16. Jun 2017

Die neue Vergärungsanlage bietet eine bemerkenswerte Optimierungschance: Energiereiche Speisereste lassen sich energetisch und klimaschonen verwerten, entsteht doch bei der Vergärung Methan – aus diesem Gas lässt sich ökologischer Strom produzieren.

Technisch auf neuestem Stand: Die KEWU AG hat zu Jahresbeginn eine Vergärungsanlage in Betrieb genommen. Sie betreibt zudem ein Kompostierwerk sowie eine Deponie. ©Bild: T. Rütti

Auf dem Dach der neuen Anlage. Die Vergärungsanlage der KEWU profitiere voll von der KEV-Unterstützung, nämlich ca. CHF 17.-/Tonne. Ohne KEV wäre die Anlage unwirtschaftlich. ©Bild: T. Rütti

Die Hauptherausforderung: Die im Bioabfall im Übermass vorhandenen «Störstoffe», vor allem Plastik und Metall. Mittels Informationskampagne «Speisreste in die Grünabfuhr» will man das Problem in den Griff bekommen. ©Bild: T. Rütti

Daniel Trachsel, Leiter Administration: «Die KEWU AG ist ein gemeinschaftliches Unternehmen von 13 Gemeinden der Agglomeration Bern. In ihrem Einzugsgebiet leben rund 100‘000 Menschen.» ©Bild: T. Rütti

«Der heutige Tag ist ein Meilenstein in der Geschichte der KEWU AG», freut sich Peter Bernasconi, Präsident des Verwaltungsrates. ©Bild: T. Rütti

Hans Buess, Technischer Leiter KEWU AG, auf dem geführten Rundgang durch die Vergärungs- und Kompostieranlage. ©Bild: T. Rütti

KEWU: Ohne KEV wäre die neue Anlage unwirtschaftlich

(©TR) Die neue Vergärungsanlage der KEWU AG, die Anfang Jahr ihren Betrieb aufgenommen hatte, produziert Strom und Wärme aus Garten-, Rüst- und Speiseabfällen. Neben der Vergärungsanlage betreibt sie auch ein Kompostierwerk und eine Deponie. Die Vergärungsanlage der KEWU profitiere voll von der KEV-Unterstützung, nämlich ca. CHF 17.-/Tonne. Als Hauptherausforderung für den Betrieb wurden die im Bioabfall im Übermass vorhandenen «Störstoffe» – vor allem Plastik und Metall – genannt.


Die neue Vergärungsanlage bei Krauchthal im Kanton Bern konnte zeit- und budgetgerecht fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Sie produziert aus Bioabfall ökologischen Strom und nutzbare Wärme. Für die Stromproduktion werden seit Anfang 2017 nebst Garten- und Rüstabfällen auch energiereiche Speisereste aus den Haushalten von 13 KEWU-Gemeinden mit dem Grüngut mitgesammelt und in der Vergärungsanlage verwertet. «Nach Vergärung und Stromproduktion wird die verbliebene Biomasse – das Gärgut – in der bestehenden Kompostieranlage nachkompostiert. Der dabei entstandene Dünger und Bodenverbesserer schliesst den Stoffkreislauf. Unsere neue Vergärungsanlage ist ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und eine Investition in die Zukunft», so Peter Bernasconi, Präsident des Verwaltungsrates KEWU AG. Speziell betonte er in seinen Betrachtungen, dass dank der Sammlung von Speiseresten auch dem Stromverbraucher KEWU ein Öko-Stromproduzent wurde! Und: Die Vergärungsanlage der KEWU profitiere voll von der KEV-Unterstützung, nämlich ca. CHF 17.-/Tonne. Ohne KEV wäre die Anlage unwirtschaftlich. Als Hauptherausforderung wurden die im Bioabfall im Übermass vorhandenen «Störstoffe» – vor allem Plastik und Metall – genannt. Mittels einer entsprechenden Informationskampagne «Speisreste in die Grünabfuhr» will man das Problem in den Griff bekommen.

Konsequente Kreislaufwirtschaft
«Hier wird aus Abfall Energie gewonnen und damit eine innovative und nachhaltige Energiestrategie vorangetrieben. Gerade das Ja zum nationalen Energiegesetz vor drei Wochen zeigt klar, dass wir mit solchen einheimischen, regionalen und auslandunabhängigen Anlagen, wie es die KEWU-Anlage hier in Krauchthal ist, auf dem genau richtigen und zukunftsfähigen energiepolitischen Weg sind», so Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer anlässlich der Einweihungsfeier. Die Natur mache es uns ja vor – sie kenne keine Abfälle. Jeder Rohstoff habe einen Wert und könne wieder verwertet werden. Nach diesem Prinzip arbeite die KEWU als Kehrichtverwerterin seit ihren Anfängen in den Sechzigerjahren, so die Berner Regierungsrätin. «Mit der Krauchthaler Vergärungsanlage geht die KEWU jetzt noch einen Schritt weiter in Richtung konsequente Kreislaufwirtschaft. Sie verwertet Garten- und nun auch Küchenabfälle aus den eher städtischen Haushalten zu Kompost und neu auch zu Biogas und schliesst so eine Lücke in der Verwertungskette.» Bis zur vollständigen Kreislaufwirtschaft sei es noch weit. Aber wir seien beim Verwerten in die richtige Richtung unterwegs.

