20. Mai 2014

Nicht zu übersehen und bereits ab Stufe 1 kaum mehr zu ertragen, der Dampfabzug in der 2013 fertig erstellten Wohnung. Am besten, finden die Mieter, wird er gar nicht benutzt. ©Bild: ee-news.ch

Ist der Dampfabzug eingeschaltet, wird‘s gefährlich: Mit einer Hand muss man den Fensterflügel halten, mit der andren das Fenster vorsichtig öffnen, sonst springt uns das Fenster nämlich an den Kopf. ©Bild: ee-news.ch

Die Verwaltung empfiehlt, zwei Fenster, sobald der Dampfabzug eingeschaltet wird, nicht zu kippen, sondern nur aus den Dichtungen zu lösen, was in dieser Stellung möglich ist. ©Bild: ee-news.ch

Die die Nasszellen werden konventionell direkt über die Aussenluft gelüftet. ©Bild: ee-news.ch

Praxistest: Wenn die kontrollierte Lüftung fehlt!

(AN) Beim ersten Schritt in die Wohnung riecht es immer muffig, erzählen die Bewohnerinnen und Bewohner. Obwohl es sich hier um ein Gebäude handelt, das 2013 fertiggestellt wurde. Würden die kontrollierten Lüftungen funktionieren, hätten sie eine eingebaut, monieren die Architekten. Eine gut gedämmte und dichte Wohnung ohne kontrollierte Lüftung im Praxistest.


Nach guter alter Manier wurde die grosszügige 5½-Zimmerwohnung mit einem Dampfabzug mit Aussenluft ausgestattet. Dasselbe gilt für die beiden Nasszellen, auch hier funktioniert die Lüftung traditionell mit einem kleinen Ventilator über ein Lüftungsrohr direkt in die Fassade.

Problemfall
Dampfabzug
Die Bratpfanne steht auf dem Herd, und kurz bevor die Bratwürste zu brutzeln beginnen, werfen wir den schmucken Designer-Dampfabzug – über Geschmack lässt sich allerdings streiten – auf Stufe 1 an. Es dauert keine Minute und es pfeift durch alle Fensterritzen der Wohnung. Die sonst dichten Fensterrahmen geben aufgrund des Unterdrucks nach, der dadurch entsteht, weil der Dampfabzug die Luft aus der Wohnung saugt. Die Ohren beginnen zu schmerzen. Will man zu diesem Zeitpunkt noch ein Fenster öffnen, dann müsste dies mit sehr viel Sorgfalt getan werden: Mit einer Hand den Fensterflügel halten, mit der andren das Fenster vorsichtig öffnen, sonst springt uns das Fenster nämlich an den Kopf. Dasselbe würde auch mit der Haustüre passieren. Und wir waren erst bei Stufe 1. Neustens werde empfohlen, rät die Verwaltung, beim Einschalten des Dampfabzugs zwei Fenster in der Wohnung so zu öffnen, dass nur gerade die Fensterdichtung etwas gelöst wird. Immerhin zeigt unser Praxistest, dass dies bei den Fenstern möglich ist.

Innert Minuten einige Grad kälter
Wird bei kühlen Aussentemperaturen ein Fenster vor Einschalten des Dampfabzugs gekippt und dann der Dampfabzug eingeschaltet, sinken die Temperaturen in der Wohnung innert Minuten um einige Grad, denn die frische Luft wird mit voller Wucht in den Wohnraum gesogen, es zieht unbehaglich kalt. Man möchte sich am liebsten unter der Bettdecke verstecken. Und wir sprechen hier immer noch von Stufe 1 des Dampfabzugs, von den anderen lässt man besser die Finger. Also kocht und brät man im Winter besser, ohne den Dampfabzug einzuschalten. Werden die Fenster wie oben beschrieben nur aus den Dichtungen gelöst, passiert übrigens dasselbe, nur ist der Durchzug etwas geringer und es dauert etwas länger, bis es unangenehm kalt wird. Und umso tiefer die Aussentemperaturen, desto schneller sinken die Innentemperaturen. Im Winter 2012/13 mit den häufigen Minustemperaturen gepaart mit der Bise, erzählen die Bewohner, sei es in der Küche mit dem eingeschalteten Dampfabzug und dem gekipptem Fenster augenblicklich arktisch kalt geworden.

Problemfall Nasszellen

Sowohl das WC mit Wäscheturm wie auch das Badezimmer mit Badewanne und Dusche sind mit einer konventionellen Lüftung mit Aussenluft ausgestattet. Laufen nun beide Ventilatoren, tönt es in der Wohnung, als ob ein Intercity durch die Wohnung rasen würde. Da anfangs beide Ventilatoren automatisch mit dem Lichtschalter gekoppelt waren, kam es zu einigen unangenehmen Geräuschintermezzos. Das passiert jetzt, da der eine von Hand eingeschaltet werden muss, nur noch selten. Wenn Besuch da ist, der die Tücken nicht kennt, oder wenn aus Versehen die Lüftungstaste im WC eingeschaltet wird und gleichzeitig der Ventilator im Bad läuft. Und öffnet man in diesem Moment ein Fenster, dann Achtung, Kopf einziehen! Mit dem Unterdruck, der herrscht, wenn beide Ventilatoren in den Nasszellen laufen, entwickeln sich die Fensterflügel zu Wurfgeschossen, sie springen uns gefährlich entgegen.

