Der jährliche Stromertrag der Solaranlagen in Deutschland ist grösser, als der aller vier Schweizer AKW zusammen. Bild: SSES

SSES: AKW sind im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien keine Lösung für unsere Probleme

(SSES) Die Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie SSES weist die Forderung nach neuen AKW in der Schweiz, so wie sie von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher im Blick gefordert wird, klar zurück. Die Solarenergie vermag vor allem im Winter wesentlich mehr zu leisten, als von der Nationalrätin behauptet.


In einem wesentlichen Punkt teilt die SSES die Meinung von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher: Die Schweiz muss sich in erster Linie selbst organisieren. Auf Importe aus dem Ausland zu setzen ist keine Strategie, um die Versorgungssicherheit zu garantieren. Jetzt die Laufzeit der bestehenden AKW zu verlängern oder gar neue AKW zu fordern, ist ein höchst problematischer und nicht zielführender Weg bezogen auf die Versorgungssicherheit und auch bezogen auf die Klimakrise.

Frage der Entsorgung nach wie vor ungelöst
Bauzeiten und Kosten von AKW übersteigen diejenigen aller anderen Technologien bei weitem. Beim sich seit vielen Jahren im Bau befindliche AKW Hinkley Point C garantiert der englische Staat einen Strompreis von 13 Rp/kWh über 35 Jahre, zuzüglich Inflationsausgleich, Risikoübernahme bei den Rückbaukosten und der immer noch ungelösten Endlagerung von Atommüll. Die Frage der Entsorgung in der Schweiz ist nach wie vor ungelöst und ein Export der Abfälle falsch.

Schlechte Klima-Bilanz
Zudem ist die Klima-Bilanz bei der Atomenergie – anders als oft behauptet wird – weit grösser als Null. Dies unter anderem aufgrund der Gewinnung und Aufbereitung des Urans, der im Betrieb und bei der Wiederaufbereitung emittierten ionisierenden, radioaktiven Edelgase sowie des Rückbaus und der Endlagerung. Solarenergie ist deutlich preisgünstiger, sogar inklusive saisonaler Speicherung.

Deutscher Solarpark produziert mehr als Schweizer AKW
Dass dies tatsächlich so ist, zeigt Deutschland: in den letzten 8 Jahren hat ein leistungsmässiger Solarzubau stattgefunden, der 75 mal dem AKW Beznau I entspricht, oder einem jährlichen Energieertrag, der grösser ist, als der aller vier Schweizer AKW zusammen. Der Ausbau der Solarenergie ist weit günstiger und nicht mit dem grossen Risiko behaftet, das eine Verlängerung der Laufzeit der Schweizer AKW mit sich bringen würde.

Fassaden und alpine Photovoltaikanlagen
Schlicht falsch ist die Aussage, dass die Photovoltaik im Winter nichts zur Versorgung beitragen kann. Das Bundesamt für Energie hat festgestellt, dass sich ein Winterstromanteil gegenüber dem heutigen PV-Park um 22% steigern lässt. Dafür müssten aber Fassadenanlagen endlich gleich unkompliziert bewilligt werden wie Dachanlagen. Betrachtet man hochalpine PV-Anlagen, wie sie an der Muttsee-Staumauer geplant sind, dann beträgt der Winterstromanteil gar 50%. Damit solche Anlagen gebaut werden, muss nun der Strommarkt mit entsprechenden Korrekturen im Mantelerlass entsprechend auch auf die Winterproduktion ausgerichtet werden.

Text: Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie SSES

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1 Kommentare

Max Blatter

Natürlich nicht!

Die Forderung nach neuen Kernkraftwerken ordne ich als "Technostalgie" ein, womit ich das nostalgische Festhalten an veralteten Technologien meine (wie etwa auch Vinylschallplatten, mechanische Uhren, Dampflokomotiven oder Verbrennungsmotoren).

Wobei ich zugegeben muss: Von 2000 (Auslaufen des AKW-Moratoriums in der Schweiz) bis zum Frühjahr 2011 (Fukushima) gehörte auch ich ein wenig zu den AKW-Technostalgikern. Als Übergangstechnologie, um den "Erneuerbaren" mehr Zeit zu geben. Das war ein Irrtum.

Zum Glück reicht das Potenzial der "Erneuerbaren" für eine komfortable Energieversorgung aus. "Wir schaffen das", rechtzeitig, auch ohne AKW.

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