20. Nov 2018

Die Grafik zeigt die Zielerreichung im Strombereich für jedes einzelne der teilnehmenden EVU (hellblaue Balken gehören zu EVU, die ihre Ergebnisse anonym dargestellt haben möchten). Bild: BFE

Die Grafik zeigt die Zielerreichung im Wärme- und Gasbereich für jedes einzelne der teilnehmenden EVU (hellblaue Balken gehören zu EVU, die ihre Ergebnisse anonym dargestellt haben möchten). Bild: BFE

EVU Benchmarking: Von recht gut bis miserabel - der Grossteil der EVU ist Meilenweit von Erneuerbaren und Effizenz entfernt

(ee-news.ch) Die Resultate des freiwilligen Benchmarking der EVU vom BFE bezüglich der Ziele der Energiestrategie 2050 sind nicht berauschend: 5 Stromlieferanten erfüllen mind. 80% der Zielsetzungen in den 7 Handlungsfeldern. Der Durchschnitt liegt indes bei bescheidenen 51%. Mit durchschnittlich 50% liegt beim Wärme/Gas-Benchmarking auch noch vieles im Argen. (Texte en français >>)


Im Strombereich haben dieses Jahr 91 EVU teilgenommen, bei der letzten Runde im Jahr 2016 waren es noch 66. Die Zielerreichung liegt im Durchschnitt bei 51%. Die Zielerreichung zeigt dabei, wo die EVU in Bezug auf die in den Kriterien operationalisierten Ziele stehen. Eine Zielerreichung von 100% würde einem idealen EVU entsprechen, das in allen Kriterien das Punktemaximum erzielt. Mit einer Zielerreichung von 51% wird deutlich, dass bei den teilnehmenden EVU noch einiges Potenzial für Verbesserungen besteht.

Grosse Unterschiede
Das Gesamtergebnis zeigt aber auch, dass es grosse Unterschiede zwischen den Teilnehmenden gibt. Fünf Stromlieferanten erfüllen 80% oder mehr der Zielsetzungen. Mehr als die Hälfte der 91 teilneh-menden Stromlieferanten erfüllt die Zielsetzungen zu mehr als 50%. Die übrigen EVU liegen unter 50%, rund ein Dutzend EVU erreichen derzeit weniger als 30% der Ziele.

Viel Potenzial für Verbesserungen
Die durchschnittliche Zielerreichung bei den einzelnen Handlungsfeldern beträgt zwischen 37% (Produktion erneuerbare Energien) und 66% (Unternehmensstrategie). Je nach Handlungsfeld gibt es schon einige EVU, die die Ziele bereits zu 100% erfüllen. Viele EVU erfüllen die Ziele zumindest teilweise und nur wenige EVU haben erst geringe oder gar keine Aktivitäten unternommen.

Relativ weit fortgeschritten sind die Stromlieferanten bei der Unternehmensstrategie in Bezug auf erneuerbare Energien und innovative Projekte. Ebenfalls hoch ist der Anteil erneuerbare Energie im Liefermix und der Anteil der EVU, die die Vorschriften bezüglich Gewässerschutz und Restwassersanierungen einhalten.

Nachholbedarf gibt es insbesondere beim Anteil ökologisch produzierter Wasserkraft und beim Zubau von Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen, bei Förderprogrammen und tariflichen Mas-snahmen, und beim Absatz von Ökostrom.


Das Ziel: mehr Transparenz
Am 21. Mai 2017 hat das Schweizer Stimmvolk die Energiestrategie gutgeheissen und das revidierte Energiegesetz angenommen. Strategie und Gesetz zielen darauf ab, den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und die erneuerbaren Energien zu fördern. Zudem wird der Bau neuer Kernkraftwerke verboten. Das vorliegende EVU-Benchmarking zeigt, inwieweit die schweizerischen Energieversorgungsunternehmen (EVU) mithelfen, den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen und die Energieeffizienz zu steigern.

Ziel des Benchmarkings ist es, Transparenz über die Aktivitäten der EVU zu schaffen und damit bei den Adressaten eine Reaktion auszulösen, die zum Erreichen der Ziele der Energiestrategie beiträgt. Das Benchmarking soll insbesondere

  • die EVU motivieren, in den Bereichen Strom und Wärme/Gas verstärkt Aktivitäten bezüglich Ener-gieeffizienz und erneuerbaren Energien zu unternehmen. Das Benchmarking zeigt ihnen, wo Ver-besserungspotenzial besteht und welches die Best Practices sind.
  • EnergieSchweiz den Handlungsbedarf und mögliche Stossrichtungen aufzeigen, die in der Zusam-menarbeit mit den EVU angegangen werden können.
  • die Grosskundinnen und -kunden, die auf dem freien Energiemarkt einkaufen, über die Leistungen der Ener-gieversorger in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz informieren. Dies wäre bei der geplanten Marktöffnung auch für kleinere EnergiekundInnen interessant.

