Laut der Bee-Studie ist der Bedarf an H2-Gasturbinen für die Versorgungssicherheit in Deutschland gering. Stattdessen sollten die flexibel steuerbaren erneuerbaren Energien wie Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie, Kwk und Speicher genutzt werden.

Bee: Energiewende im Braunkohlerevier mit breiter Akteursvielfalt und allen erneuerbaren Energien umsetzen

(Bee) Am 4. Oktober gaben der deutsche Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, die Wirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen Mona Neubaur und der Rwe-Vorstandsvorsitzende Markus Krebber bekannt, dass der Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier um 8 Jahre auf 2030 vorgezogen werden soll (siehe ee-news.ch vom 5.10.2022 >>). Rwe will dafür 1000 Megawatt (MW) erneuerbare Energien im Braunkohlerevier aufbauen. Auch sollen 3000 MW H2-Gaskraftwerksleistung aufgebaut werden. Der Bee begrüsst die schnellere Energiewende im wichtigen Kohlerevier, sieht aber auch Risiken.


„Die Vermeidung von 280 Millionen Tonnen CO2 durch den vorgezogenen Kohleausstieg ist ausdrücklich zu begrüssen. Allerdings stecken enorme Risiken in den vorgestellten Planungen“, warnt Bee-Präsidentin Simone Peter. „Wichtig für Akzeptanz und breite Beteiligung bei der Energiewende ist die Akteursvielfalt. Deshalb müssen für alle Akteure die Bedingungen für erneuerbare Energien mit schnelleren Genehmigungen, weniger bürokratischen Hemmnissen und geeigneten Flächen verbessert werden. Hier unterstützen wir ausdrücklich die Forderungen des Landesverbands Erneuerbaren Energien NRW, dass besonders auch die Landesregierung gefragt ist, für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien zu sorgen. Nur eine breite Akteursvielfalt sichert die ambitionierten Ausbauziele der [deutschen] Bundesregierung. Die Energiewende ist als Mitmachbewegung der Bürgerinnen und Bürger gestartet und soll das auch überwiegend bleiben“, fordert Peter.

Enorme Risiken
Das gelte neben dem Aufbau von Solar- und Windkraftanlagen auch für die flexibel steuerbaren Einheiten. „Die Bee-Studie Klimaneutrales Stromsystem hat gezeigt, dass der Bedarf an H2-Gasturbinen für die Versorgungssicherheit gering ist. Die Nutzung des breiten Portfolios an flexibel steuerbaren Erzeugern wie Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie, Kwk und Speichern zum Ausgleich von Sonne und Wind reduziert die Notwendigkeit des teuren Neubaus von H2-Gaskraftwerken und der entsprechenden Infrastruktur (u. a. in H2-Gasleitungen und H2-Gasspeicher) erheblich. Es kommt hinzu, dass eine H2-Gasturbine bei geringen Volllaststunden (in der Bee-Studie bei ca. 500 h/a) im Durchschnitt Gestehungskosten von ca. 300 Euro je MWh hat und Preisspitzen von über 1000 Euro je MWh verursachen kann. Das birgt enorme Risiken, die heute schon zu berücksichtigen sind“, so Peter.

Wasserstoffaufbau muss grün sein!
Weiterhin sei zu gewährleisten, dass der Wasserstoffaufbau in Deutschland von Anfang an grün sei. „Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft, der bis 2030 nur zu 50 Prozent grün ist und erst 2035 vollständig aus erneuerbaren Energien erzeugt werden soll, wie von Rwe angekündigt, verkennt die andauernde Erdgasknappheit und schafft ggf. teure Lock-in-Effekte. Das knapper werdende Erdgas kann nicht für alle Bedarfe durch LNG-Gas gedeckt werden. Die Energiewende muss deshalb schneller gehen. Die Biogaspotenziale sind längst noch nicht ausgeschöpft, hier müssen besonders auch die Begrenzungen im BauGB wegfallen“, fordert Peter.

Dezentral und verbrauchnah
„Erneuerbare Energien haben wie keine andere Technologie die Möglichkeit, dezentral und verbrauchsnah Strom zu produzieren. Auch bieten erneuerbare Energien das grösste Leistungsspektrum in der Energieerzeugung. Von wenigen Watt eines Solarmoduls auf dem Dach bis hin zu grossen Wind- und Solarparks im Bereich von über 100 MW kann sich die erneuerbare Erzeugung an die Gegebenheiten anpassen. Das ermöglicht grosse Einsparungen im Netzbetrieb als auch beim kostenintensiven Redispatch“, so Peter. Dies müsse auch im Braunkohlerevier mitgedacht werden.

Kurzversion der Bee-Studie Neues Strommarktdesign >>

Text: Deutscher Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. (Bee)

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