel die Windturbine von Collonges rund 40 % des Stroms mit thermischen Winden die talaufwärts strömen und 60 % aufgrund von talabwärts strömendem Wind, der unter anderem bei Föhnlagen entsteht.

Je nach Wetterlage
Adonis wird hingegen bei Föhn keinen Strom produzieren, da dieser über die Bergkuppen hinwegfegt und damit nicht bis ins Tal reicht. In Charrat ist das Tal zu ungünstig orientiert, als dass der Föhn wie in Collonges bis ins Tal herabsteigt. Je nach Wetterlage ist der Windertrag sehr unterschiedlich, was bei Bisenlagen ganz deutlich wird: Wird die Bise durch ein Italientief verursacht, können alle Windturbinen im Wallis profitieren, kommt sie jedoch durch eine Hochdrucklage nördlich der Schweiz zustande, steht es schlecht um den Windertrag im Wallis.


4 plus 2
Geplant sind vier Anlagen plus zwei, sprich, Adonis ist die erste von vier. Als Pilotanlage musste sie gemäss der kantonalen Gesetzgebung noch nicht in den Nutzungsplan integriert werden. Um eine solche Anlage bauen zu dürfen, müssen einerseits gute Windbedingungen herrschen, andererseits muss sie Teil eines zukünftigen Windparks sein. Die drei weiteren Turbinen unterliegen nun dem ordentlichen Nutzungsplan-Verfahren, erklärten die Gemeindebehörden auf Anfrage. Können die insgesamt vier Anlagen gebaut werden, so besteht für ValEole eine Option auf weitere zwei Anlagen, alle im Gemeindegebiet Charrat, Saxon und Fully.

Adonis

Adonis, die ab 10 km/h in Betrieb geht und bei einem Windaufkommen von über 100 km/h abgeschaltet wird, trägt übrigens den Namen einer golden blühenden Pflanze, die in der Schweiz nur im Wallis, und dort vor allem an den Hängen von Charrat anzutreffen sind. Die Windturbine stammt vom deutschen Produzenten Enercon wie übrigens rund die Hälfte der Anlagen der Schweiz. Im Wallis stehen nur Enercon-Anlagen, der Mercedes unter den Windturbinen, wie ein Windfachmann erklärt.

Regionale Wertschöpfung

ValEole ist ein Beispiel für eine dezentrale erneuerbare Stromproduktion, mit der ein Teil der Wertschöpfung der Energieproduktion direkt in die Region gelenkt wird. ValEole ist ein Zusammenschluss von Gemeinden zwischen Martigny und Riddes sowie von Energieversorgern. 50 % der Beteiligung halten die Gemeinden Charrat, Martigny, Fully, Saxon, Riddes und Saillon. Die zweite Hälfte der Beteiligung wird von folgenden Energieversorgern gehalten: Service Electrique Intercommunal SA (SEIC), Sinergy Infrastructure SA, Energie de Sion-Region SA (ESR), RhôneEole SA und Groupe E Greenwatt SA.

RhôneEole
„RhôneEole, die auch an ValEole beteiligt ist, betreibt bereits zwei 2-MW-Windturbinen im Tal der Rhône, eine in Collonges und eine in Martigny. Aufgrund der günstigen Windverhältnisse sind aber noch weitere Anlagen in Planung: „In Collonges sollen es zusätzlich zwei 2,3 MW-Anlagen sein. In Martigny gar zwei mit je 7.5 MW zur bestehenden 2 MW-Anlage“, erklärte Jean-Marie Rouiller, Verwaltungsratsmitglied von RhônEole und Vertreter der Services Industriels de Lausanne anlässlich der Einweihung in Charrat. An RhôneEole sind die fünf Gemeinden Collonges, Dorénaz, Evionnaz, Vernayaz und Martigny, sowie Sinergy Infrastructure SA, der Energieversorger SEIC und die Stadtwerke Lausanne beteiligt.

W
indland Westschweiz
Die Suisse Romande bestärkt nicht nur auf den Jurahöhen ihren Willen, ihren Beitrag zu einer erneuerbaren Energieversorgung zu leisten. Die Services Industriels de Lausanne, zum Beispiel, planen auf den Höhen oberhalb von Lausanne den Windpark EolJorat Sud. EolJorat Sud zählt acht Windturbinen mit einer Leistung von total 37.5 MW und soll jährlich rund 90 Mio. kWh Strom liefern, EolJorat Nord soll 15 MW-Leistung aufweisen und jährlich 45 Mio. kWh Strom produzieren.

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

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