Die Methanpyrolyse mittels Blasensäulenreaktor ermöglicht eine klimafreundliche Nutzung von fossilem Erdgas. ©Bild: Leon Kühner, KIT

KIT und Wintershall Dea: Wollen Wasserstoff aus Erdgas ohne CO2-Emissionen herstellen

(ee-news.ch) Durch Methanpyrolyse soll sich fossiles Erdgas zukünftig klimafreundlich nutzen lassen: Methan wird dabei in gasförmigen Wasserstoff und festen Kohlenstoff gespalten, der einen wertvollen Grundstoff für verschiedene Industriezweige darstellt und darüber hinaus sicher gelagert werden kann. Die Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben dafür ein effizientes Verfahren entwickelt.


Gemeinsam mit dem Industriepartner Wintershall Dea wollen sie es nun für den Einsatz im industriellen Massstab weiterentwickeln. Experten der International Energy Agency IEA haben errechnet, dass schon eine Beimischung von 20 Prozent Wasserstoff im europäischen Gasnetz die CO2-Emissionen um 60 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren. Das ist so viel, wie Dänemark in einem ganzen Jahr ausstösst.

Methan wird kontinuierlich in seine Bestandteile zerlegt
„Die direkte thermische Spaltung von Methan und anderen Kohlenwasserstoffen bietet eine Möglichkeit, um Wasserstoff aus Erdgas herzustellen – und zwar ohne direkte CO2-Emissionen“, erklärt Professor Thomas Wetzel vom Institut für Verfahrenstechnik des KIT. Seine Forschungsgruppe am KIT entwickelte dafür zusammen mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. in Potsdam ein Verfahren, bei dem Methan in einem mit Flüssigmetall befüllten Blasensäulenreaktor kontinuierlich in seine Bestandteile zerlegt wird: in Wasserstoff und festen Kohlenstoff. Der Kohlenstoff kann als Reinstoff in fester Form sicher gelagert und in vielen industriellen Bereichen genutzt werden. Der Wasserstoff wiederum lässt sich als sauberer Energieträger im Strom-, Wärme- und Mobilitätsbereich nutzen oder in industriellen Prozessen einsetzen, beispielsweise bei der Herstellung von Stahl.

Forschungskooperation mit Wintershall Dea
In einem gemeinsamen, zunächst auf drei Jahre angelegten Projekt wollen das KIT und der Industriepartner Wintershall Dea in den nächsten drei Jahren nun die Grundlagen für einen künftigen industriellen Einsatz der Methanpyrolyse schaffen. „Es gibt weltweit grosse Mengen Erdgas und es gibt die Möglichkeit, dieses Erdgas klimaneutral nutzbar zu machen. Wie wir das technisch effizient umsetzen und später auch für grosse Gasmengen einsetzen können: Das wollen wir in unserem Forschungsprojekt nun untersuchen“, sagt Wetzel. Die Forschung von KIT und dem Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. zur Methanpyrolyse wurde 2018 mit dem Innovationspreis der Deutschen Gaswirtschaft ausgezeichnet.

Text: ee-news.ch, Quelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

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1 Kommentare

Max Blatter

So sehr ich eine möglichst große Technologie-Vielfalt im Bereich der erneuerbaren Energieressourcen begrüße: DAS ergibt für mich irgendwie keinen Sinn! Auf der einen Seite entwickelt man "Power-to-Gas"-Verfahren, mit denen "erneuerbar" produzierter Wasserstoff zu leichter zu handhabenden Methan verarbeitet wird; auf der anderen Seite will man hier umgekehrt aus dem Methan des Erdgases Wasserstoff gewinnen. Trotz der verkündeten CO2-Neutralität: Erdgas ist und bleibt eine nicht-erneuerbare Ressource, und trotz der propagierten industriellen Nutzung verbleibt der abgetrennte Kohlenstoff als potenzielle CO2-Quelle in der Biosphäre. Ich werde den Verdacht nicht los (und der verliehene "Innovationspreis der Deutschen Gaswirtschaft" würde diese These stützen), dass es sich hier um ein verzweifeltes Rückzugsgefecht der Gasindustrie handelt.

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