Im Grenzgebiet zwischen Martina und Nauders entstand die Wehranlage mit einem 15 m hohen Wehr zur Wasser fassung. Vom gestauten Wasser werden bis zu 75 m3/s in den 23.2 km langen Triebwasserstollen geleitet. Bild: Gemeinschaftskraftwerk Inn

Die Bauarbeiten an den einzelnen Abschnitten gestalteten sich in den vergangenen Jahren als aufwendig und herausfordernd. Bild: Gemeinschaftskraftwerk Inn

Das zum Grossteil unsichtbare, da hauptsächlich unterirdisch gebaute Kraftwerk erstreckt sich vom Ortsteil Martina in der Schweizer Gemeinde Valsot über das Gebiet von sieben Gemeinden im Tirol. Bild: Gemeinschaftskraftwerk Inn

Gemeinschaftskraftwerk Inn: Inbetriebnahme 89 Megawatt-Wasserkraftwerk - ein grenzüberschreitendes Vorzeigeprojekt

(ee-news.ch) Nach fast genau acht Jahren Bauzeit und einer Investitionssumme von 620 Mio. Euro ist eines der grössten Infrastruktur-Projekte Tirols und des Schweizer Kantons Graubünden nun abgeschlossen: Das Gemeinschaftskraftwerk Inn das zu 86 % der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG und zu 14 % der Engadiner Kraftwerke AG (EKW) gehört, wurde am 4. November im Rahmen eines Festaktes im Krafthaus in Prutz offiziell eröffnet.


Das zum Grossteil unsichtbare, da hauptsächlich unterirdisch gebaute Kraftwerk erstreckt sich vom Ortsteil Martina in der Schweizer Gemeinde Valsot über das Gebiet von sieben Gemeinden im Tirol. Mit einer installierten Leistung von 89 Megawatt können jährlich rund 440 GWh Wasserstrom erzeugt werden. Das entspricht dem Haushaltsstromverbrauch von rund 400‘000 Personen. Auch für EKW, für den Kanton Graubünden und die Schweiz stellt das Kraftwerk einen wesentlichen Schritt dar, um die Energieversorgung im Sinne der Energiestrategie und der Klimaziele umzubauen.

75 Kubikmeter Wasser pro Sekunde
Seit den 1950er Jahren wird am Oberen Inn Strom aus Wasserkraft erzeugt. Die Kraftwerke Pradella-Martina und Prutz-Imst bilden dabei eine „Kraftwerkskette“, die auch Teil des Gemeinschaftskraftwerk Inn sind. Im Wesentlichen besteht das Gemeinschaftskraftwerk Inn aus drei Elementen: Stauraum und Wehranlage, Triebwasserstollen sowie Krafthaus. Im Grenzgebiet zwischen Martina und Nauders entstand die Wehranlage mit einem 15 m hohen Wehr zur Wasser fassung. Vom gestauten Wasser werden bis zu 75 m3/s in den 23.2 km langen Triebwasserstollen geleitet. Dieser mündet in den Druckschacht, der zu den Turbinen im Krafthaus in Prutz/Ried führt. Dort erzeugen zwei leistungsstarke Maschinensätze, bestehend aus je einer Francis-Turbine und einem Generator, umweltfreundlichen Strom. Das abgearbeitete Wasser fließt anschließend durch einen unterirdischen Kanal wieder zurück in den Inn.

Technische Daten

  • Leistung: 89 MW
  • Jahreserzeugung: ca. 414 GWh (vorb. Optimierung)
  • Ausbaudurchfluss: max. 75 m3/s
  • Fläche Wassereinzugsgebiet: 1960 km2
  • Investitionsvolumen: rund 605 Mio. Euro
  • Fallhöhe brutto: 160.7 m


Dynamisches Restwassermodell
Ein dynamisches Restwassermodell garantiert in den Sommermonaten ein natürliches Abflussverhalten des Inn. Als Referenz für die Abgabemenge dient der natürliche Zufluss des Inn bei St. Moritz: Je mehr Wasser die dortige Messstelle passiert, desto mehr Wasser wird am Wehr abgegeben. Durch die Reduzierung des Schwalls kann die ökologische Situation im Inn wesentlich verbessert und damit der aus der Schweiz kommende Schwall und Sunk fast zur Gänze abgemindert werden. Aus diesem Grund wurde das Projekt von den Schweizer Umweltbehörden mit erheblichen Finanzmitteln unterstützt.

Aufwendig und herausfordernd Bauarbeiten
Die Bauarbeiten an den einzelnen Abschnitten gestalteten sich in den vergangenen Jahren als aufwendig und herausfordernd. Die meteorologischen wie geologischen Rahmenbedingungen an der Wehrbaustelle Ovella sorgten für Verzögerungen, die Beschaffenheit des Gesteins verlangsamte auch den Vortrieb des Triebwasserstollens durch die beiden Tunnelbohrmaschinen.

Umfangreiche Ausgleichsmassnahmen
Besonderer Fokus lag bei der gesamten Konzeption und Umsetzung auf einer naturnahen Gestaltung der Gesamtanlage. So garantiert ein dynamisches Restwassermodell an der Wehranlage ein natürliches Abflussverhalten des Inn. Dies verbessert die ökologische Situation im Inn wesentlich und die bestehenden von Kraftwerken verursachten Abflussschwankungen können so eliminiert werden. Eine Fischwanderhilfe ermöglicht zudem die Durchgängigkeit der Anlage für Fische und andere Flusslebewesen.

Generell wurden und werden alle durch die Bauarbeiten beanspruchten Flächen begrünt, bepflanzt oder aufgeforstet. Auf der ehemaligen Baustelleneinrichtungsfläche in Maria Stein wird noch bis 2023 ein weitläufiges Biotop mit neuen Lebensräumen für Fische und Kleintiere geschaffen. Die Umgebung wird zudem renaturiert, wodurch eine abwechslungsreiche Auenlandschaft entsteht. Auch in der Schweiz entstand eine umfangreiche Ausgleichsmassnahme unterhalb des Dorfes Ramosch. Die Aue Panas-ch wurde in Zusammenhang mit dem neuen Kraftwerk umfassend revitalisiert.

Weitere Informationen zum Gemeinschaftskraftwerk Inn >>

Text: ee-new.ch, Quelle: Engadiner Kraftwerke AG

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