Positiv sehen die Verbände die Ausweitung der Biomethanproduktion auf 35 Mrd. m³ für das Jahr 2030, fordern aber auch hier zügig konkretisierende Schritte, um das Ziel erreichen zu können.

Verbändebündnis: EU verkennt Beitrag der Bioenergie für Verkehrs- und Wärmebereich - gleichzeitig treibt sie den Ausbau von Fracking-Öl und Fracking-Gas voran

(PM) In einem gemeinsamen Schreiben haben sich 16 Verbände der Bioenergie sowie Land- und Forstwirtschaft an EU-Parlamentarier sowie die deutsche Bundesregierung gewandt und auf die klatanten Schwächen der EU-Kommunikation ‚Repower EU‘ zur Sicherung der Energieversorgung hingewiesen. Die Verbände zeigen sich in dem Brief „irritiert und besorgt, dass die Kommunikation das Potential der Bioenergie zur Erhöhung des Selbstversorgungsgrads nicht erfasst und wesentliche Beiträge der Bioenergie für den Verkehrs- und Wärmebereich ausser Acht lässt.“ Hintergrund des Schreibens ist die für den 18. Mai von der EU-Kommission geplante Vorlage einer Energiestrategie, die auf der am 8. März veröffentlichten ;Repower-EU‘-Mitteilung aufbauen soll.


Die Verbände kritisieren in dem Schreiben, „dass der Beitrag nachhaltiger Bioenergie vor allem für den Verkehrs- und Wärmebereich von der EU verkannt wird und gleichzeitig – von Umweltseite nahezu unkommentiert – der Ausbau von importiertem Erdöl und Erdgas aus Fracking vorangetrieben werden soll.“ Weiter heisst es, dass die EU anerkennen müsse, dass Bioenergie dort Lösungen bereitstelle, wo andere erneuerbare Energien nicht verfügbar seien oder an ihre Grenzen stossen, wie beispielsweise im Fahrzeugbestand oder dem Schwerlastverkehr, in der Wärmebereitstellung im Gebäudebestand und in der Prozess- und Industriewärme sowie als gesicherter und flexibler Ausgleich schwankender Stromerzeugung.

EU-Energiestrategie schnell und grundlegend überdenken
Die Verbände sehen die russische Invasion in der Ukraine als einen Weckruf, dass die EU ihre Energiestrategie schnell und grundlegend überdenken müsse. „Auf eine solche beispiellose Krise, die sich unmittelbar auf die Bürger und Unternehmen der EU auswirkt, mit einer unzureichenden Kommunikation zu reagieren, die einseitig auf die Diversifizierung der Gasversorgung und die Elektrifizierung Europas ausgerichtet ist, konterkariert den notwendigen ganzheitlichen Ansatz der Energiepolitik. (…) Bestehende Ausbaupfade und Potentiale bei der Bioenergie zu ignorieren, wird der Gesamtherausforderung erkennbar nicht gerecht.“ so die Kritik des Schreibens.

Bioenergie macht in der EU 60 % aller erneuerbaren Energien aus
Die Verbände weisen zudem auf die überragende Bedeutung der Bioenergie im Gesamtkontext der erneuerbaren Energien in der EU und Deutschland hin: „Aktuell macht die Bioenergie in der EU 60 % aller erneuerbaren Energien aus und deckt bereits 13 % des Endenergieverbrauches. Allein in Deutschland stellt die Bioenergie 54 % aller erneuerbaren Energieleistung bereit und rund 8 % des Energiebedarfs. So leistet die Bioenergie im Verkehrsbereich einen Beitrag von rund 87 %, im Wärmebereich von rund 86 % und im Strombereich von rund 22 % der erneuerbaren Energien und ersetzt damit nicht nur nennenswerte Energieimporte, sondern spart auch jährlich 79 Mio. t CO2 ein (Stand 2021). Allein im Jahr 2021 sorgte die Bioenergie in Deutschland für wirtschaftliche Impulse in Höhe von mehr als 13 Mrd. € und führte zu Investitionen von 2.6 Mrd. €, vor allem im Wärme- und Strombereich.“

Energieimporte aus instabilen Weltregionen sind strategische Schwachstelle
Das Schreiben bemängelt weiterhin, dass Energieimporte aus instabilen Weltregionen und autokratisch geführten Ländern seit langem eine vorhersehbare strategische Schwachstelle darstellen würden und es deshalb grob fahrlässig sei, dass die EU-Kommission jetzt mit ‚Repower EU‘ eine derart inkonsistente und unvollständige Kommunikation vorgelegt habe. Die Verbände appellieren an die deutsche Bundesregierung und EU-Parlamentarier sich dafür einzusetzen, dass „in der für Mitte Mai geplanten Strategie der Kommission das Potential der Bioenergie aufgenommen wird und die Unzulänglichkeiten der ‚Repower-EU-Mitteilung nicht fortgeführt werden.“

Positiv sehen die Verbände die Ausweitung der Biomethanproduktion auf 35 Mrd. m³ für das Jahr 2030, fordern aber auch hier zügig konkretisierende Schritte, um das Ziel erreichen zu können.

Die Unterzeichner
Die Unterzeichner des Schreibens sind die Agdw – Die Waldeigentümer e.V., der Bundesverband Bioenergie e.V. (Bbe) und der Fachverband Holzenergie im Bundesverband Bioenergie (Fvh), der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft e.V. (Bdbe), die Bundesgütegemeinschaft Holzasche e.V. (Bgh), der Bundesverband Dezentraler Ölmühlen und Pflanzenöltechnik e.V. (Bdoel), Carmen e.V. - Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe, der Deutsche Bauernverband e.V. (Dbv), der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (Desh), der Fachverband Biogas e.V. (Fvb), der Holzenergiefachverband Baden-Württemberg e.V. (Hef), der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik e.V. (Hki), der Mittelstandsverband abfallbasierter Kraftstoffe e.V. (Mvak), Ovid Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V., die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (Ufop) und der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V. (Vdb).

Text: Deutscher Bundesverband Bioenergie (Bbe)

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