Bewusstsein
wecken, was in den Container gehört, was nicht
Der Hauskehricht enthält immer noch etwa einen Drittel biogener Abfälle. Das sind im Schnitt 68 Kilo pro Person und Jahr! Ein grosser Teil davon liesse sich in einer Vergärungsanlage problemlos nutzen. Das wäre eine Win-Win-Situation und gut für die Energieproduktion. Auch liesse sich damit eine weitere Lücke im Stoffkreislauf schliessen und es könnten überdies neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. Regierungsrätin Egger-Jenzer: «Doch damit wir das Potenzial bei den biogenen Abfällen wirklich nutzen können und als Endprodukt qualitativ guter Recyclingdünger entsteht, muss das Sammelgut möglichst frei von Fremdstoffen sein. Damit sind wir am Anfang der Kette, beim Haushalt, der den Grüngut-Container füllt. Hier muss das Bewusstsein geweckt werden dafür, was in den Container gehört und was nicht.» Dieser Tage soll der Berner Regierungsrat den überarbeiteten «Sachplan Abfall des Kantons Bern» verabschieden. Wichtig sind dabei unter anderem die folgenden Massnahmen:

  • Erstens: Die Qualität von Recyclingdünger wird überwacht. Wenn sich Fremdstoffe häufen sollten, müssen sofort Massnahmen zur Verbesserung ergriffen werden.
  • Zweitens: Die Gemeinden werden unterstützt, den Anteil biogener Abfälle im Kehricht so weit als möglich und sinnvoll zu reduzieren. Das soll auch über Information zur separaten Sammlung geschehen.
  • Drittens: Der Kanton Bern fördert eine engere regionale Zusammenarbeit zwischen einzelnen Gemeinden und Abfallverbänden und er fördert ebenfalls professionelle Sammelangebote. Hier liegt ein grosses Potenzial. Wenn wir es schaffen, häufiger gemeinsame regionale Lösungen umzusetzen, dann werden Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft nicht nur Worthülsen bleiben.

Für Regierungsrätin Egger-Jenzer ist die Kreislaufwirtschaft das Modell der Zukunft. Man beachte, dass die reichsten 20 Prozent der Weltbevölkerung heute 80 Prozent der natürlichen Ressourcen verbrauchten, die weltweit vorhandenen seien. Die Schweiz gehöre zur Spitzengruppe. «Wir verbrauchen mit unserem Lebensstil etwa drei Mal so viel, wie der Planet hochgerechnet auf unsere Bodenfläche hergibt, und wir helfen so mit, à la longue alles Wasser, allen Boden, alle Luft und sämtliche Rohstoffe zu vernichten.» Die Organisation «Global Footprint Network», eine Partnerorganisation des WWF, habe ausgerechnet, was das konkret bedeute. Sie habe recherchiert, wie viele natürliche Ressourcen pro Jahr im Schnitt zur Verfügung stehen und hat diese Zahl mit dem Verbrauch verglichen. Dann habe sie denjenigen Tag, an dem die natürlichen Ressourcen für ein Jahr aufgebraucht seien, «Earth Overshoot Day» getauft. Dieser werde – global gerechnet – jeweils im August erreicht. In der Schweiz sei dieser Stichtag in der Regel schon Mitte April. «Für das Jahr 2017 heisst das: Wir leben rohstoffmässig seit zwei Monaten und für den ganzen Rest des Jahres auf Pump. Das ist ein No Go aus ökologischer Sicht. Aber auch aus ökonomischen Gründen kann das nicht funktionieren. Jeder Betrieb ginge mit einer solchen Après-nous-le-déluge-Kalkulation Konkurs», so die Energiedirektorin des Kantons Bern.


Wie viel Energie steckt im Bioabfall?
Interessant zu wissen: Laut der Quelle Biopower Nordwestschweiz AG kann mit der Energie aus 1 kg Biomasse ein 1000-Watt-Bügeleisen während ca. 10 Minuten betrieben werden. Oder der 80-Watt-Fernseher läuft während ca. einer Stunde und 45 Minuten. Eine LED-Lampe leuchtet mit der Energie aus 1 kg Biomasse während 14 Stunden und ein Gasauto fährt 1 km CO2-neutral.



Eckdaten der
Vergärungsanlage

  • Inbetriebnahme: Jahresbeginn 2017 (Bauzeit: 2015 – 2016)
  • Investitionsvolumen: 12.3 Mio. CHF
  • Kapazität: ca. 14‘000 Tonnen
  • max. Leistungsfähigkeit: Produktion von 1,7 GWh Biostrom = Bedarf von ca. 400 Haushalten
  • Stromproduktion mit Beitrag (ca. CHF 17.– / Tonne) aus Kostendeckender Einspeisevergütung KEV
  • Input: Gartenabfälle, Rüstabfälle und seit 1. Januar 2017 zusätzlich Speiseabfälle (aus Haushalten)
  • Output: Biostrom, nutzbare Wärme und Kompost
  • Die KEWU AG ist 1991 aus dem früheren «Gemeindeverband für Kehrichtverwertung Worblental und Umgebung» entstanden. Das Aktionariat besteht aus den Trägergemeinden Biglen, Bolligen, Ittigen, Krauchthal, Moosseedorf, Münchenbuchsee, Muri, Ostermundigen, Stettlen, Urtenen-Schönbühl, Vechigen, Worb und Zollikofen.

 ©Text: Toni Rütti , Redaktor ee-news.chi

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