Daniel Wehrli mit einem Modell des Dämmelements Schirm. ©Bild: HSLU/Priska Ketterer

Visualisierung einer textil sanierten Tennishalle. ©Bild: HSLU

HSLU: Textile Dämmung - neue Hüllen für alte Hallen

(HSLU) Die meisten Schweizer Sport- und Industriehallen müssen saniert werden. Forschende der Hochschule Luzern haben eine textile Dämmung entwickelt, die das Verfahren erheblich vereinfacht. So könnten viele Hallen vor dem Abriss bewahrt werden. Die Dämmung sollte ab 2020 im Handel erhältlich sein sein.

 

In der Schweiz gibt es tausende Hallenbäder, Tennisanlagen und Turnhallen. Viele sind alt und schlecht isoliert und müssten vor allem energetisch saniert werden. Das war bisher aufwändig und teuer. Doch im Rahmen der Projektreihe «Texlining» entwickelten Designerinnen und Architekten der Hochschule Luzern mit Partnern aus der Bauwirtschaft eine textilbasierte Dämmung, die den Sanierungsprozess revolutionieren könnte.

Die textile Dämmung sollte ab 2020 erhältlich sein. Prototypen hängen zu Demonstrationszwecken in einer Gewerbehalle des Membranspezialisten und Hauptwirtschaftspartners HP Gasser AG in Lungern. Sie sind für Interessenten auf Anmeldung einsehbar.

Textilschichten werden mit wärmedämmendem Granulat gefüllt
Das Revolutionäre an der textilen Dämmung ist die ungewöhnliche Kombination der Materialien: «Die einzelnen Elemente bestehen aus zwei Textilschichten, die je nach Variante mit einer einblasbaren Wärmedämmung aus Steinwolle, Zellulose aus Altpapier oder Steinwolldämmplatten gefüllt werden», erläutert Daniel Wehrli von der Forschungsgruppe Produkt & Textil der Hochschule Luzern. Die Forschenden setzen auf ein feuerfestes Glasfasergewebe, wie es in der Luft- und Raumfahrt oder im Bootsbau zum Einsatz kommt. Eine direkt auf das Glasfasergewebe aufgebrachte transparente Folie dient als Dampfbremse und schützt das Dämmmaterial vor zu viel Feuchtigkeit.

Die neue Technik kann die Sanierungen stark verkürzen; die Arbeiten dauern nur noch einige Tage statt Wochen oder sogar Monate wie bis bisher. «Unsere Elemente weisen ähnlich gute wärmedämmende Eigenschaften auf wie handelsübliche Dämmplatten», so Wehrli. «Die Textilschichten werden für jede Halle individuell entworfen, vorproduziert, an Decken und Wände gehängt und vor Ort mit wärmedämmendem Granulat gefüllt.»



Dämmung lässt sich für ästhetische Wirkung nutzen
Das Texlining-Team hat drei Dämmelement-Varianten geschaffen, die sich in Form, Gewicht und Aufhängung und Preis unterscheiden und jede für spezielle Gebäudetypen eingesetzt werden können. So eignet sich die Variante «Kissen» für Massivbauten aus Beton, der «Baldachin» für Leichtbauten aus Stahl oder Holz und der «Schirm» für Hallendecken in beiden Gebäudetypen.

«Der pyramidenförmige Schirm ist teurer als die anderen Varianten», erklärt Wehrli. «Dafür hat er das grösste Potenzial in puncto Design.» Weil eine textile Dämmung sichtbar bleibt, gibt sie Innenräumen eine ästhetische und haptische Qualität, die Architektinnen und Architekten gestalten können. Das Glasfasergewebe lässt sich etwa mit Mustern und Farbverläufen bedrucken. «Decken und Wände müssen ja nicht zwangsläufig weiss sein.»

Hallen vor Leerstand und Abriss bewahren
Das Texlining-Team hat nicht nur die Dämmung entwickelt, sondern auch ihr Marktpotenzial analysiert. Für Wohnungen und Einfamilienhäuser kommen die Dämmelemente weniger in Frage, weil sie für grossflächige Anwendungen ausgelegt sind. Die Analyse hat aber ergeben, dass damit mindestens 250 der rund 5000 Schweizer Sporthallen ausgestattet und 2000 alte Gewerbehallen zu Büro- oder Ausstellungsgebäuden umfunktioniert werden können. Daniel Wehrli: «So können wir die Hallen vor Leerstand und Abriss bewahren.»

Stoff für die Energiewende

Schlecht isolierte Gebäude sind Energiefresser. Eine höhere Sanierungsrate ist folglich ein wichtiges Standbein der Energiestrategie 2050 des Bundes. Die Projektreihe «Texlining» der Departemente Design & Kunst und Technik & Architektur der Hochschule Luzern leistet einen Beitrag dazu. Sie wird von Innosuisse unterstützt.

Forschungspartner: HP Gasser AG, Flumroc AG, Isofloc AG und Tissa Glasweberei AG

Text: Hochschule Luzern – Design & Kunst

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