16. Aug 2019

Marius Fischer: „Rund 60 % der Hauptnutzfläche - und Lagerfläche schaffen Platz für BE Netz und sei das Tochterunternehmen Audito AG. Noch 1000m2 Quadratmeter Büronutzfläche möchten wir an Unternehmen aus dem Energiebereich vermieten.“ Bild: BE Netz AG

Die Fassade ist ein absoluter Hingucker, der zu mehr Photovoltaikfassaden anstiften kann: Die 117 Module ergeben ein 130 m2 grosses Wandbild mit einer bichromatischen Grafik, das natürlich Strom produziert. Bild: BE Netz

BE Netz: Die Vernetzer netzen fortan im Energiehaus in Luzern

(©AN) An der Eingangstür hängt noch ein Blatt Papier „BE Netz Empfang 2. Stock“. Ende Juni ist die BE Netz von Ebikon in das nach umfassendem Umbau neu eröffnete Energiehaus Luzern eingezogen. „Wir leben hier jetzt in einem Unternehmer-Netzwerk“, erklärt Marius Fischer, Geschäftsleiter von BE Netz. „Das Energiehaus ist unsere unternehmerische Antwort auf die ökologischen und ökonomischen Herausforderungen der Energiezukunft Schweiz.“


Mit dem Energiehaus Luzern will BE Netz AG unterschiedliche Kompetenzen und Firmen zusammenbringen, die sich in den Bereichen erneuerbare Energien, Architektur, Fachplanung und Energieeffizienz ergänzen, vernetzen und nachhaltige Werte schaffen. Ziel ist es, weitere Unternehmen aus dem Energiebereich im Energiehaus anzusiedeln.

Aussergewöhnlichen Referenzobjekte
BE Netz, das sind 25 Jahre Erfahrung im Bereich Solarenergie, insbesondere in der Photovoltaik. Immer dann, wenn es für ein Projekt besonders fundiertes Know-how braucht, ist das Luzerner Unternehmen die erste Adresse. So zum Beispiel bei der Photovoltaik-Gebäudehülle der Umweltarena (ee-news.ch 28.10.11 >>) oder dem Mehrfamilienhaus ohne Stromnetzanschluss in Brütten (ee-news.ch vom 6.6.16 >>), um nur zwei herausragende der zahlreichen aussergewöhnlichen Referenzobjekte des Photovoltaikpioniers zu nennen, zu denen BE Netz ihr Fachwissen beigetragen hat. 25 Jahre, das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Damals galten Berichte über das Photovoltaik-Potenzial in weiten Kreisen noch als Fakenews. Heute zählt die BE Netz rund 60 Mitarbeitende.

6.4 MW Photovoltaikdach dank erfolgreichem Netzwerken
"Unser jüngstes Projekt, die 6.4 Megawatt-Dachanlage auf dem Verteilzentrum von Aldi in Perlen, die wir bis Ende November bauen", berichtet Marius Fischer (ee-news.ch 9.7.19 >>). Dort installiert BE Netz eine Photovoltaikanlage, die noch in diesem Jahr sauberen Strom für 2000 Haushalte produzieren wird. "Das Grossprojekt, dass in enger Zusammenarbeit mit Aldi Suisse, BE Netz und der Aventron realisiert wird, setzt neue Dimensionen in der Branche und zeigt beispielhaft auf, wie sich die Solarenergie im Energiemarkt behaupten kann." Für die Projektentwicklung und das Energiekonzept war die Vernetzung von Investor, Besitzerin und Fachplanung das Erfolgsrezept. Hierbei konnte die BE Netz AG ihr Netzwerk und ihre Erfahrungen erfolgreich einbringen. Marius Fischer freut sich besonders darüber, dass die Aldi-Anlage wirtschaftlich ist: "Aventron erhält zwar die 'Grosse Einmalvergütung', aber keine KEV. Und trotzdem bietet das Projekt eine interessante Wirtschaftlichkeit, weil Aventron neben dem Strom auch noch den Herkunftsnachweis vermarkten kann." Er weist auch darauf hin, dass wir in der Schweiz solche grossen Objekte unbedingt brauchen, um den Zuwachs an erneuerbaren Energien im schweizerischen Stromnetz voranzubringen.

