Die Zukunft: Aus dem Haus der Statistik wird das Haus der Zusammenkunft, das von den Berliner Stadtwerken mit Wärme, die aus Abwasser gewonnen wird, versorgt wird. ©Bild: Bim GmbH/Felix Oberhage

Das Haus der Statistik steht seit 2008 leer, das Gebäude sollte abgerissen werden. Mit dem Konzept für eine gemeinwohlorientierte Entwicklung rettete eine Initiative das Haus der Statistik. ©Bild: Bim GmbH/Felix Oberhage

Berlin: Cooler Energiemix für heisses Projekt am Alex

(ee-news.ch) Die Berliner Stadtwerke wollen künftig mit einem innovativen kalten Nahwärmenetz das Haus der Statistik am Berliner Alexanderplatz (Alex) nachhaltig mit Wärme und Kälte versorgen. Dabei kommt vor allem erneuerbare Energie in Form von Abwasserwärme zum Einsatz. In dem aus der DDR stammenden Gebäudekomplex im Herzen Berlins sowie in seinem Umfeld entstehen in einer Kooperation des Unternehmens Bim Berliner Immobilienmanagement (Bim), der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (Wbm) und der Zusammenkunft Berlin eG – Genossenschaft für Stadtentwicklung neben Büro- und Gewerbeeinheiten auch Wohnungen, Ateliers und andere Räume für künstlerische Nutzung sowie ein Finanzamt für den Zentrumsbezirk.


Die energieeffiziente und klimafreundliche Wärme- und Kälteversorgung des sich in Entwicklung befindlichen Quartiers ist Ziel des Vorhabens, bei dem die Berliner Stadtwerke Projektentwickler sind und zukünftiger Energieversorger für Wärme und Kälte werden sollen. Es wird Abwasserwärme aus zwei grossen Mischwasserkanälen genutzt, um Wärme über ein kaltes Nahwärmenetz, einem so genannten Anergienetz, zur Verfügung zu stellen. Dabei liegt die Übertragungstemperatur zwischen 9 und 25 °C, was unterschiedlichen Nutzer:innen zeitgleiches Heizen und Kühlen ermöglicht. Dezentrale Wärmepumpen, die Strom aus Solaranlagen nutzen, heben auf die gebrauchte Heiztemperatur an.

Grösster Kanalwärmetauscher Berlins
Im Sommer wiederum entziehen die Wärmepumpen dem Gebäude Wärme. Die Abwärme wird je nach Bedarf zur Warmwassererzeugung genutzt oder in den Mischwasserkanal ausgespeist und so effektiv aus der Stadt abgeführt. Mit einer Entzugsleistung von 750 kW und einer Einspeiseleistung von 704 kW wird der Kanalwärmetauscher die grösste Anlage dieser Art in Berlin darstellen. Mit der klimafreundlichen Wärme- und Kälteversorgung können allein für das Bestandsgebäude rund 446 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Erste Baumassnahmen beginnen mit der Verlegung des Leitungsnetzes im Innenhof des Quartiers im Sommer 2022. Das Projekt wird vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz über die Nationale Klimaschutzinitiative gefördert.

Haus der Statistik
Seit 14 Jahren steht das Haus der Statistik mitten in Berlin leer. Es war Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung der Statistik (SZS) der DDR. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands ging es in den Besitz der deutschen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über. Nach der Wende war das Haus der Statistik Dienstsitz der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, auch Gauck- bzw. später Birthler-Behörde genannt. Die Behörden nutzten das Haus bis 2008. Seitdem steht der 45‘000 m² grosse Gebäudekomplex leer.

Die Bausubstanz wurde als unvermarktbar eingestuft. Daher sollte das Haus abgerissen werden, auf dem Gelände sollte ein Neubauviertel entstehen. 2015 wurde durch eine Kunstaktion am Haus der Statistik die Diskussion um die Zukunft des Gebäudekomplexes entfacht. Der Berliner Senat griff die Diskussion auf und veranstaltete ein Workshop-Verfahren zur städtebaulichen Neubewertung des Alexanderplatzes. In diesem Zuge formte sich die Initiative Haus der Statistik, ein Bündnis von verschiedenen Berliner Akteur:innen: soziale und kulturelle Einrichtungen und Verbände, Künstlerkollektive, Architekt:innen, Stiftungen und Vereine. Die Initiative entwickelte ein Konzept für die gemeinwohlorientierte Entwicklung des Haus der Statistik, das vorsieht den Gebäudekomplex integrativ in bezahlbaren Wohnraum (u. a. für Geflüchtete) sowie Arbeitsräume für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung kosteneffektiv umzuwandeln und zu erweitern.

Text: ee-news.ch, Quelle: Berliner Stadtwerke, Haus der Statistik
Die Zukunft: Aus dem Haus der Statistik wird das Haus der Zusammenkunft, das von den Berliner Stadtwerken mit Wärme, die aus Abwasser gewonnen wird, versorgt wird. ©Bild: Bim GmbH/Felix Oberhage

0 Kommentare

Kommentar hinzufügen

Partner

  • Agentur Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Ist Ihr Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien oder Energieeffizienz tätig? Dann senden sie ein e-Mail an info@ee-news.ch mit Name, Adresse, Tätigkeitsfeld und Mail, dann nehmen wir Sie gerne ins Firmenverzeichnis auf.

Newsletter abonnieren

Top

Gelesen
|
Kommentiert