13. Sep 2016

Das Baufeld H, das kommentiert besichtigt werden konnte, ist der Endpunkt beziehungsweise Auftakt der Europaallee. Das Mobilitätskonzept: Fussgänger statt Automobilisten sowie die Anbindung an der HB Zürich. ©Bild: T. Rütti

3'500 Studienplätze an der Pädagogische Hochschule Zürich, über 6'000 Arbeitsplätze, 400 Wohnungen, Geschäfte, Gastronomiebetriebe sowie Freizeiteinrichtungen sollen die Europaallee zum lebendigen Teil Zürichs machen. ©Bild: T. Rütti

Die Wärme- und Kälteverteilung, Frischluftversorgung, Lufthygiene und Energieerzeugung sind so konzipiert, dass – in Abstimmung mit der Gebäudehülle – ein optimales Raumklima entsteht. ©Bild: T. Rütti

Reto Decurtins, Geschäftsleitungsmitglied der in der Gebäudetechnik verankerten Ingenieurfirma ahochn AG, erörtert das Funktionieren des Gebäudetechnikkonzeptes für das Baufeld H der Zürcher Europaallee. ©Bild: T. Rütti

Europaallee Zürich: Urbanes Nachhaltigkeitskonzept im Baufeld H

(©TR) Unweit von der Zürcher Langstrasse entfernt entsteht ein Projekt mit starkem Nachhaltigkeitsakzent. Hauptkriterien im Architekturwettbewerb waren Energieeffizienz, die Förderung einer umweltverträglichen Mobilität sowie die Integration ins bestehende Quartier. Gewonnen haben den Wettbewerb die e2a eckert eckert architekten ag im Team mit Basler & Hofmann.

Ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept sowie ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept für Mitarbeitende sind die wesentlichen Merkmale des Baufelds H: Unmotorisierte und Fussgänger statt Automobilisten sowie vor allem die unmittelbare Anbindung an den Hauptbahnhof Zürich. So zumindest lautete die Message, die den Besuchern der öffentlich zugänglichen Führung und Besichtigung vermittelt wurde von Gesamtprojektleiter Denis Burri (Priora AG) sowie als Vertreter von SBB Immobilien von Andreas Steiger, Leiter Development Europaallee, Rolf-Werner Wirtz, Gesamtprojektleiter Baufeld H, und Severin Baumann, Projektleiter Betrieb. Von generell grossem Interesse waren bei den Ausführungen Aspekte wie Nachhaltigkeit und Qualitätssicherung. Immerhin bildeten sie ein prioritäres Kriterium beim Architektenwettbewerb. Das Baufeld H der Europaallee zeige, dass sich bei der Vergabe eines Bauvorhabens mit einem Architektenwettbewerb bemerkenswerte Lösungen erzielen liessen, hiess es. Von den Architekten wurde unter anderem ein ausführliches Energiekonzept verlangt.

Was wollen und/oder können wir uns leisten?
Interessant war, dass bei den Wettbewerbsteilnehmern sogar «eine deutliche Lernkurve» auszumachen war, je länger sich die Architekten damit befassten. Jedenfalls zwangen Reporting und Bewertung der Kriterien sowohl Bauherrschaft als auch Planer zur intensiven Auseinandersetzung mit all den Aspekten der Nachhaltigkeit, der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien: Was macht Sinn, was wollen und/oder können wir uns leisten, was wird in der Zukunft wichtiger denn je zuvor?, lauteten die Kernfragen. Mitunter stellten die Wettbewerber aber eines fest: Die Grenzen des physikalisch Machbaren werden irgendwann erreicht. Von hier an übernehmen Labels die Vorreiterrolle.

Mehrkosten erwiesen sich als «beherrschbar»

Das ursprünglich anvisierte Label «Minergie A Eco» musste leider fallengelassen werden. Dies auch im Strudel der Komplexität des Mammutprojektes. Erreicht wurde schliesslich nur das Label «Minergie P Eco». MukEn und Gesetze hinken neuen Standards immer etwas hinterher. Eine eher ernüchternde Erkenntnis: Das Erfüllen der Vorschriften auf allen Ebenen garantiert noch keine Nachhaltigkeit per se, wie einem am Tag der offenen Baustelle erklärt wurde. Und: Die finanziellen Anreize für energetische Nachhaltigkeit seien für die Investoren nach wie vor zu bescheiden. Eine Feststellung, die hingegen für ein hochentwickeltes Energiekonzept spricht: Unter dem Strich erweisen sich zumindest die in Kauf genommenen Mehrkosten zumindest als beherrschbar.

