25. Mär 2011

Derweil berichtet Greenpeace, die Betreiberfirma des AKW Fukushima TEPCO habe inzwischen die Informationshoheit. Deren Meldungen würden zum Teil direkt von der internationalen Atomenergie-Organisation IAEA übernommen.

Fukushima: Tepco Informationshoheit ?

(ee-news.ch) SR DRS meldet dass in Fukushima an verschiedenen Stellen Wasser stand, das 10'000-fach stärker strahlte als gewöhnlich. Die Informationslage ist nach wie vor sehr schwierig. Greenpeace berichtet, die Betreiberfirma des AKW Fukushima Tepco habe inzwischen die Informationshoheit.


Warum das Wasser stark radioaktiv belastet sei, war zunächst unklar. Der Kraftwerkbetreiber Tepco räumte ein, dass das Wasser aus dem Reaktorkern stammen könnte. Die genaue Quelle sei aber schwer zu bestimmen. Möglicherweise komme es auch aus dem Abklingbecken, in dem gebrauchte Brennstäbe gelagert werden. Die japanische Atombehörde erklärte, der Reaktor sei möglicherweise beschädigt. Später ergänzte ein Behördenvertreter, es lägen keine Hinweise vor, dass der Druckbehälter einen Riss aufweise. Die Radioaktivität im Wasser könne auch auf Versuche zurückzuführen sein, den Reaktor zu kühlen.

Tepco Informationshoheit?
Derweil berichtet Greenpeace, die Betreiberfirma des AKW Fukushima TEPCO habe inzwischen die Informationshoheit. Deren Meldungen würden zum Teil direkt von der internationalen Atomenergie-Organisation IAEA übernommen. Mit Ausnahme der CTBTO (Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen) bestünden kaum noch Kontrollorgane. Es wird oft davon gesprochen, dass die Situation kritisch aber unter Kontrolle sei, was entsprechend der Messwerte der CTBTO und Beobachtungen, wie unvorhergesehene Verschlechterungen (u.a. Rauchentwicklung) und angesichts der Reaktionen vor Ort, eher in Zweifel gezogen werden müsse.


Regierung: Krise noch nicht überwunden

Gemäss SR DRS räumten nun auch Ministerpräsident Naoto Kan in seiner ersten öffentlichen Äusserung seit einer Woche ein, die Krise sei noch nicht annähernd überwunden. «Die Krise hat sich nicht verschärft und wir müssen weiter auf der Hut sein», sagte Kan. Es gebe zwar Fortschritte bei den Versuchen, eine Verschärfung der Krise zu verhindern. «Aber wir können nicht die Hände in den Schoss legen.»

Deeskalationsbestrebungen verständlich
Greenpeace hält fest, dass die Deeskalationsbestrebungen der Verantwortlichen angesichts der äusserst schwierigen Situation verständlich seien, jedoch würde eine transparente Einschätzung der Situation insbesondere die Bevölkerung schützen und Gerüchten vorbeugen.

Widerspruch bei den Messungen
Weiter berichtet Greenpeace, dass nach den beobachteten Rauchentwicklung über den Reaktoren 1-4 aufgrund von Messungen in der Nähe der Reaktoren jeweils Entwarnung gegeben worden sei, bzw. sei mittels den sich wenig verändernden Messungen suggeriert worden, dass sich die Situation im Innern der Reaktoren, also auch den Sicherheitsbehältern nicht verschlimmert hat. Dem Widerspricht, dass im gleichen Zeitraum weiter Weg (Messpunkte ab 5km Entfernung von Fuku1 bis zum Ende der Schutzzone 30km) die Messwerte sehr wohl höher ausgefallen seien, was ein ganz anderes Bild über die Entwicklung im Inneren der Reaktoren nahe legten. Wenn Partikel durch Rauch oder Dampfentwicklung in die Luft verfrachtet würden, so verteilten sich diese häufig über eine grössere Distanz und seien nicht direkt am Standort zu erfassen.

30-km-Zone «freiwillig» verlassen
Gemäss SR DRS herrsche auch Verwirrung darüber, ob die Regierung die Evakuierungszone rund um Fukushima ausweite. 130'000 weiteren Bewohnern im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern von Fukushima sei nahegelegt worden, die Region zu verlassen. Es handle sich jedoch nicht um eine Anordnung zur Evakuierung, betonte Regierungssprecher Yukio Edano. «Wir denken aber, es wäre wünschenswert, wenn die Menschen freiwillig gingen.» Schliesslich sei es schwierig, sie mit dem Notwendigsten zu versorgen. Bislang wurde ein Umkreis von 20 Kilometern evakuiert.

Zustand der verschiedenen Reaktoren gemäss dem Newsticker von Greenpeace

Reaktor 3: Der Zustand des Sicherheitsbehälters galt bis Dienstag 22. März als „möglicherweise beschädigt“. Seit Donnerstag 24. März wird er eingestuft als „unbeschädigt“. Am 25. März wurde bekannt, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Reaktorkern und der Sicherheitsmantel lecken, zumal hoch kontaminiertes Wasser in den Turbinenraum gelaufen ist und Arbeiter verstrahlt wurden.

Auch wenn die Situation schwierig einzuschätzen ist und aufgrund der fehlenden Daten aus den defekten Kontrollräumen, ein gewisser Interpretationsspielraum besteht (nur externe Messungen), kann man die Tatsache nicht leugnen, dass bereits nach der Explosion am 11.3 und seither täglich Neutronenstrahlung gemessen wurde, was stark dafür spricht, dass Aktivität in den Brennstäben (in RE3 werden Mischoxid-Brennelemente (Mox) verwendent, die Plutoniumoxid enthalten, welches hochgiftig ist) stattfindet, die nach Aussen dringt. Hinzu kommt eine stetige hohe Iod-131 Belastung, die anhält und bereits seit dem 13.3 beobachtet wird.

Die Evakuationszone von 20km wird trotz bedenklich hoher Messwerte bis zu 100km Entfernung von Fukushima 1, nicht weiter ausgeweitet. Den Menschen wird lediglich geraten in den Häusern zu bleiben. Am 25. März wurde bekannt, dass 2 Personen, die 200km von Fukushima 1 entfernt wohnen, nach einem Flug in China dekontaminiert werden mussten, weil ihre Werte eindeutig über dem Grenzwert lagen.

Die Situation in Fukushima bleibt insgesamt höchst unübersichtlich, die Informationslage ist dürftig und widersprüchlich. Die Messwerte müssen mit den sich überstürzenden Ereignissen abgeglichen werden, wobei sich immer wieder Widersprüche zu den Meldungen der offiziellen Behörden vor Ort zeigen. Wir versuchen weiterhin die schwierige Lage so objektiv wie möglich einzuschätzen.

Text: ee-news.ch, Quellen: SF DRS, Greenpeace Schweiz

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