Die Morphocolor-Beschichtung ermöglicht Solarmodule mit einer satten, winkelstabilen Farbe bei gleichzeitig hohem Wirkungsgrad. Rund 93 Prozent des Sonnenlichts können die spezielle Oberflächenstruktur durchdringen. ©Bild: FI/ISE

Schön wie ein Schmetterlingsflügel: Fraunhofer ISE entwickelt homogene farbige Beschichtung für Solarmodule

(FI/ISE) Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen wirken in ästhetischer Hinsicht an Gebäuden oft wie Fremdkörper. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat deshalb Beschichtungsverfahren entwickelt, mit denen Solarmodule mit einer homogenen farbigen Oberfläche bei gleichzeitig hohem Wirkungsgrad hergestellt werden können. Das Prinzip wurde dem Flügel des Morpho-Schmetterlings entlehnt.


Photovoltaik-Anlagen haben sich längst zu einer Standard-Technologie entwickelt, die mit etablierten Verfahren in grossen Mengen preiswert hergestellt wird. Eines aber hat sich in all den Jahren nicht wirklich verändert: das Aussehen der Photovoltaik-Module als dunkelblau-schwarze Platten. Bei Bauherren und Architekten sind Photovoltaik-Anlagen als gestalterisches Element daher wenig beliebt. Dabei wäre es überaus sinnvoll, nicht nur die Dächer, sondern auch Fassaden mit Photovoltaik-Anlagen zu versehen, um die für die Energiewende notwendigen 2500 Quadratkilometer zusätzlicher Photovoltaik-Anlagen zu erreichen.

Blauer Morpho-Falter als Vorbild
Forscherinnen und Forscher vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg haben deshalb ästhetische, farbige Module für Fassaden entwickelt, denen man ihren eigentlichen Zweck gar nicht mehr ansieht. »Die zündende Idee für die Entwicklung bestand darin, die Deckgläser der Module nicht mit Farbpigmenten einzufärben, sondern vielmehr den physikalischen Effekt des Schmetterlingsflügels nachzuahmen«, sagt Thomas Kroyer, Leiter der Gruppe Beschichtungstechnologien und -systeme. Denn beschichtet man Gläser mit Pigmenten, büssen diese viel von ihrem Wirkungsgrad ein, weil das Licht nicht mehr ungehindert eindringen kann.

Anders der Flügel des Morpho-Falters: Die im Regenwald Mittel- und Südamerikas lebenden Schmetterlinge erzeugen einen Farbeindruck nicht durch Pigmente, sondern durch eine mikrometerfeine Oberflächenstruktur auf der Flügeloberfläche, die gezielt einen engen Wellenlängenbereich, sprich eine Farbe, reflektiert. Den Fraunhofer ISE-Experten ist es gelungen, eine ähnliche Oberflächenstruktur durch einen Vakuumprozess auf die Rückseite des Deckglases ihrer Photovoltaik-Module aufzubringen. »Rund 93 Prozent des Lichts können diese Schicht durchdringen – nur etwa sieben Prozent werden reflektiert und lösen den Farbeffekt aus«, erläutert Thomas Kroyer.

Prinzip der Dachschindeln
Für eine noch ästhetischere Optik der Solarmodule haben die Fraunhofer ISE-Experten eine Montagemethode entwickelt, die an das Prinzip der Dachschindeln erinnert. Dafür werden Photovoltaik-Zellen in Streifen angefertigt und wenige Millimeter überlappend zu einem grösseren Modul zusammengeklebt. So entsteht ein homogenes Ganzes ohne störende Zwischenräume oder sichtbare Kontaktdrähte. »Man kann aus verschiedenen Winkeln auf unsere geschindelten Photovoltaik-Module mit Morphocolor-Beschichtung schauen – und trotzdem bleibt der homogene Eindruck.«

Die im Vakuumverfahren bedampften Deckgläser lassen sich auch in Solarthermie-Kollektoren zur solaren Wärmezeugung integrieren. So kann man mit einer Fertigungslinie beide Produkte bedienen, und Photovoltaik- und Solarthermie-Module können künftig mit derselben Farbe versehen quasi unsichtbar nebeneinander montiert werden. Passt man den Farbton an das restliche Gebäude an, lässt sich eine farbliche homogene Fassade, die zugleich Strom und Wärme liefert.

Text: Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE

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1 Kommentare

Max Blatter

"Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen wirken ... an Gebäuden oft wie Fremdkörper"?

Das nehme ich anders wahr: Viel zu oft "wirken" sie gar nicht, weil die Architektinnen und Architekten alles tun, um sie mit einem perfekten Mimikry zu kaschieren! Und genau solche Objekte erhalten dann womöglich noch Preise für die "perfekte Integration"!

Dabei sollte das Motto doch heißen "tue Gutes und zeige es", nicht "tue Gutes und schäme dich dafür"!

Insofern halte ich die Entwicklung des Fraunhofer-Institut für etwas Gutes, Notwendiges, ja geradezu Überfälliges. Sie stellt ein Mittel zur aktiven architektonischen Gestaltung bereit, das im Idealfall die Nutzung der Solarenergie aus ihrem verschämten Mimikry-Dasein herausreißen kann.

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