Die (relativ engen) Grenzen der Nachhaltigkeit

Wie sich in Verlaufe der Planung zeigte, sind der energetischen Nachhaltigkeit durchaus Grenzen gesetzt. Die ursprüngliche  Vorgabe lautete: Ein CO2-freier Gebäudebetrieb aus reiner Eigenversorgung. Diesem Anspruch konnte unter anderem aus folgenden Gründen nicht entsprochen werden:

  • Eine allumfassende Photovoltaikanlage hätte angeblich eine zu starke Blendwirkung auf die Wohnungen gehabt.
  • Die Integration eines Kinos mit 6 Sälen liess sich nicht mit der Idee eines CO2-freien Gebäudebetriebs unter einen Hut bringen.
  • Die Fassadenbefahranlage und die Rückkühler beanspruchen zu viel Dachfläche; dieser Platz fehlt dann aber, um eine flächendeckende Photovoltaikanlage zu installieren.

Um der ursprünglichen Idee genügen zu können, hätte man schon die vorgesehene Ausnutzung der Gebäulichkeiten reduzieren und die Anforderungen deutlich herunterschrauben müssen. Auch hätte man den durch diese Massnahmen entstehenden Mehrkosten zustimmen müssen. Dazu war man indessen nicht bereit...

Anforderungen der Auftraggeber
genügen
Erdwärme, Abwärme und Luft werden auch im Baufeld H zum Heizen und Kühlen genutzt: Den Besuchern wurde Folgendes erklärt: Die Ingenieure, Techniker und Zeichner planen Funktionen wie Wärme- und Kälteverteilung, Frischluftversorgung, Lufthygiene und Energieerzeugung explizit so, dass ein optimales Raumklima entsteht, selbstverständlich in Abstimmung mit der Aussenhülle. Innovative Gebäudetechnik mit den Sparten Heizung, Lüftung, Klima, Kälte, Sanitär sollen hier die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Ressourcen wie Wasser und Energie effizient und nachhaltig eingesetzt werden können und sich die Bewohner und Benutzer wohl fühlen. Man habe die komplexe Gebäudeautomation so projektiert, dass sie den Anforderungen der Auftraggeber genüge – und vor allem einwandfrei funktioniere, wurden die Besucher informiert, die der Einladung von Forum Energie Zürich zum kommentierten Baustellenrundgang gefolgt waren.

Energieflüsse in den Gebäuden direkt nutzen
Reto Decurtins, Geschäftsleitungsmitglied  der in der Gebäudetechnik verankerten Ingenieurfirma ahochn AG, erörterte das Funktionieren des Gebäudetechnikkonzepts: «Durch die vielen unterschiedlichen Nutzungen bestehen auch unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf den Wärme- und Kältebedarf in den Gebäuden. Diese fallen teilweise gleichzeitig an. Mit dem heute realisierten Konzept wird sicher gestellt, dass diese Energieflüsse in den Gebäuden direkt genutzt werden. Und zwar noch bevor weitere - energieeffiziente - Energieerzeugungen dazugeschaltet werden.»

Dimensionen des Baufeldes H

Den Abschluss (oder Beginn) der Europaallee zur Zürcher Langstrasse bildet das Design-Hotel 25Hours, das in seiner Solitärstellung zusammen mit dem Vorplatz einen Bezug zum Langstrassen-Quartier herstellen soll. Im Hauptbau entstehen auf Sockelbauten zwei unterschiedlich hohe Türme – der eine mit Wohn-, der andere mit Büronutzung. Im Sockel des kulturellen Warenhauses Kosmos entstehen ein Studio-Kino mit 6 Sälen, Restaurants, Veranstaltungslokal und Buchhandlung. Als weitere Mieter kommen die Privatschule Juventus sowie der Google-Konzern hinzu.

  • Grundstücksfläche 7161 m2
  • Geschossfläche 46'190 m2
  • Hauptnutzungsfläche 32'830 m2
    - aufgeteilt in Büro 9384 m2
    - Bildung 3071 m2
    - Retail 423 m2
    - Kinos inklusive Gastronomie 4218 m2
    - Hotel inklusive Gastronomie 10'256 m2
    - Wohnen 4530 m2
    - Lagerfläche 948 m2
    - Parkplätze 62.

Der Gestaltungsplan datiert aus dem Jahre 2006, die Baubewilligung wurde im August 2013 erteilt, Baubeginn war im August 2014. Investitionsvolumen: CHF 192‘000‘000. Bezugsbereit ist der Gebäudekomplex im Frühjahr 2017.

Vorträge und Reisen zu Energie- und Nachhaltigkeitsprojekten
Nebst Anlässen vor Ort wie diese Führung und Besichtigung der Europaallee veranstaltet das Forum Energie Zürich auch Vortragsreihen und Reisen zu Energie- und Nachhaltigkeitsprojekten im Bau- und Siedlungsbereich. Geschäftsführerin Veronika Sutter präzisiert dazu: «Der Besuch des Baufelds H der Europaallee war eine Veranstaltung aus unserem vielfältigen Angebot. Das per 2016 ausgebaute Kursangebot bietet Wissen und Austausch zu energieeffizientem Bauen, Stromeffizienz bis hin zu SIA 380/1 sowie Theorie und Praxis von Aerogel, Regeneration Erdsonden oder die Kombination von Wärmepumpen mit Sonnenkollektoren sind weitere Themen.»

Weitere Informationen zum Baufeld H >>

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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