19. Feb 2019

Auf zwei der drei Gebäude des Quartiers Haus Hagen ist eine PV-Anlage mit 99 kW gebaut worden. Eine weitere PV-Anlage konnte durch die Begrenzung im Mieterstromgesetz nicht realisiert werden. ©Bild: Christian Eblenkamp

Die Nahwärme stammt aus einem ca. 200 m entfernten Biomasse-BHKW. Die Initiative kam von Hubertus Hüllmann, einem der drei Investoren des Projekts. ©Bild: Karl-Martin Flüter.

Haus Hagen: Grösste geförderte Mieterstromanlage trotz bürokratischer und regulatorischer Hürden umgesetzt

(PM) Im ostwestfälischen Delbrück-Sudhagen werden im neuen Wohnquartier Haus Hagen 13 Parteien mit preisgünstigem und nachhaltig produzierten Mieterstrom versorgt. Das 2018 nach gut 18 Monaten Bauzeit fertig gestellte kleine Quartier zeichnet sich durch seine kleingliedrige, dem Dorfcharakter angepasste Gebäudestruktur aus und nimmt insbesondere Rücksicht auf die besonderen Wohnansprüche von Senioren.


Das vom Delbrücker Architektenbüro Martin Hüllmann konzipierte Ensemble besteht aus drei Gebäuden und beherbergt eine Tagespflege für 18 Besucher und eine Pflegewohngemeinschaft für neun Bewohner. Beide Einrichtungen werden vom Caritasverband Paderborn e. V. betrieben. Weiter sind in den um einen grünen Innenhof gruppierten Gebäuden sieben Eigentumswohnungen mit Tiefgarage und Kellerräumen sowie vier weitere Wohneinheiten als Reihenhausbebauung erstellt worden.

Umsetzung trotz bürokratischer und regulatorischer Hürden
Mit dem von drei privaten Investoren aus der Umgebung von Delbrück finanzierten Objekt wird durch das Angebot der Tagespflege und der Seniorenwohngemeinschaft älteren Delbrückern ein längerer Verbleib in ihrer gewohnten Umgebung ermöglicht. „Dieses Projekt“, so Wilhelm Schröder vom Themengebiet Erneuerbare Energien der Energieagentur.NRW, „zeigt, dass es trotz mancher bürokratischen und regulatorischen Hürden möglich ist, Mieterstrom-Projekte umzusetzen.“

Versorgung mit Nahwärne aus Biomasse-BHKW
Christina Metzner vom planenden Architekturbüro und Hubertus Hüllmann, einer der drei Investoren und Bruder des Architekten, berichten zum Projekt: Die im KfW-55 Standard errichteten Gebäude werden mit umweltfreundlicher Nahwärme aus einem knapp 200 m entfernten mit Biomasse betriebenen BHKW versorgt. Hubertus Hüllmann, selbst Landwirt und Eigentümer sowie Betreiber von mehreren Biomasse-Heizkraftwerken in der Region, hat auf seinem eigenen Hof bereits seit Jahren eine 68-kW-grosse Photovoltaik-Anlage in Betrieb. Daher war es für ihn naheliegend, auch das Objekt in Sudhagen mit PV auszustatten.

Konkret wurden die Planungen jedoch erst Ende 2017, als das Mieterstromgesetz endgültig durch die Europäische Union notifiziert war. Da die Detailplanungen für die Gebäude jedoch schon weit vorangeschritten waren, mussten, so Christina Metzner, die Dachstatik und die Hausanschlussräume erneut geprüft und entsprechend geändert werden – ein im laufenden Prozess nicht ganz einfacher Vorgang

PV-Anlage, Batteriespeicher und Ladesäule für Elektroautos
Auf zwei der drei Gebäude ist eine PV-Anlage mit einer Leistung von 99 Kilowatt (kW) geplant und gebaut worden. Damit ist Haus Hagen das zurzeit von der Anlagenleistung her grösste mit dem Mieterstromzuschlag geförderte Projekt in Deutschland. Gern hätte Hubertus Hüllmann auch das dritte Gebäude mit PV ausgestattet.

Begrenzung verhindert dritte PV-Anlage
Dem stand jedoch die durch das Mieterstromfördergesetz festgelegte Begrenzung von 99 kW entgegen. Neben der PV-Anlage sind ein stationärer Batteriespeicher von 48 kWh und eine Ladesäule für Elektroautos installiert.

Herausforderung Energielieferant
Als Energielieferant tritt die von den Bauherren gegründete Gesellschaft Haus Hagen Verwaltung GmbH & Co KG auf, sie ist auch Messstellenbetreiberin. Die Rolle als Energielieferant mit allen Rechten und Pflichten hatte sich Hubertus Hüllmann zu Beginn des Projektes nach dem Motto: ‚Der Strom vom Dach soll allen Nutzern der Gebäude zu Gute kommen‘ leichter vorgestellt als dies in der praktischen Umsetzung möglich war. Doch mit Unterstützung des Verteilnetzbetreibers Westfalen Weser Netz, mit dem das Messstellenkonzept (Summenzählermodell) und die Abrechnungsmodalitäten entwickelt und einvernehmlich abgestimmt wurden, ist das Projekt jetzt auf einem guten Weg.

Ökostromtarif überzeugte Mieter
Die trotz grosser PV-Anlage und Batteriespeicher noch benötigten Rest-Strommengen werden von Westfalen Wind bezogen. Der Stromtarif liegt nicht nur, die vom Gesetzgeber geforderten, zehn Prozent unter dem Grundversorgertarif, sondern ist noch günstiger, nämlich zwei Cent unter dem Tarif von Westfalen Wind. Die Mieter und Nutzer zahlen nun knapp 25 Cent brutto je Kilowattstunde. Bei einem solchen Tarif war es auch überhaupt kein Problem, alle Nutzer und Mieter der Gebäude davon zu überzeugen, sich mit dem vor Ort und in der Region produzierten Ökostrom beliefern zu lassen.

Text: Energieagentur NRW

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