Produktion im 1. HJ 2021: 10 von 11 Windparks übertrafen die Erwartungen. Die Anlagen mit den höchsten Produktionsüberschreitungen: Rengg (LU) 153% (im Bild), Lutersarni (LU) 143%, Collonges (VS) 131% und Mont Crosin (BE) 127% ©Bild: Suisse Eole

Suisse Eole: Schweizer Windenergieanlagen überflügeln die prognostizierte Produktion um 22 %

(Suisse Eole) Erneute Rekordproduktion bei Schweizer Windenergieanlagen: Im ersten Halbjahr 2021 wurde 22 % mehr Strom produziert als in der Planung berechnet. „Diese Rekordproduktion zeigt einmal mehr, dass es nicht an Wind fehlt, sondern an Windenergieanlagen, die den Wind nutzen!“, erklärt IsabelleChevalley, Präsidentin von Suisse Eole und Nationalrätin. 2019 und 2020 produzierten die Schweizer Windparks 14% mehr Strom als bei ihrem Bau veranschlagt. (Article en français >>)


„Bei acht Windparks mit insgesamt 68 geplanten Anlagen steht ein Urteil des Bundesgerichts aus“, erläutert Isabelle Chevalley. „Sollten sie alle grünes Licht erhalten, würde der von diesen Anlagen produzierte Strom zusammen mit dem Strom aus den 41 bereits bestehenden Windenergieanlagen die Windkraftziele der Schweiz für 2030 übertreffen!“ Die Produktion würde sich auf 600 Millionen Kilowattstunden erhöhen, was dem Strombedarf von etwa 400‘000 Personen entspricht! Leider stellen Windparks in der Schweiz aber auch einen europaweiten Negativrekord auf: Die Planung in unseren Nachbarländern dauert zwischen zwei und sechs Jahren, in der Schweiz rund 20 Jahre. Der Windpark Sainte-Croix erhielt im April 2021 grünes Licht vom Bundesgericht, 23 Jahre nach der ersten Machbarkeitsstudie! Der Projektträger Romande Energie geht davon aus, dass die Anlagen 2023 ans Netz gehen werden.

Maximal drei Jahre in der EU
„Die Europäische Union hat neue Richtlinien herausgegeben, nach denen das Verfahren bei Projekten im Bereich erneuerbarer Energien auf drei Jahre begrenzt wird: Zwei Jahre für das Genehmigungsverfahren und ein Jahr für Rekurse“, erläutert Lionel Perret, Direktor von Suisse Eole. „Alle unsere Nachbarländer haben verstanden, welche grundlegende Rolle die Windkraft für die Energieversorgung im Winter spielt. Nach dem Abschalten der letzten Atomkraftwerke in Deutschland im Jahr 2022 und dem Ausstieg aus der Kohle im Jahr 2038 wird Winterstrom noch wertvoller sein. Dies umso mehr als Frankreich beabsichtigt, den Anteil an Atomstrom in seinem Strommix von heute 71% bis 2035 auf 50% zu reduzieren.“ Da zwei Drittel der Energie in der kalten Jahreszeit produziert wird, ist die Windkraft der systemrelevante Winterbaustein im Trio der erneuerbaren Energien. Zwei Drittel der CO2-neutralen und heimischen Windenergie wird im Winter erzeugt, wenn Solaranlagen und Wasserkraftwerke weniger produzieren, die Nachfrage aber besonders hoch ist.

Verpasste Gelegenheit!
Das deutsche Bundesland Saarland hat 1 Million Einwohner und seine Fläche ist eineinhalbmal grösser als die des Kantons Fribourg. Im Saarland gibt es derzeit 216 Windenergieanlagen und etliche weitere befinden sich im Genehmigungsverfahren. 1791 Windenergieanlagen wurden im Bundesland Rheinland-Pfalz errichtet, dessen Fläche der des Schweizer Mittellands entspricht und das 4.1 Millionen Einwohner zählt. In Österreich waren 2020 insgesamt 1300 Windenergieanlagen in Betrieb. Das Land ist doppelt so gross wie die Schweiz und hat 8.9 Millionen Einwohner. Die Schweiz mit ihren 41 Windenergieanlagen ist das einzige europäische Land, das nur einen kleinen Teil seines Windkraftpotenzials ausschöpft. Eine verpasste Gelegenheit für das Klima und unsere Versorgungssicherheit im Winter.

Text: Suisse Eole

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1 Kommentare

Max Blatter

"Trio der erneuerbaren Energien"?
Gemeint sind wohl

Wasserkraft, Solarenergie, Wind ... oder
Solarenergie, Wasserkaft, Wind ... oder
Solarenergie, Wind, Wasserkraft ...

... je nachdem, ob man die drei in absteigender Reihenfolge der aktuellen Nutzung, des als umweltverträglich nutzbar geltenden Potenzials oder des auf der Fläche der Schweiz verfügbaren natürlichen Energieflusses ordnet.

Da sind aber noch: Biomasse, erneuerbarer Anteil aus Abfall, Abwasserreinigungsanlagen (aktuelle Stromerzeugung zusammen nur knapp hinter dem Solarstrom) – und die Geothermie (aktuelle Stromerzeugung in der Schweiz noch Null; aber das wird sich ändern, zumal das umweltverträglich nutzbare Potenzial hinter der Solarstrahlung an zweiter Stelle liegt).

Das "Trio der erneuerbaren Energien" ist in Tat und Wahrheit also – auch in einem Binnenland wie der Schweiz – mindestens ein Quintett!

Ich finde es enorm wichtig, die Dinge jeweils konsequent in einem umfassenden Rahmen einzuordnen, um nie den Überblick zu verlieren.

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