25. Okt 2018

Vertrag für die Zukunft der Energieversortung: Jan Martin und Reinhart Christiansen von Energie des Nordens mit Sönke Tangermann von Greenpeace Energy. ©Bild: Greenpeace Energy

Windparks nutzen, statt abschalten: Greenpeace Energy und Energie des Nordens bauen Windgas-Elektrolyseur

(PM) Windparks nutzen, statt abschalten – mit diesem Ziel bauen die Hamburger Energiegenossenschaft Greenpeace Energy und Energie des Nordens aus Ellhöft einen Elektrolyseur zur Produktion von grünem Wasserstoff durch Windenergie. Der Windgas-Elektrolyseur im schleswig-holsteinischen Haurup mit einer Nennleistung von einem Megawatt soll von 2020 an jährlich bis zu 3.75 Millionen Kilowattstunden Wasserstoff für die fast 20‘000 proWindgas-Kundinnen und -Kunden von Greenpeace Energy ins Gasnetz einspeisen.


„Für das Gelingen und die Akzeptanz der Energiewende ist es höchste Zeit, dass wir gerade hier im Norden jede Kilowattstunde Windstrom nutzen, anstatt wie bisher die Anlagen abzuschalten, wenn das Netz mit Kohlestrom verstopft ist“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy, bei der Unterzeichnung des Vertrages für das Elektrolyseur-Projekt. „Genau das ermöglicht die Windgas-Technologie: Wenn mehr erneuerbarer Strom produziert als ins Netz gelassen wird, lässt sich damit per Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und klimafreundlichen Wasserstoff aufspalten.“ Bislang ungenutzte Stromüberschüsse können so als erneuerbares Gas in Form von Wasserstoff im vorhandenen Gasnetz gespeichert werden. Damit lassen sich selbst lange Dunkelflauten überbrücken, Phasen mit wenig Wind und Sonne. Dies schafft Versorgungssicherheit auch bei hohen Erneuerbaren-Anteilen im deutschen Energiesystem.

Netzknotenpunkt und Deudan-Gaspipeline sind gute Voraussetzungen
Am Umspannwerk Haurup hätten sie einen geeigneten Ort für das Projekt gefunden, sagt Reinhard Christiansen, Geschäftsführer von Energie des Nordens (EdN), ein Zusammenschluss von rund 80 regionalen Erneuerbaren-Unternehmen. „Zum einen können wir hier an einem Netzknotenpunkt überschüssigen Windstrom aus der gesamten Region nutzen. Und zum anderen läuft hier die kapazitätsstarke Gastransportleitung ‚Deudan’ vorbei, in die wir den produzierten Wasserstoff einspeisen können.“ Zum Projekt Windgas Haurup tragen auch der Stromnetzbetreiber Schleswig-Holstein Netz sowie Gasunie als Betreiber der Deudan-Gaspipeline bei.

Windpark auch nach EEG wirtschaftlich
Auch wenn sich die Stromüberschüsse in der Region im Zuge des künftigen Netzausbaus reduzieren sollten, ist der Betrieb des Elektrolyseurs in Haurup gesichert: Dann unterstützt er mit seiner Fahrweise die Integration des Windparks Ellhöft in das Stromportfolio von Greenpeace Energy. Einen Vertrag über die Lieferung von grüner Energie aus sechs Windenergieanlagen des Typs AN-Bonus mit je 1.3 Megawatt Leistung hatten Greenpeace Energy und die Windparkbetreiber Anfang September abgeschlossen. Das so genannte Power Purchase Agreement (PPA) und der Elektrolyseurbetrieb ermöglichen den wirtschaftlichen Weiterbetrieb des Windparks Ellhöft nach dem Auslaufen der EEG-Förderung zum Ende des Jahres 2020.

Neben der Windgas-Produktion bei sonst aufgrund von Einspeisemanagement (Einsman) abgeschalteten Windkraftanlagen kann der neue Elektrolyseur auch Regelenergieleistung anbieten. Dazu fährt der Elektrolyseur auf Signale des Netzbetreibers hin seine Leistung hinauf oder herunter und stabilisiert so das Stromnetz, in dem Erzeugung und Verbrauch immer im Gleichgewicht sein müssen. Damit wird gezeigt, wie erneuerbare Energien in Verbindung mit intelligenten Technologien die nötige Versorgungssicherheit gewährleisten können.

Windparks nutzen, statt abschalten
Einen echten Fortschritt sieht auch Reinhard Christiansen von Energie des Nordens: „Für uns war es immer unbefriedigend, wenn unsere Kraftwerke bei besten Windverhältnissen abgeschaltet wurden. Jede genutzte Kilowattstunde Grünstrom und jedes Molekül grünes Gas mehr hilft schliesslich im Kampf gegen den Klimawandel. Wir freuen uns, dass wir und unsere Partner jetzt Innovationen erproben können, die im grossen Stil wichtige Beiträge zum Gelingen der Energiewende leisten können.“

Der Elektrolyseur in Haurup ist bereits der zweite, den die Greenpeace Energy eG mit Partnern baut. Der erste ging im Oktober 2016 im fränkischen Hassfurt in Betrieb (siehe ee-news.ch vom 24.10.2018 >>).
Text: Greenpeace Energy eG

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