Holz zu ernten, zu verbauen und energetisch zu nutzen, bedeutet einerseits «Outsourcing» von CO2-Speicherung und zeitliche Verlängerung der Speicherdauer, anderseits ermöglicht es auch die Substitution fossiler Energien. Bild: Holzenergie Schweiz

Solange die Ernte die Kohlenstoffaufnahme im Wald nicht überschreitet, erhöht sich die atmosphärische CO2-Konzentration nicht. Bild: Holzenergie Schweiz

Holzenergie Schweiz: «Ausstieg» aus der Holzenergie? Brauchen wir sie wirklich?

(Holzenergie Schweiz) Mit unschöner Regelmässigkeit wird die energetische Nutzung von Holz und speziell von Energieholz in Frage gestellt. Jüngstes Beispiel ist ein von 500 Wissenschaftlern an die Europäische Union, die USA, Japan und andere Länder gerichteter offener Brief mit der Aufforderung, auf die Verbrennung von Holz zu verzichten. (Texte en français >>)


Aus Schweizer Sicht stellt der Brief die forstwirtschaftliche Praxis falsch dar und setzt die energetische Nutzung von Holz mit der Übernutzung von Wäldern, der dauerhaften Entwaldung und dem «Verbrennen von Bäumen» gleich. Zu Unrecht!

Ist die Holzenergie erneuerbar?
Die Energieholznutzung ist ein integraler Bestandteil der Forstwirtschaft, mit welchem diese auf die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien reagiert. Die Kritiker ignorieren die Existenz einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung, wie sie in der Schweiz schon seit über 150 Jahren Realität und wo Energieholz auf verantwortungsvolle und nachhaltige Art und Weise produziert und genutzt wird. Dafür sorgt schon unser strenges Waldgesetz. Die Verbrennung ist nach wie vor das häufigste Mittel zur Umwandlung von Holz in Energie. Dieser Umstand allein genügt Laien wie Wissenschaftlern, das Schreckensbild von «brennenden Bäumen und Wäldern» hervorrufen. Dabei ist die Realität eine ganz andere! Dass jegliche Holznutzung innerhalb der Nachhaltigkeitsgrenzen erfolgen muss, ist selbstverständlich und impliziert den Schutz vor Übernutzung. Zahlreiche andere Länder haben ähnliche Grundsätze in ihren Wald- und Forstgesetzen. Waldholz ist eine erneuerbare Ressource, solange alle Waldfunktionen erhalten bleiben. Diese umfasst auch den Schutz von Gebieten mit hoher biologischer Vielfalt und eine Bewirtschaftung, welche die Regeneration nach der Ernte sicherstellt und damit dafür sorgt, dass der bewirtschaftete Wald weiterhin atmosphärisches CO2 in Holz umwandelt. Ein Anstieg der Nachfrage nach Energieholz und anderen Waldprodukten kann sogar Anreize für eine verbesserte Waldbewirtschaftung schaffen, was zu gesünderen Waldsystemen führt. Die Waldbewirtschaftung verringert im Allgemeinen auch das Risiko von Kohlenstoffbestands-verlusten aufgrund von Waldbränden, Krankheiten und Käferkalamitäten, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel immer häufiger auftreten.

Brauchen wir die Holzenergie wirklich?
Die wichtigste Massnahme zur Eindämmung des Klimawandels besteht darin, Energie- und Verkehrssysteme so schnell wie möglich so umzugestalten, dass fossiler Kohlenstoff im Boden verbleibt. Nachhaltige Holzenergie ist sofort verfügbar und mit der vorhandenen Energieinfrastruktur kompatibel, sodass Kohle, Erdgas oder Heizöl sofort ersetzt werden können. Holzenergie kann daher eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Transformation des Energiesystems zur Erreichung der Kohlenstoffneutralität spielen. Sie kann insbesondere den Ausbau saisonaler oder intermittierender erneuerbarer Energien wie Solar- oder Windenergie unterstützen.

