27. Jan 2015

Das Ensi akzeptiert aufgrund der beschränkten Restlaufzeit, dass die BKW auf die Stabilisierungsmassnahmen, die für einen unbefristeten Langzeitbetrieb gefordert wurden, verzichtet und stattdessen das Prüfprogramm des Kernmantels ausdehnt. Bild: BKW

Ensi: BKW muss Risse im Kernmantel von AKW Mühleberg nicht stabilisieren

(Ensi) Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi hat die Massnahmen, die das AKW Mühleberg für die Restlaufzeit bis 2019 vorsieht, geprüft und akzeptiert. Die Aufsichtsbehörde hat für die Umsetzung der Nachrüstmassnahmen Fristen gesetzt und für den Kernmantel zudem neue Grenzwerte definiert.


„Mit der fristgerechten Umsetzung der Massnahmen erfüllt das AKW Mühleberg die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb bis zur endgültigen Ausserbetriebnahme 2019“, fasst Ensi-Direktor Hans Wanner das Ergebnis der Ensi-Stellungnahme zusammen.

Ende 2012 hatte das Ensi den unbefristeten Langzeitbetrieb des AKW Mühleberg unter Auflagen akzeptiert. Die BKW hat dann aber im November 2013 entschieden, das AKW Mühleberg frühzeitig bereits 2019 ausser Betrieb zu nehmen. Das Ensi hat der BKW deshalb erlaubt, zu vier Massnahmen, die für den unbefristeten Langzeitbetrieb gefordert wurden, Alternativen einzureichen.

Die folgenden Bereiche waren betroffen:

  • Kernmantel: Prüfaktivitäten und Grenzwerte
    Das Ensi kann aufgrund der beschränkten Restlaufzeit akzeptieren, dass die BKW auf die Stabilisierungsmassnahmen, die das Ensi für einen unbefristeten Langzeitbetrieb gefordert hatte, verzichtet und stattdessen das Prüfprogramm des Kernmantels ausdehnt. Es fordert aber, dass neu am Kernmantel in der verbleibenden Laufzeit bei jeder Jahresrevision zerstörungsfreie Prüfungen mit einem qualifizierten Prüfsystem durchzuführen sind.

    Das Konzept der BKW sieht eine Erweiterung des Wiederholungsprüfprogrammes an den Schweissnähten des Kernmantels sowie verfeinerte bruchmechanische Berechnungen vor. Berücksichtigt werden dabei auch die Querrisse, die während der Jahresrevision 2014 erstmals in Mühleberg entdeckt wurden.

    Zudem hat das Ensi zwei technische Kriterien für die Risse festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. „Mit dieser Vorgabe stellen wir sicher, dass die Stabilität des Kernmantels mit einer Sicherheitsmarge gewährleistet bleibt“, erklärt Georg Schwarz, stellvertretender Ensi-Direktor und Leiter des Aufsichtsbereichs AKW.

    Auf Grund internationaler Erkenntnisse zu den Rissen in Kernmänteln ist nach heutigem Kenntnisstand nicht davon auszugehen, dass die Risse im Kernmantel des AKW Mühleberg vor der endgültigen Ausserbetriebnahme 2019 die Grenzwerte erreichen. „Sollte sich die Entwicklung jedoch unerwartet ändern, haben wir mit den Grenzwerten ein Abschaltkriterium definiert“, erklärt Georg Schwarz.


  • Bauliche Massnahmen zur Sicherstellung der Kühlwasserversorgung
    Anstelle der ursprünglich geplanten Grundwasserfassung Saanetal hat die BKW ein Konzept für eine grundlegende Erneuerung der Wasserversorgung über ein REWAG-Pumpwerk eingereicht. Dieses soll überflutungssicher errichtet werden und das bestehende Hochreservoir Runtigenrain mit Wasser aus der bestehenden Grundwasserfassung REWAG versorgen. Als Reserven sollen der Verbund „Grosses Moos“ und das Reservoir Stockeren angebunden werden. Das Wasser kann für die Kühlung der Susan-Notstromdiesel, für die Kernkühlung und die Kühlung des Brennelementbeckens eingesetzt werden.

    Das Ensi akzeptiert diese Vorschläge als vollwertige alternative Lösung zur Sicherstellung der Kühlwasserversorgung bei auslegungsüberschreitendem Hochwasser. Es fordert die Umsetzung der Wasserversorgung bis zum Ende der Jahresrevision 2015. Die Notnachspeisung in den Reaktordruckbehälter muss bis zum Ende der Jahresrevision 2016 realisiert werden.
  • Sicherheitsgewinn durch Staumauerverstärkung
    Aufgrund der bereits realisierten Verstärkung der Wohlensee-Staumauer können erdbebenbedingte Überflutungen nahezu ausgeschlossen werden. Deshalb bleibt der Kühlwasserbezug aus der Aare auch nach auslegungsüberschreitenden Erdbeben möglich. „Diese Massnahme hat die Sicherheit des AKW generell weiter verbessert“, erklärt Georg Schwarz. Die Verstärkung der Stauanlage bringt zusammen mit der Realisierung der hochwassersicheren Kühlwasserversorgung einen vergleichbaren Sicherheitsgewinn wie die ursprünglich vorgesehene Grundwasserfassung Saanetal.

  • Verbesserungen bezüglich der -11m-Ebene
    Die Pumpen der Notkühlsysteme des AKW Mühleberg befinden sich alle im untersten Raum des Reaktorgebäudes der sogenannten -11m-Ebene. Um die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls all dieser Pumpen durch interne Brände oder eine interne Überflutung zu verringern, sind mehrere Verbesserungsmassnahmen vorgesehen. Zudem ist eine Notnachspeisung in den Reaktordruckbehälter geplant, mit der die Kernkühlung auch bei einem vollständigen Ausfall aller Pumpen möglich ist, die sich auf der -11m-Ebene befinden. Das Ensi verlangt, dass die Notnachspeisung in den Reaktordruckbehälter bis zum Ende der Jahresrevision 2016 realisiert wird.

  • Verstärkung der Notfall-Kühlung des Brennelementbeckens
    Das Kühlsystem für das Brennelementbecken will die BKW in zwei Phasen verstärken. In einer ersten Phase sollen Eintauchkühler installiert werden, die über das Hochreservoir Runtigenrain sowie über mobile Mittel mit Kühlwasser versorgt werden können. In einer zweiten Phase nach der endgültigen Ausserbetriebnahme soll das Notfall-Kühlsystem in ein vollwertiges Sicherheitssystem umgebaut werden.

    Das Ensi akzeptiert diesen Vorschlag als Übergangslösung und fordert eine Umsetzung bis Ende 2016. Der Umbau in ein vollwertiges Sicherheitssystem ist bis Ende September 2020 durchzuführen, da dieses System insbesondere nach der Ausserbetriebnahme von Bedeutung ist.

  • Ensi fordert Umsetzung weiterer Massnahmen
    Neben den vier Alternativvorschlägen hatte die BKW weitere Nachweise und Verbesserungsmassnahmen eingereicht, die das ENSI gefordert hatte. Diese betreffen unter anderem den Schutz vor einer Überspeisung des Reaktordruckbehälters und die Verkabelung. Das Ensi hat auch diese Massnahmen geprüft und dort, wo noch Handlungsbedarf besteht, Forderungen mit Fristen formuliert.


Text: Ensi

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