Bern ist offen für bilaterale Abkommen, um Wasserkraftprojekte im Rahmen der Klimavereinbarungen zu finanzieren, die bereits mit mehreren Ländern unterzeichnet wurden, um die Treibhausgasemissionen in der Schweiz zu kompensieren.

Wasserkraft: Schweiz fordert mehr Tempo in den Entwicklungsländern

(sda) Die Schweiz will die Ansätze der reichen Länder und der Entwicklungsländer in der Wasserkraft miteinander in Einklang bringen. In Genf rief Bundesrätin Simonetta Sommaruga am 13. Oktober dazu auf, die Nutzung der Wasserkraft in den Ländern des Südens zu beschleunigen. „Ihre Länder haben das grösste ungenutzte Potenzial für Wasserkraft, aber sie haben Schwierigkeiten, Investitionen anzuziehen“, sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).


Zu Beginn einer zweitägigen internationalen Konferenz wies Sommaruga darauf hin, dass die Schweiz eines der wenigen Länder sei, das multilaterale Bemühungen finanziere, um bei der Lancierung von Projekten in diesen Staaten zu helfen. Bern sei aber auch offen für bilaterale Abkommen in dieser Frage, insbesondere im Rahmen der Klimavereinbarungen, die bereits mit mehreren Ländern unterzeichnet wurden, um die Treibhausgasemissionen in der Schweiz zu kompensieren.

Angebot an sauberem Strom muss sich verdoppeln
Kleine Wasserkraftprojekte oder Projekte für das Energienetz könnten in ihren Ländern finanziert werden, wenn die Partnerstaaten dies wünschten, sagte Sommaruga vor den Medien. Die Bundesrätin hatte am Morgen mit ihren Amtskollegen aus Malawi und Georgien über dieses Thema gesprochen. Laut einem Bericht der Uno und der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (Irena), der diese Woche in Genf veröffentlicht wurde, muss sich das Angebot an sauberem Strom bis 2030 verdoppeln, um die Klimaschutzverpflichtungen einzuhalten.

Auswirkungen des Ukraine-Krieges
In den Schwellen- und Entwicklungsländern ausserhalb Chinas stagnieren die Investitionen jedoch. Ebenso müssten die Anstrengungen im Bereich der Wasserkraft verdoppelt werden. Der Einsatz von Gas als ‚Waffe‘ im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine wirke sich nicht nur auf die europäischen Staaten aus, sagte Sommaruga.

Inflation, Ölpreise und die Monopolisierung von Flüssiggas durch europäische Abnehmer stellen auch Entwicklungsländer vor Probleme. Wasserkraft soll den Verzicht auf diese nicht erneuerbaren Energien ermöglichen, so die Bundesrätin, die einräumte, dass damit finanzielle, soziale und ökologische Fragen einhergehen. „Kurzfristig setzen viele Länder wieder auf Gas und Öl. Das ist angesichts der Krise menschlich“, sagte die Bundesrätin. Sie sei jedoch zuversichtlich, dass die aktuelle Situation mittelfristig nicht mehr Investitionen in erneuerbare Energien verhindern werde.

Neues Nachhaltigkeitslabel
Bei der Wasserkraft „hat die Schweiz den anderen Ländern etwas vorzuweisen“, betonte die Bundesrätin. Und das Interesse der Länder sei ziemlich gross. Die Schweiz unterstützt auch das neue internationale Nachhaltigkeitslabel, das 2021 eingeführt wurde. Dieses bringt alle Akteure von den Regierungen über den Privatsektor bis hin zu Vertretern der Finanzwelt oder der Zivilgesellschaft zusammen.

Bei der Wasserkraft gibt es unterschiedliche Ansätze. In Europa wird sie als Mittel zur Steigerung der Nutzung anderer Energiearten wie der Sonnenergie betrachtet. In weniger wohlhabenden Ländern wird sie eher als Instrument für den Zugang zu Energie und für die Entwicklung gesehen. Man müsse versuchen, diese beiden Aspekte miteinander in Einklang zu bringen, sagte Sommaruga.

©Text: Keystone SDA

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