Gepflanzt wurden Heidelbeerpflanzen, Himbeerpflanzen und 2400 Erdbeerpflanzen. ©Bild: Karthaus

Die Panels des Gewächshauses sind lichtdurchlässig, etwa 75 Prozent des Sonnenscheins kommt bei den Pflanzen an. ©Bild: Karthaus

Das Rastermass wurde bereits in der Planung durch die landwirtschaftliche Maschinenbreite (3m) vorgegeben. ©Bild: Karthaus

Schon in der ersten Saison zeigte sich: Der Ertrag stieg um 20 Prozent und die Beeren blieben länger frisch. ©Bild: Karthaus

Die Flächen wurden mit 1 Prozent Gefälle planiert, um den Wasserhaushalt besser steuern zu können und um die Drainageplanung zur Wiederverwendung von Regenwasser zu erleichtern. ©Bild: Karthaus

Die Anlage der Pflanzbeete als ‚Dammkultur‘ für eine verbesserte Wasserführung und Kontrolle, eine verbesserte Temperaturführung, verbesserte Beikrautkontrolle und verbesserte Pflück-Eigenschaften. ©Bild: Karthaus

Die Photovoltaik-Dachkonstruktion. ©Grafik: Karthaus

Innerhalb von 4 Wochen errichteten die Landwirte im Februar 2020 das Gewächshaus. ©Bild: Karthaus

Agri-Photovoltaik über Beerenobstplantage: Zwei Landwirte und ein Ingenieur entwickeln in Büren innovatives Gewächshaus

(PM) Die Folgen des Klimawandels abfedern, den Ernteertrag steigern und gleichzeitig selber Strom produzieren: Die Landwirte Fabian Karthaus und Josef Kneer haben aus diesen Gründen im deutschen Büren-Steinhausen ein riesiges innovatives Gewächshaus gebaut, das mit 2700 Solarmodulen bestückt ist. Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren und sogar Apfelbäume und Tafeltrauben wachsen unter dem Photovoltaikdach, das im Februar 2020 errichtet wurde und etwa einen halben Hektar Ackerfläche abdeckt. Mit Hilfe eines intelligenten Montagesystems sind alle Solarmodule von unten auflegbar und somit später auch austauschbar.


Rund 600‘000 Euro haben die Landwirte in das smarte Gewächshaus gesteckt, um sich für die Zukunft zu rüsten. Der Klimawandel machte sich in den vergangenen Jahren auch in der Region des Paderborner Landes durch andauernde Trockenheit immer stärker bemerkbar. "Die Probleme mit der Trockenheit haben wir ja nicht nur hier. Viele Gegenden, etwa Brandenburg oder Bayern, leiden inzwischen schwer unter Wassermangel“, erklärt der Projektmanager Volker Korrmann, der bereits von vielen anderen Landwirten und Agrargenossenschaften Anfragen wegen dieser Problematik bekommt.

Wüstenregionen könnten ergrünen
Rund drei Meter über dem Boden sind an dem neuartigen Beeren-Gewächshaus die Solarmodule angebracht, unter dem Dach befinden sich Windmaschinen und Nebelsprüher, die für eine ausgeglichene Bewässerung sorgen. Unter der Plantage verläuft ein Wassersammelschacht für die Aufbereitung als Giesswasser. In das System der smarten Bewässerungstechnik sind auch die Daten der Wetterstation eingebunden. Alle Daten fliessen in eine App ein. Die Panels des Gewächshauses sind lichtdurchlässig, etwa 75 Prozent des Sonnenscheins kommt bei den Pflanzen an, das haben die Landwirte mit ihrem Lumimeter gemessen. Gleichzeitig sorgt die Konstruktion dafür, dass extreme Hitze abgehalten wird und der Boden des Ackers feucht bleibt. Nach Idee der Landwirte könnten mit einem solchen Modell selbst Wüstenregionen in Zukunft begrünt werden, denn die Technik soll die durch die Erderwärmung immer trockener und heisser werdenden Böden wässern und kühlen. Auch vor starkem Hagel bleiben die Beeren gut geschützt.

PV könnte 150 Einfamilienhäuser versorgen
Durch den produzierten Solarstrom der 72 x 60m grossen PV-Anlage auf dem Bürener Gewächshaus könnten rund 150 Einfamilienhäuser versorgt werden, es handelt sich dabei um eine Anlage mit 740 kW, 660 KVA Inverterleistung (6x 110 KVA Huawei). Die Himbeeren und Heidelbeeren sind unter dem PV-Dach im ersten Jahr beachtlich gut gewachsen. Der Ertrag stieg um 20 Prozent und die Beeren blieben länger frisch.

Auch für andere Feldfrüchte hat Ingenieur Korrmann sich bereits eine ähnliche Lösung überlegt: Der Acker soll dabei für den Anbau klassischer Feldfrüchte in 40 bis 50 Meter breite Streifen aufgeteilt werden, zwischen denen sich jeweils ein fünf Meter breiter Streifen mit PV-Modulen befindet. Im Schatten der Module wird dann ein Blühstreifen gepflanzt, der stets feucht bleibt und das überschüssige Wasser bei Starkregenereignissen aufnehmen kann. Dort gepflanzte heimische Wildkräuter brechen den Wind und verlangsamen dadurch das Austrocknen des Ackerbodens Vertikale, feinmaschige Kunststoffnetze sorgen für die Mikrobewässerung und Kühlung. Sie sollen die Pflanzen in fünf Kilometern Umgebung mit feinem Sprühnebel beregnen und gleichzeitig die PV-Module kühlen.

Bessere Unterstützung von Seiten der Politik gefordert
Obwohl sich bereits viele andere Landwirte für das System von Landwirt Karthaus und seinen Mitstreitern interessieren, braucht es seiner Meinung nach zur Nachahmung eine bessere Unterstützung von Seiten der Politik. „Das EEG muss den Anreiz für Agri-PV (APV) vergütungstechnisch Richtung 7 Cent halten“, so Karthaus mit Bezug auf die von ihm investierten 580‘000 Euro, „ausserdem muss das Baurecht geändert werden, es muss klare Spielregeln geben, den Weg halten wir nervlich nicht noch mal durch.“ Trotz aller Startschwierigkeiten hält er das Projekt für gelungen und möchte demnächst noch ein zweites Gewächshaus in weitaus grösserer Dimension realisieren.

Text: Energieagentur NRW













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