Kompetenzzentrum für Energie
Doch zurück zum Grund des Besuchs bei BE Netz an der Luzernerstrasse 131 in Luzern: der Bezug des Energiehauses. Am 24. Juni war es soweit, nach zwei Jahren intensiver Planungs- und Bauzeit. Die Spezialistin für Solarenergie und Energiekonzepte konnte das Gewerbegebäude 2016 erwerben und hat es in den letzten Monaten grundlegend saniert, erweitert und zu einem energetischen Vorzeigeobjekt umgebaut. Der zurzeit noch nicht sanierte Teil des Gebäudes aus dem Jahr 1955 wurde durch den bedeutenden Architekten August Boyer als linear erweiterbare Gebäudestruktur konzipiert. Die Erweiterung wurde nun westseitig fast 65 Jahre nach der Errichtung im Sinne der den denkmalpflegerischen Schutzstatus des Bestands respektierenden Art und Weise umgesetzt.

Dadurch wurde das Volumen des Gebäudes um rund 30% vergrössert. Zwei Untergeschosse und vier Obergeschosse mit einer gesamten Hauptnutzfläche von 3000 m2 stehen BE Netz nun zur Verfügung, ein Teil davon ist vermietet. Im zweiten Stock des Gebäudes befindet sich ein Grossraumbüro der BE Netz AG. Gleich gegenüber des Empfangs stehen die zwei Bürotische von Marius Fischer und Adrian Kottmann, dem Inhaber von BE Netz. Wer das Unternehmen kennt, wundert sich nicht darüber, dass diese beiden Arbeitsplätze offen und durch keine Trennwand abgetrennt sind.

„Photovoltaik-Fassadengemälde
Die BE-Netzer verschönern nun auch die Fassaden mit Photovoltaik: "An der West-Seite wurden während meinen Ferien diese farbigen bedruckten Module angebracht", freut sich Marius Fischer, der gleich das erste Foto davon schiesst. Die Fassade ist ein absoluter Hingucker, der zu mehr Photovoltaikfassaden anstiften kann: Die 117 Module ergeben ein 130 m2 grosses Wandbild mit einer bichromatischen Grafik, das natürlich Strom produziert. Die Module wurden in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und der Hochschule Luzern – Design & Kunst entwickelt. "Mit dem Umbau des Energiehauses Luzern zu einem PlusEnergieBau möchten wir aufzeigen, dass die Solarenergie auch ältere, schützenswerte Bauten für die Energiezukunft fit machen kann und die Photovoltaik unbegrenzte Möglichkeiten in der Architektur bietet", sagt Adrian Kottmann, Inhaber der BE Netz AG. Die Süd- und Nordfassaden des neu gebauten Teils warten noch auf Fassadenmodule. "Auch auf dem Dach haben wir eine Photovoltaik- und Solarthermieanlage zum Anschauen", fügt Marius Fischer hinzu.

Rund 1000 Quadratmeter zu vermieten
Rund 60% der Hauptnutzfläche - und Lagerfläche schaffen Platz für BE Netz und das Tochterunternehmen Audito AG. Noch 1000m2 Quadratmeter Büronutzfläche möchte BE Netz an Unternehmen aus dem Energiebereich vermieten. "Das Energiehaus Luzern ist unser privates Unternehmernetzwerk und Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, das erste unabhängige Kompetenzzentrum für diese Bereiche in der Zentralschweiz", führt Marius Fischer aus.

Von Solarenergie über E-Management bis zu Sicherheitsnachweisen
BE Netz, das ist, neben dem Know-how im Bereich Solarenergie, geballtes Wissen in den Bereichen Engineering, Heizung, GEAK, Expertisen, Montage, Wärmepumpen, AC-Installationen, Sicherheit, Planung, Pellets, E-Management, Hybridsysteme, Finanzierung und vieles mehr. So ist es kein Zufall, dass sich im 4. Stock Platz für die Audito AG, eine Tochtergesellschaft der BE Netz, fand. Die Sicherheitsexperten führen periodische Kontrollen von Elektroinstallationen durch, stellen Sicherheitsnachweise aus und kümmern sich um Blitz- und Überspannungsschutz, selbstverständlich im Bereich Photovoltaik, dem Spezialgebiet der Muttergesellschaft. "Audito führt beispielsweise die Schluss- oder/und Abnahmekontrollen von Photovoltaikanlagen durch", so Marius Fischer.

Ebenfalls beteiligt ist BE Netz an der Egon AG, die im Bereich Zähl- und Messgeräte für Photovoltaikanlagen im Rahmen eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV) tätig ist. Das Unternehmen steht Photovoltaikanlagebesitzern bei der Planung von ZEV-Infrastruktur beratend zur Seite, hilft bei deren Installation und Inbetriebnahme und liefert mit dem Egoline-Portal auch eine Software für die ZEV-Abrechnung.

