Universaltalent: Als erste Rotorblatttraverse kann die neue RBC alle Flügelformen am Markt aufnehmen. ©Bild: Ematec

Die Rotorblatt Clamp RBC verfügt über eine automatisch adaptive Blattauflage und eine variable Schwerpunktkompensation. ©Bild: Ematec

Eine Traverse für alle Fälle: Neue Rotorblatt-Clamp von Ematec kann alle Flügelformen aufnehmen

(ee-news.ch) Der Allgäuer Spezialanbieter Ematec hat eine neue Rotorblatttraverse entwickelt. Als erste Rotorblatttraverse kann die neue Rotorblatt Clamp RBC alle Flügelformen am Markt aufnehmen – auch zukünftige. Möglich macht das eine automatisch adaptive Blattauflage, die auch für eine variable Schwerpunktkompensation sorgt. Zudem verfügt die RBC über einen Neigewinkel von ±60 Grad.


Dank der neuen Technologie passt sich die RBC selbständig jeder Rotorblattform individuell und exakt an. Die neue Traverse kann somit jede Flügelform am Markt mit einem Blattgewicht bis zu 40 Tonnen aufnehmen und handhaben. Mit dem ausgeweiteten Neigewinkel und der adaptiven Blattauflage ist die RBC sowohl bei Onshore- als auch Offshore-Windenergieanlagen einsetzbar. Das ist ein Vorteil für Windkraftanlagenhersteller, aber vor allem auch für Service-Unternehmen, die die Wartung von Windkraftanlagen unterschiedlicher Hersteller übernehmen

Aadaptive Blattauflage sorgt für homogene Lastverteilung
Die RBC kann sich aufgrund einer hydraulisch adaptiven Blattauflage allen aktuellen und künftigen Flügelformen individuell anpassen. Einzelne, speziell gummierte Pads schmiegen sich über ein hydraulisches System automatisch am Flügel an. Es ist also kein Greifen im klassischen Sinn, sondern vielmehr ein Halten des Rotorblatts. Die Kräfte, die auf den Flügel einwirken, sind dabei so gering, dass das Blatt nicht beschädigt werden kann. Denn die adaptive Blattauflage sorgt für eine homogene Lastverteilung mit einer Auflagefläche von 2.5 m x 1.2 m pro Seite.

Variable Schwerpunktkompensation
Die RBC lässt sich individuell auf die unterschiedlichen Schwerpunktlagen aller Rotorblätter ausrichten. Die variable Schwerpunktkompensation erfolgt manuell über das Einstellen von Gewichten an der Traverse. Somit wird sichergestellt, dass der Schwerpunkt des Rotorblatts, des Greifers sowie der Schwerpunkt des Greifers mit Rotorblatt übereinstimmen. Dadurch soll verhindert werden, dass der Greifer nach dem Anbringen des Rotorblatts an der Nabe, wenn er sich vom Flügel löst, unkontrolliert ausschert und das Rotorblatt beschädigt.

Neigewinkel von ±60 Grad
Der Neigewinkel von ±60 Grad, war eine Anforderung aus dem Markt, die der Allgäuer Spezialanbieter gezielt in seiner Innovation umgesetzt hat. Der Windkraftanlagenhersteller Gold Wind aus China forderte explizit diesen großen Neigewinkel. Eine einseitige Neigung von +60 Grad ist bereits Stand der Technik, aber die -60 Grad zu erreichen, stellte eine grosse Herausforderung dar. Mit dem vergrößerten Neigewinkel reagieren Gold Wind und Ematec auf die gestiegenen Anforderungen, die durch die Einzelblattmontage bei getriebelosen Windkraftanlagen entstehen. Vorteil in der Praxis: Durch die Variabilität der Neigung von ±60 Grad in beide Richtungen muss die Nabe nicht mehr nach jedem montierten Flügel gedreht werden. Das soll die Einzelblattmontage von Rotorblättern einfacher und schneller machen.

Für Blattgewichte bis zu 40 Tonnen
Die Traverse RBC ist auch auf die Blattgewichte der nächsten Generation ausgelegt, denn die Rotorblätter werden immer länger und damit auch schwerer. Die neue Ematec-Traverse hebt und montiert zuverlässig Flügel mit einem Gewicht von bis zu 40 Tonnen. Vor einigen Jahren lag das Maximalgewicht noch bei fünfzehn Tonnen. Zudem beträgt der Abstand vom Krankhaken bis zur Mitte des Rotorblatts nur 3.7 Meter. Dadurch kann für die Baustelle eventuell eine kleinere Krangröße als bislang üblich angemietet werden, was Kosten spart.