Wärme und Gas

51% der Zielsetzungen
Nach der Pilotrunde im Jahr 2016 haben dieses Jahr 50 EVU im Wärme-/Gasbereich teilgenommen. Die Zielerreichung liegt im Durchschnitt bei 50%. Auch hier wird deutlich, dass das Potenzial für Aktivitäten noch nicht ausgeschöpft ist. Zwei EVU erfüllen bereits 80% oder mehr der Ziele, 22 weitere EVU liegen zwischen 50% und 80%. Die restlichen 26 EVU erreichen weniger als 50%, davon liegen sechs EVU unter 30%.

Potenzial für Verbesserungen
Die durchschnittliche Zielerreichung bei den einzelnen Handlungsfeldern beträgt zwischen 28% (Förderprogramme und tarifliche Massnahmen) und 68% (Energiedienstleistungen).

Relativ weit fortgeschritten sind die EVU bei der Unternehmensstrategie in Bezug auf innovative Projekte, beim Zubau von erneuerbarer Wärme im Handlungsfeld Produktion sowie bei den Angeboten für Haushaltskunden im Wärmebereich.

Nachholbedarf gibt es indessen bei der Produktion und dem Zubau von Biogas, beim Liefermix Gas, dem Basis-Gasprodukt sowie bei Förderprogrammen und tariflichen Massnahmen.

Fortschritte sei sichtbar
Im Vergleich mit den früheren Erhebungen sei die Zielerreichung bei den Stromlieferanten in den Handlungsfeldern Unternehmensstrategie, Gewässerschutz und Lieferung erneuerbare Energie zum Teil deutlich gestiegen, schreibt das BFE in seinem Bericht. Es gäbe bspw. immer mehr EVU, die auf strategischer Ebene festlegen, dass sie bis 2035 vollständig oder grösstenteils auf erneuerbare Energien setzen wollen. Dieser Trend werde mit der Entwicklung in anderen Kriterien bestätigt. So böten immer mehr Stromlieferanten standardmässig ein erneuerbares Produkt an. Dies wiederum habe zur Folge, dass der Anteil der erneuerbaren Energie im Liefermix steigt.

In anderen Handlungsfeldern wie den Energiedienstleistungen und den Förderprogrammen und tariflichen Massnahmen sei die Zielerreichung über die Jahre rückläufig, stellt das BFE fest. Dies sei darauf zurückzuführen, dass einerseits die Operationalisierung verschärft worden und andererseits vor allem kleinere EVU neu hinzugekommen seien. Diese verfügten tendenziell über geringere finanzielle Möglichkeiten und hätten in diesen Handlungsfeldern erst wenige Massnahmen umgesetzt.

Bei den Wärme- und Gaslieferanten zeigte sich ein ähnliches Bild, bilanziert das BFE. Auch hier würden die Entwicklung teilweise durch die Verschärfung der Operationalisierung überlagert.

Rund 95 Teilnehmende
Das Benchmarking wurde 2018 zum vierten Mal durchgeführt. Die Teilnahme ist freiwillig, die teil-nehmenden EVU können ihre Ergebnisse auf Wunsch anonym darstellen lassen. Teilgenommen haben insgesamt 97 EVU, davon 44 Querverbundunternehmen. 64 EVU haben bereits in den Vorjahren ein oder mehrere Male teilgenommen. Die EVU kommen aus der ganzen Schweiz: 77 EVU stammen aus der Deutschschweiz, 11 aus der Romandie und 9 aus dem Tessin. Rund die Hälfte der EVU fällt in die Kategorie «kleinere EVU» (Absatz < 100 GWh/a Strom und/oder Gas). Rund ein Drittel der EVU zählt zu den mittleren EVU (Absatz 100-1'000 GWh/a). Die übrigen EVU sind grosse EVU (Absatz > 1'000 GWh/a). Insgesamt decken die teilnehmenden EVU 58% des Schweizer Stromabsatzes und 68% des Schweizer Gasabsatzes ab und geben damit einen guten Querschnitt durch die EVU-Landschaft in der Schweiz.

Benchmarking, Resultate der Erhebungsrunde 2017/18 >>

Text: ee-news.ch / Bundesamt für Energie

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