CO2-Schleuder Energieholz
CO2 aus der Verbrennung von Holz ist Teil des kurzfristigen Kohlenstoffkreislaufs. Der emittierte Kohlenstoff wurde zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen und wird durch das Wachsen von Bäumen im Wald wieder aufgenommen. Solange die Ernte die Kohlenstoffaufnahme im Wald nicht überschreitet, erhöht sich die atmosphärische CO2-Konzentration nicht. Im Gegensatz dazu verursacht der Einsatz fossiler Brennstoffe einen linearen Kohlenstoffstrom von geologischen Speichern in die Atmosphäre. Der blosse Vergleich der CO2-Emissionen am Kamin übersieht diesen grundlegenden Unterschied zwischen biogenem und fossilem Kohlenstoff. Entscheidend ist, dass die zunehmende Nutzung von Energieholz zu keiner systematischen Verringerung der in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffmenge führt. Dazu einige Zahlen: In der Schweiz hat die Energieholznutzung seit 1990 um über 60 % zugenommen, und der durchschnittliche Gesamtvorrat pro Hektare ist zwischen 1985 und 2013 von 336 m3 auf 374 m3 angestiegen.

Werden Wälder abgeholzt, um Holzenergie zu produzieren?
Die Kritiker erwecken den Eindruck, dass für das Energieholz ganze Waldbestände eingeschlagen werden. Dies widerspiegelt jedoch nicht die forstwirtschaftliche Praxis, insbesondere in Europa, wo die Wälder so bewirtschaftet werden, dass sie die ganze Palette an Holzprodukten (Nutzholz, Papierholz, Industrieholz, Energieholz, andere biobasierte Produkte) liefern können. Alle diese Waldprodukte zusammen vermeiden fossile CO2-Emissionen, wenn Produkte mit grossem CO2-Fussabdruck wie fossile Energien, Zement, Stahl oder Kunststoffe und Chemikalien auf Erdölbasis ersetzt werden. Derzeit basieren etwa 90 % des weltweiten Verbrauchs an erneuerbarer industrieller Wärme auf Biomasse, hauptsächlich in Industrien, die ihre eigenen Reststoffe verwenden können (Sägewerke, Zellstoff- und Papierindustrie). Durch die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf Biomasse können diese Industrien den Ausstoss von fossilem Kohlenstoff vermeiden. Sie sind deshalb auf einen attraktiven Absatzmarkt für Energieholz angewiesen.

Nutzen oder nicht nutzen – was ist besser für das Klima?
Bäume sind CO2-Speicher. Bäume zu fällen ist demnach schlecht für den Klimaschutz. Diese scheinbare Logik greift zu kurz! Insbesondere vernachlässigt sie die Tatsache, dass die Bäume nicht ewig leben, sondern irgendwann absterben, verrotten und dabei klimaschädigendes Methan und Kohlendioxid freisetzen. Holz zu ernten, zu verbauen und energetisch zu nutzen, bedeutet also einerseits «Outsourcing» von CO2-Speicherung aus dem Wald und zeitliche Verlängerung der Speicherdauer, anderseits ermöglicht es auch die Substitution fossiler Energien. Wird das Holz nicht genutzt, ist keine Substitution möglich, und es wird für die Zukunft eine zusätzliche CO2-Quelle geschaffen. Energieholz ist kein hochwertiges Holz, sondern umfasst typischerweise Produkte der Waldpflege, minderwertiges Sturm- und Käferholz, Ernterückstände etc., für welche welche keine höherwertige Verwendung möglich ist. Der grösstmögliche Effekt auf das Klima wird dann erzielt, wenn alle drei Nutzungsarten kombiniert werden: Senkenbewirtschaftung im Wald, Holz verbauen und Holz verfeuern. Das nennt man Kaskadennutzung und ist in der Schweiz ein ebenso tief verankertes Prinzip wie dasjenige der Nachhaltigkeit.

Text: Holzenergie Schweiz

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2 Kommentare

Max Blatter

Wenn "Wissenschaftler" den Unterschied zwischen nachhaltiger Nutzung und Raubbau nicht kennen, dann wäre ein wenig Nachhilfeunterricht nicht schlecht! Ich will ja nicht zum Verschwörungstheoretiker werden und mich fragen, ob sie vielleicht von der Erdöl-Lobby gekauft sind ...

Dominik Scheibler

Einverstanden soweit. Noch besser: Holz pyrolysieren! Hier ist eine optimale Kaskadennutzung möglich. Abwärme nutzen (z. B. als Nah- oder Fernwärme) und die Pflanzenkohle in der Landwirtschaft als persistenten CO2-Speicher einsetzen (Tierfutter, Silage, Güllebehandlung, Kompostierung, Bodenaufbau! Das ist der effektivste Einsatz von Energieholz! Das blosse Verbrennen sollte in Zukunft vermieden werden.

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