Auch mit Akku-Antrieb erhältlich
Die RBC ist auch als Green-Line-Version verfügbar. Anstelle eines Dieselmotors kommt hier ein elektrohydraulisches Aggregat mit Akku zum Einsatz, das emissionsfrei und nahezu geräuschlos arbeitet. Der Akku ist bis zu einer Temperatur von -20 Grad Celsius für eine Arbeitszeit von 16 Stunden ausgelegt. Damit soll sichergestellt werden, dass auch bei kalten Temperaturen drei Rotorblätter an einem Tag montiert werden können. Mit einer Ladedauer von 2.5 Stunden ist selbst ein leerer Akku wieder schnell einsatzbereit. Weiterer Vorteil: Dank Green Line umgehen Windkraftanlagenhersteller die verschärften Abgasvorschriften nach Euro-5-Norm und USA EPA Tier 4 final, die seit 1. Januar 2019 gelten. Zudem hat Ematec den elektrischen Motor bewusst unter 24 Volt gehalten, wodurch er auch in den USA problemlos einsetzbar ist und die Anforderungen der UL (Underwriters Laboratories) erfüllt.

Ausserdem ist die neue RBC innerhalb von 15 Minuten einsatzbereit, was nach Angaben von Ematec unter den derzeit üblichen Zeiten liegt. Die RBC ist mit Scheinwerfern für die Montage bei Dunkelheit ausgestattet. Über fünf Kameras haben die Mitarbeiter jedes Detail bei der Rotorblattmontage im Blick – für präzises Arbeiten. Die Ematec-Traversen sind darüber hinaus mit GPRS, einem integrierten Ferndiagnosesystem ausgestattet, das via Internet bei eventuellen Störungen die Fehlersuche und -behebung erheblich beschleunigt und erleichtert, und verfügt über eine Logbuchfunktion, ähnlich einer Blackbox im Flugzeug.

Die Rotorblatttraversen im Einsatz
Insgesamt 16 Ematec-Traversen sind weltweit bei der Installation von Windrädern im Einsatz: elf für die Firma Nordex und fünf bei Siemens Gamesa. Die Traversen vom Typ RBT und RBT Bunny (für die Hasenohrmontage) ermöglichen das Greifen der Rotorblätter in jeder beliebigen Drehlage. Die Blätter können direkt vom Trailer oder auch vom Boden aufgenommen werden. Sie werden von Vielgelenk-Greifarmen und großflächig gummierten Druckplatten umfasst, die formschlüssige Blattsicherung wird durch eine umgreifende Halteklaue sichergestellt.

Um die Windangriffsfläche so gering wie möglich zu halten, lassen sich bei der RBD-Traverse die Rotorblätter in einem Winkelbereich von -10 bis +95 Grad pitchen. Dadurch könne bei bestimmten Rotorblättern die Reduzierung der Windangriffsfläche um bis zu 50 Prozent erreicht werden, so Ematec, was es dem Monteur erlaube noch bei hohen Windgeschwindigkeiten und Windböen sicher zu arbeiten.

Neigung in der Längsachse um ± 8 Grad
Die Konstruktion der Allgäuer Ingenieure lässt sich in der Längsachse um ± 8 Grad neigen. Ein nicht hundertprozentig im Schwerpunkt erfolgter Blattanschlag kann dadurch ausgeglichen werden, ohne dass ein mehrmaliges Anschlagen und Austarieren des Rotorblatts über den Bediener nötig wäre. Zudem bringe die Kombination von Pitch- und Neigefunktion dem Anwender auch beim Blattanschluss an der Nabe Vorteile, da das Blatt millimetergenau an die Bohrlöcher für die Befestigungsschrauben angeschlossen werden könne, so Ematec. Mit Hilfe des Kettengehänges mit Ausgleichswippe könnten die Rotorblatttraversen von Ematec bequem, sicher und zeitsparend an die verschiedensten Kranhaken angeschlagen werden.

Schutz vor Beschädigungen
Beim Arbeiten mit den Ematec-Traversen sind die Rotorblätter vor Beschädigungen geschützt. Die Greifplatten sind kardanisch gelagert und passen sich automatisch der Blattkontur an. Die Gummidruckplatten sorgen für einen sicheren Halt, auch bei nasser Witterung. Sie sind licht- und alterungsbeständig und hinterlassen daher keine Greifspuren, außerdem lassen sie sich ohne Werkzeug auswechseln. Zudem sind aller technischen Ressourcen, bis hin zur Energieversorgung redundant ausgeführt. Der zusätzliche Notfallmotor kann im Bedarfsfall über die Funkfernsteuerung, notfalls aber auch per Hand gestartet werden. An den Traversen sind Scheinwerfer zum Ausleuchten des Arbeitsbereichs angebracht, was ein Arbeiten auch bei einbrechender Dunkelheit erlaubt.

Text: ee-news.ch, Quelle: Ematec AG


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