18. Mai 2017

Aktuell gibt es erst ein deutsch-österreichisches Pilotprojekt, in dem eine gemeinsame Abrufreihenfolge für Sekundärregelleistung erprobt wird. Dabei kommen die Anbieter beider Länder gestaffelt nach ihren Angebotspreisen zum Zug. ©Bild: dena

Demand Side Management: In Frankreich und der Schweiz leichter

(dena) In Frankreich und der Schweiz herrschen gegenwärtig bessere Marktbedingungen für die Vermarktung von flexibler Stromnachfrage als in Deutschland. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der Deutschen Energie-Agentur (dena) zu den Möglichkeiten für grenzüberschreitenden Handel mit flexiblen Lasten in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich.


Aufgrund des zunehmenden Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird künftig mehr Flexibilität im Stromsystem benötigt, um das Netz zu stabilisieren und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Eine Option, Flexibilität bereitzustellen, ist eine gezielte Steuerung der Stromnachfrage, das sogenannte Demand Side Management (DSM).

Grundlage für europäischen Strombinnenmarkt
„Wir brauchen klare politische Signale, um die Vermarktung flexibler Lasten voranzubringen. Einheitliche und einfache Marktteilnahmebedingungen sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. „Mit ihren Flexibilitätspotenzialen können Industrieunternehmen massgeblich zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen. Ein flexibel steuerbarer Stromverbrauch ist gleichzeitig auch eine wichtige Grundlage für einen funktionierenden europäischen Strombinnenmarkt, wie er von der EU-Energieunion angestrebt wird.“

Einstiegsmarkt Regelleistungserbringung
Die Regelleistungsmärkte sind wichtig für den Einstieg in die Vermarktung flexibler Lasten. Sie sorgen dafür, dass unvorhergesehene Schwankungen im Stromnetz schnell und kosteneffizient ausgeglichen werden können. Die Regelleistungsprodukte unterscheiden sich dabei vor allem in der Vorlaufzeit, mit der sie abgerufen werden können. Die Anforderungen an potenzielle Marktteilnehmer sind verhältnismässig hoch. Die Prozesse zur Abstimmung zwischen den Unternehmen, dazu gehören Flexibilitätsanbieter, Stromlieferanten, Flexibilitätsvermarkter und Netzbetreiber, sind vor allem in Deutschland und Österreich noch nicht transparent und standardisiert. Dies ist für Unternehmen aber wichtig, da es die Planungssicherheit erhöht. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie ein Eingriff in Bilanzkreise, also in virtuelle Konten für Strommengen, durch Dritte im Rahmen der DSM-Vermarktung erfolgt. In Frankreich und der Schweiz ist man hier schon weiter.

Unterschiedliche Bestimmungen
Die notwendigen Dienstleistungsangebote zur Erschliessung und Vermarktung von flexiblen Lasten können sich in Europa umso effizienter entwickeln, je einheitlicher die Rahmenbedingungen in den verschiedenen Ländern sind und je besser die Marktfelder zusammengeführt werden. Um die europäischen Regelleistungsmärkte weiter zu harmonisieren, hat der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber Entso-E einen Regelungsvorschlag entwickelt. Aktuell sind die Bestimmungen der Regelleistungsmärkte in den untersuchten Ländern aber noch sehr unterschiedlich, so ein Fazit der dena-Studie.

Erst ein Pilotprojekt für Sekundärregelleistung
Die Übertragungsnetzbetreiber sind die Hauptabnehmer von Regelleistung. Sie erproben grenzüberschreitende Kooperationen derzeit vor allem bei der Primärregelleistung, die mit einer Vorlaufzeit von 30 Sekunden zur Stabilisierung des Stromnetzes eingesetzt werden kann. Hier gibt es eine gemeinsame Ausschreibung der Übertragungsnetzbetreiber von Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz. Für die Anbieter flexibler Lasten ist aufgrund der technischen Machbarkeit jedoch vor allem die Sekundärregelleistung interessant, die mit einem Vorlauf von fünf Minuten abgerufen werden kann. Aktuell gibt es erst ein deutsch-österreichisches Pilotprojekt, in dem eine gemeinsame Abrufreihenfolge für Sekundärregelleistung erprobt wird. Dabei kommen die Anbieter beider Länder bei einem Abruf von Sekundärregelleistung gestaffelt nach ihren Angebotspreisen zum Zug. Die Studie “Möglichkeiten für grenzüberschreitenden Handel mit flexiblen Lasten in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich“ wurde im Rahmen der Begleitforschung zum Pilotprojekt Demand Side Management Baden-Württemberg vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag der dena durchgeführt.

Studie: Möglichkeiten für grenzüberschreitenden Handel mit lastseitigen Flexibilitäten in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich >>

Text: Deutsche Energie-Agentur (dena)

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