13. Okt 2018

Auch die Schweiz muss sich mit der schwindenden Exportfähigkeit wichtiger traditioneller Handelspartner auseinandersetzen.

Europäische Stromverbände: Fordern Verfügbarkeit von gesicherter Stromproduktions-und grenzüberschreitende Transportkapazitäten - heutiges Marktgefüge schafft keine Investitionsanreize

(ee-news.ch) Die Verbände der europäischen Stromwirtschaft von Tschechien, Frankreich, Luxemburg, Grossbritanien, den Niederlande, Norwegen, Österreich, Belgien, der Schweiz und Deutschland stellen sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter die europäischen Klimaziele - und unterstreichen die Bedeutung der Versorgungssicherheit. Die Entwicklung der verfügbaren Stromproduktionskapazitäten ist dafür zentral.


Zehn nationale Verbände der europäischen Stromwirtschaft bekennen sich gemeinsam zum Ziel, eine sichere, nachhaltige und erschwingliche Energieversorgung in Europa zu erreichen. VSE-Präsident Michael Wider hat die entsprechende Erklärung heute in Berlin unterzeichnet. Allen unterzeichnenden Verbänden gemeinsam ist die Sorge um die Verfügbarkeit von gesicherter Stromproduktionskapazität und grenzüberschreitende Transportkapazitäten. Denn mit dem Abstellen von AKW und fossilen Kraftwerken nimmt die gesicherte Leistung in ganz Europa massiv ab. Verschiedene europäische Länder dürften in Zukunft nicht über genügend eigene Produktionskapazitäten verfügen. Auch die Schweiz muss sich mit der schwindenden Exportfähigkeit wichtiger traditioneller Handelspartner auseinandersetzen.

Solidarität gefährdet
Dieser Trend werde sich verstärken, da die derzeitigen Marktbedingungen beispielsweise den Bau neuer Kraftwerke oder Speicheranlagen nicht zuliessen, so die Verbände. Werde dieser Entwicklung nicht entgegengewirkt, sei in nur wenigen Jahren die bisher praktizierte Solidarität zwischen den Ländern bei der Überwindung beispielsweise von Netzengpässen gefährdet, da es dann etwa an geeigneten Kraftwerks- oder Speicherkapazitäten mangeln werde.

Integrierten europäischen Energiemarkt
Die Verbände bekennen sich in der Erklärung zu den europäischen Klimaschutzzielen. Versorgungssicherheit in Europa könne nur im Zuge der Weiterentwicklung eines für die Energiewende geeigneten integrierten europäischen Energiemarktes wirksam gewährleistet werden. Erforderlich sei zudem die enge Zusammenarbeit aller Mitgliedstaaten und Drittländer, die Teil des Verbundnetzes Kontinentaleuropas oder von mit Kontinentaleuropa verbundenen Netzgebieten sind. Vereinbart wurde zudem ein kontinuierlicher Austausch der Verbände zu diesen Themen.

Die Rolle der Schweiz
«Sich heute vor allem auf zukünftige Stromimporte aus Deutschland und Frankreich zu verlassen, ist keine gute Strategie - und stellt ein grosses Risiko dar», sagt Michael Wider. Der Atom- und Kohleausstieg in Deutschland und die Alterung des Nuklearparks in Frankreich könnten dazu führen, dass die Exportfähigkeit beider Nachbarn innert weniger Jahre deutlich abnehme. «Wir müssen unsere Nachbarn und deren Umsetzung ihrer Produktionsstrategien nun genau beobachten. Dabei sollten wir Rahmenbedingungen schaffen, die mehreren Szenarien gerecht werden», sagt Wider. Dazu gehört auch, dass die EU-Mitgliedstaaten eng mit Drittstaaten, die massgeblich zu Stromtransiten, Versorgungssicherheit und Netzstabilität in Europa beitragen, zusammenarbeiten.

Heutiges Marktgefüge schafft keine Investitionsanreize
Die Verbände warnen, dass die heutigen Marktbedingungen die notwendigen Investitionen in Kraftwerke und Netze nicht gewährleisten können. «Alle Staaten beklagen unisono, dass das heutige Marktgefüge keine Investitionsanreize zu schaffen vermag, um allfällig entstehende Leistungslücken zu füllen», so Wider. «Alle Unterzeichnenden sehen das - zusammen mit der Dekarbonisierung der Energiewelt - als grösste Herausforderung der nahen Zukunft.» Wird diesem Trend nicht entgegengewirkt, könnte die bisherige Solidarität unter den Ländern schon in wenigen Jahren gefährdet sein. Ausschlaggebend dafür wären zu wenig geeignete Produktions- und Speicherkapazitäten, bzw. ein Mangel an gesicherter Leistung.

Die Unterzeichner-Verbände:

  • Tschechien: Svaz průmyslu a dopravy České Republiky
  • Frankreich: UFE - Union Française de l'Electricité
  • Luxemburg: Organisation des Entre-prises d’Electricité du Luxembourg
  • Grossbritannien: Energy UK
  • Niederlande: Energie-Nederland
  • Norwegen: Norsk Olje&Gass Norwegian Oil and Gas Association
  • Österreich: Österreichs E-Wirtschaft
  • Belgien: FEBEG - Fédération des Entreprises Electriques et Gazières a.s.b.l.
  • Schweiz: VSE - Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen
  • Deutschland: BDEW - Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Text: ee-news.ch / VSE

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