"Sie war und ist eine sensationelle Erfindung, die auch im nächsten Jahrhundert einen wichtigen Beitrag zur sauberen Energiegewinnung leisten wird", so Markus Schneeberger, CTO der Andritz Hydro GmbH. Bild: Andritz

Andritz: 100 Jahre Kaplanturbine - alte Erfindung unverändert aktuell

(PM) Die vor 100 Jahren erstmals in Betrieb genommene Kaplanturbine dient nicht nur der umweltfreundlichen Energiegewinnung, sondern kann auch das Risiko für wandernde Flussfische minimieren. "Sie war und ist eine sensationelle Erfindung, die auch im nächsten Jahrhundert noch Bestand haben wird", schwärmte Markus Schneeberger, Cheftechniker der Andritz Hydro GmbH , am vergangenen Donnerstag auf dem Symposium zum 100-jährigen Jubiläum der ersten Kaplanturbine im Wiener Palais Hansen Kempinski.


Schneeberger erläuterte wie die Kaplanturbinen in Wasserkraftwerken durch besondere Modifikationen wandernde Flussfische schützen können. "Die Turbinen in unseren Wasserkraftwerken haben ein fischfreundliches Design. Indem wir das Wanderverhalten der Fische studieren, können wir das Design der Turbine an ihre Bewegung anpassen. So verringert sich die Verletzungsgefahr. Die Spalten zwischen rotierenden und stationären Komponenten sind so gestaltet, dass die Fische nicht mehr darin eingeklemmt werden können", erklärte Schneeberger.

Grundkonzept unverändert
Andritz beliefert jedes vierte Wasserkraftwerk, das weltweit verkauft wird, mit Kaplanturbinen. Unter anderem findet die Turbine in Wasserkraftwerken in Kanada, Brasilien und Laos Verwendung. "Doch trotz der Genialität von Kaplans Konzept sind immer noch Verbesserungen möglich", meinte Schneeberger auf dem Symposium. So verwenden moderne Turbinenlaufräder kein Schmieröl mehr, sondern operieren mit wassergefüllten Naben, um Umweltschäden bei etwaigen Lecks zu verhindern.

Helmut Jaberg, Professor an der Technischen Universität Graz, pflichtete Schneeberger in seinem Vortrag bei. Es habe einen Grund, dass sich bis heute nichts am Konzept der Kaplanturbine verändert hat. Die Turbine ist vergleichsweise hocheffizient und aufgrund ihrer Klimabilanz hochaktuell. Heutige Energieerzeuger sollten sich ein Vorbild an Kaplans Erfindung nehmen. "Es wird eine Herkulesaufgabe auch für Österreich, wieder zur 100% Versorgung aus regenerativen Energien zurückzukehren, wie wir sie schon einmal in den 1960er Jahren hatten", so der Forscher.

"Aus Routinedenken lösen"
Die bahnbrechende Idee der Kaplanturbine fiel dem Erfinder nicht einfach in den Schoss, gab Gerlind Weber, Raumforscherin und Enkelin von Viktor Kaplan, in ihrem Vortrag zu bedenken. "Kaplan hat sich nach anfänglichen Auftragsarbeiten für klassische Turbinen langsam vom Routinedenken gelöst. Er erkannte, wie man die Effizienz einer Turbine durch mechanische Veränderungen steigern kann, und konnte seine Idee erst nach jahrelangen Patentstreitigkeiten durchsetzen", erklärte Weber. Nur durch das Verwerfen von überholten Vorstellungen und Methoden sei es möglich, eine bahnbrechende Erfindung zu leisten - in diesem Fall eine Wende hin zu sauberer Energie.

Text: Andritz

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1 Kommentare

Max Blatter

Dem Lobgesang für die Kaplanturbine kann ich mich nur anschliessen! Dagegen muss ich eine zitierte Aussage des Herrn Professor Jaberg kritisieren: Österreich hatte mit Sicherheit auch "in den 1960er Jahren" keine "100% Versorgung aus regenerativen Energien". Wahrscheinlich meint Jaberg die elektrische Energieversorgung! Aber Gebäudeheizungen und insbesondere der Straßenverkehr gehören auch zur Energiestatistik, und da waren und sind sowohl Österreich wie auch die Schweiz von 1960 bis heute unverändert weit von "100% regenerierbar" entfernt.

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