Unkontrollierte Lüftung
Das Einschalten eines der beiden Ventilatoren in den Nasszellen genügt schon und bei den Fensterflügeln weht ein munteres Lüftchen aus dem Falz in die Räume. Quasi eine unkontrollierte Lüftung! Ein typisches Unterdruckphänomen, das auch mit dem Nachjustieren der Fenster nicht behoben werden kann. Als unangenehme Begleiterscheinung bildet sich zudem im Winter in den Fensterrahmen Schimmelpilz.

Immer wieder schlechte Luft
Natürlich ist die Wohnung bewohnbar. Und trotzdem, wird nicht häufig quer gelüftet, riecht es schnell muffig. Schon kurz nach dem Lüften macht sich der muffige Geruch wieder breit. Und das bei einer Wohnung, die 2013 fertiggestellt wurde. Das Querlüften ist übrigens bei mittleren Winden schon eine kleine Herausforderung, da die Fensterflügel gesichert werden müssen, damit sie nicht entweder an die Wand oder wieder zuknallen.

Gefahr für kleine Kinder
Der Unterdruck, der beim Einschalten des Dampfabzugs schon auf Stufe 1 an den Fenstern entsteht, ist zudem echt gefährlich, von den höheren Stufen gar nicht zu sprechen. Sind kleine Kinder in der Wohnung, müsste es ihnen vor Einschalten des Dampfabzugs eigentlich verboten werden, ein Fenster oder die Haustür zu öffnen, denn da besteht eindeutig Verletzungsgefahr. Dasselbe gilt, wenn beide Ventilatoren in den Nasszellen laufen.

Plädoyer für die kontrollierte Lüftung
Die Wohnung ist absolut dicht, bis auf die Lüftungsrohre für den Dampfabzug und die Ventilatoren der Badezimmer, daher auch das Problem mit dem Unterdruck. Das Problem des Dampfabzugs könnte schon entschärft werden, wenn die Wohnung mit einem Dampfabzug mit Umluft versehen würde. Wäre die Wohnung mit einer sorgfältig geplanten kontrollierten Lüftung ausgerüstet worden, könnten die Bewohnerinnen und Bewohner aber gleich mehrfach profitieren: Die Luftqualität wäre immer gut, gleich ob gekocht, Fisch gebraten oder Fondue gegessen würde, ob zwei oder zehn Personen in der Wohnung wären. Das Problem des Unterdrucks würde nicht bestehen, somit gäbe es keine lästigen Geräusche und keine Gefahren von Fensterflügeln und Türen, die uns entgegenspringen. Der Wohnkomfort wäre um ein Vielfaches höher und die Energiekosten könnten um 50 % gesenkt werden.

Aber was soll’s, sagen sich die Mieter, jetzt ist ja erst Mal wieder Sommer, und das Problem tritt erst im Spätherbst wieder auf, wenn alle Fenster wegen kühlen Wintertemperaturen wieder geschlossen sind.

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

3 Kommentare
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Steph @ 23. Jan 2017 22:11

Genauso gehts mir auch. Schlechte Abluft. Wenn der Hausmeister im Treppenhaus saugt, gibts regelrechten Sog an der Wohnungstür. Ich glaube, dass System hat keine Zukunft solangeHandwerker so schludrig arbeiten.

Schwupps @ 21. Sep 2014 09:47

Nachtrag:

Ohne kontrollierte Wohnraumlüftung würde rechnerisch bei einer 80qm Wohnung und einer Deckenhöhe von 2,5m eine jährlicher Wärmeverlust von ca. 9700kWh/a entsstehen. Bei einem angenommenen Gaspreis von 0.06€/kWh wären dies 582€/a.

Mit einer KWL + WRG würden hier der Wärmeverlust von ca. 1900kWh/a (114€) zu buche Schlagen. Hinzu kommen Stromkosten für die Lüftungsanlage von 438kWh/a (ca. 120€ bei 0,27€/kWh) und ebenfalls Kosten für die Filterwechsel (ca. 80€ p.a.). Was ebenfalls nicht erwähnt wurde ist das bei einer KWR + WRG alle 5-10Jahre das komplett System durch einen Fachbetrieb gereinigt werden muss (Kosten ab 500€).

Betrachten wir nun einmal die Kosten einer KWL mit WRG für 10Jahre:

Anschaffung einer KWL ab 6000€ (je nach Größe)
Stromkosten ca 1200€
Filter ca. 800€
1x Reinigung des kpl.Systems 500€
Wärmeverluste 1200€

Summe der Betriebskosten für 10Jahre: 9700€ oder 970€ pro Jahr.

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