Energiehaus Luzern: Ein ganzes Netzwerk unter einem Dach >>


Marius Fischer: "Wir möchten eine Anlaufstelle für technische und kreative Fragen im Bereich erneuerbare Energien und Architektur schaffen"

Sie suchen für Ihr Energiehaus noch Mietende. Ist BE Netz mit dem Energiehaus in die Immobilienbranche eingestiegen?
Wir bleiben der Solarenergie treu, sie ist unsere treibende Kraft. Wichtig im Energiehaus Luzern ist die Vision, die Adrian Kottmann schon vor zehn Jahren hatte, doch damals fanden wir keine Räumlichkeiten. Unsere Idee ist, Raum für erneuerbare Energien zu schaffen, insbesondere für die Solarenergie.

Was gab den Ausschlag, dass BE Netz den Schritt von Ebikon hierher nach Littau gewagt hat?
Es gab verschiedene Grunde dazu: In Ebikon hatten wir einen Mietvertrag über 10 Jahre, der nun auslief. Es gab Überlegungen, selber zu investieren, das haben wir nun gewagt. Und um auf die erste Frage zurückzukommen, die Vision des Energiehauses war schon da. Jetzt konnten wir sie mit diesem Gebäude hier an der Luzernerstrasse 131 realisieren. Das waren die zwei wichtigsten Faktoren für die Realisierung des Energiehauses. Da ein Teil des Gebäudes vermietet war, konnten wir die Bau- und Sanierungsarbeiten auch mit weniger Druck angehen. Dazu kommt noch, dass wir mit den Jahren gewachsen sind und zu wenig Platz an unserem bisherigen Firmensitz hatten. Hier stehen uns jetzt grössere Räumlichkeiten zur Verfügung.

Wie sieht dieses Wachstum in Zahlen aus?
Wir haben heute mit unseren Partnerfirmen rund 60 Mitarbeitende.

Wenn alle Ihre Wünsche in Erfüllung gehen, wie sieht da Energiehaus Luzern in fünf Jahren aus?
Unser Wunsch ist es, einen kreativen Ort zu schaffen, an dem neue Ideen entwickelt werden können, eine Anlaufstelle für technische und kreative Fragen im Bereich erneuerbare Energien und Architektur. Und wenn wir einen Raum und ein Objekt schaffen konnten, die in der Zentralschweiz als Adresse für solche Fragen gelten, macht das uns Freude. Selbstverständlich müssen auch die ökonomischen Aspekte und die Wertschöpfung, die wir erzielen möchten, stimmen. Wir sind zuversichtlich, dass wir das erreichen werden.

Und die Energieversorgung in der Schweiz in fünf Jahren?
Die geht einen Schritt zurück, in dem jeder beginnt, sich selber zu versorgen … (lacht). Nein, das war ein kleiner Spass! Nein, ich bin zuversichtlich, dass der Anteil der erneuerbaren Energien zunimmt. Und ich bin überzeugt, dass sich die Solarenergie und die Wasserenergie gut ergänzen.

Inwiefern ergänzen?
Gerade in den Hitzesommern und wenn das Wasser knapp wird, dann werden wir einen zunehmend grossen Anteil an Solarstrom haben. In Kombination mit Speicherpumpwerken und mit dezentralen Speichern können wir dank dem Solarstrom eine sichere Stromversorgung gewährleisten. Dazu brauchen wir auch grosse Solarstromanlagen wie die, die wir gerade auf dem Verteilzentrum von Aldi bauen. Zudem wird es vermehrt aktive Solarfassaden geben. Der Marktpreis für Solarstrom wird noch weiter sinken, so dass die Solarenergie aus wirtschaftlichen Gründen immer öfter in die Bauten integriert werden wird.

Wie sieht die Energieversorgung der Schweiz aus, die Sie sich künftig erhoffen?
Als es um die Abstimmung der Energiestrategie ging, sprach man immer von der Versorgungssicherheit. Diese gestaltet sich zurzeit so, dass wir 80 Prozent der Energie aus dem Ausland importieren. Für mich wäre es sehr interessant, wenn wir die Versorgungssicherheit mit Energie aus der Schweiz garantieren könnten, mit Solarenergie, mit Wasser- und Holzenergie und anderen erneuerbaren Energien. Eine möglichst 100%ige Abdeckung mit einheimischen erneuerbaren Energien, das wäre eine nachhaltige und wirkliche Versorgungssicherheit. Wir hätten so auch die Wertschöpfung, das Handwerk und die wirtschaftlichen Erträge vorwiegend im eigenen Land. Viele haben noch nicht gemerkt, was für ein spannendes Entwicklungspotenzial wir haben.

©Text und Interview: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin und Herausgeberin ee-news.ch

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