27. Nov 2018

Ein Billigflug von Basel nach Berlin wäre normal besteuert rund 2.6-mal teurer. ©Bild: Flightlevel80/iStock; ETH Zürich

Fliegen ist zu billig, rechnet Renate Schubert vor. Würden Treibstoffsteuer, CO2 -Abgabe und Mehrwertsteuer bezahlt, wären Tickets teurer und Falschanreize verringert. ©Bild: ETH Zürich

ETH Zukunftsblog: Fliegen ist zu billig – die wahren Kosten der Fliegerei sind weit höher

(ETH Zukunftsblog)Übers Wochenende mal schnell nach London? Zum Weihnachtsshopping rasch nach New York? Wer kennt sie nicht, die Versuchung des billigen Fliegens? Tatsache ist, dass das Fliegen dem Klima enorm schadet. Dennoch ist Fliegen heutzutage in den meisten Ländern so billig, dass mehr denn je geflogen wird. Warum ist das so?


Betrachten wir das Beispiel Schweiz. Hierzulande sind Auslandsflüge von der Kerosinbesteuerung ausgenommen; im Automobilbereich hingegen gibt es eine Steuer auf das Benzin. Zudem ist der Flugverkehr von einer CO2-Abgabe befreit und kennt auch keine Emissions-Höchstgrenzen. Schliesslich müssen Flugpassagiere, anders als andere Konsumentinnen, auch keine Mehrwertsteuer für ihre Tickets zahlen.

Flugpreise sind zu tief
Dies alles trägt dazu bei, dass Flugpreise – verglichen mit anderen Verkehrsmittel – sehr tief sind. So kann man beispielsweise für 31.20 Franken von Basel nach Berlin fliegen, während ein reguläres Zugbillet in der zweiten Klasse ohne Ermässigung 178 Franken kostet.

Würden Zuschläge aufs Fliegen den Zug ökonomisch konkurrenzfähig machen? Ökologisch wäre er das allemal, denn während der Flug Basel-Berlin einen CO2-Ausstoss von ungefähr 180 Kg CO2 bedeutet, würden bei der Zugfahrt nur ca. 20 Kg CO2 emittiert.

Rechenbeispiel Basel – Berlin
Bleiben wir beim Beispiel eines Flugs (einfach, Economy Klasse) von Basel nach Berlin (Schönefeld) für 31.20 Franken. Dieser Flug legt eine Distanz von 690 km zurück. Verwendet man den von der deutschen Luftfahrtbehörde angenommenen durchschnittlichen Kerosinverbrauch von 5.52 l/Person & 100 km, kommt man auf einen Kerosinverbrauch pro Person von ca. 38 Litern. Basierend auf der Kerosinbesteuerung bei Inlandsflügen von 0.74 Fr/l, erhält man einen Treibstoffaufschlag auf den Flugpreis von 27.90 Franken.

Für die CO2-Abgabe orientieren wir uns an den Werten des Bundesamts für Umwelt und des CO2-Gesetzes und setzen 96 Fr/Tonne CO2 an. Der CO2-Ausstoss des Beispiel-Flugs kann, wie erwähnt, mit 0.18 Tonnen veranschlagt werden, über alle verschiedenen Flugzeugtypen oder Auslastungsgrade hin. Der CO2-Aufschlag beträgt dann also 17.20 Franken, was zu einem Gesamtflugpreis von 76.30 Franken führt. Hierauf wäre dann noch die Mehrwertsteuer von 7.7% anzuwenden, was eine weitere Verteuerung um 5.90 auf 82.20 Fr ergibt. Somit läge der neue Flugpreis gegenüber dem Ausgangspreis beim 2.6-fachen. Würde man etwa noch eine Ticketabgabe berücksichtigen, wie sie an manchen europäischen Flughäfen üblich ist, wäre der Faktor noch grösser. Je nach Ausgangspreis ist insgesamt mit dem 2-fachen bis zum 7-fachen des derzeit üblichen Ticketpreises zu rechnen – eine drastische Steigerung!

Auch erhöhter Flugpreis nur halb so hoch wie Bahnticket
Allerdings ist dieser neue Flugpreis immer noch nur halb so gross wie der Preis eines nicht ermässigten Zugbillets. Diese Preisunterschiede haben etwas mit den Unterschieden in den Infrastrukturkosten beider Systeme zu tun – Bau und Erhalt der Schienennetze schlagen beim Zugfahren stark zu Buche. Wichtig scheinen aber auch Marktstrukturen zu sein. Während die Fliegerei ein hart umkämpfter Markt ist, was sich für die Konsumentinnen und Konsumenten in tiefen Preisen niederschlägt, ist das Zugfahren häufig eher monopolistisch organisiert, mit entsprechend hohen Billetpreisen.

Preissignale und Zeichen setzen
Will man die Fliegerei reduzieren oder zumindest nicht weiter anwachsen lassen, sind Zuschläge auf die Flugpreise sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Nur: Erst kürzlich hat sich Umweltkommission des Nationalrats gegen eine CO2-Lenkungsabgabe auf Flugtickets ausgesprochen. Der Wirksamkeit von Preissignalen allein kann man ohnehin nicht vertrauen. Ich bin überzeugt: Wir brauchen auch eine andere Einstellung zum Thema. Muss ich wirklich zum Weihnachtshopping nach New York, nur weil es so schön billig ist? Alles, was dazu beiträgt, Konsumentinnen und Konsumenten langfristiger denken zu lassen, hilft.

Text: Renate Schubert, Professorin für Nationalökonomie an der ETH Zürich, ETH Zukunftsblog, ETH Zürich

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