17. Mai 2019

Albert Engelbrecht: „Im Moment sind wir mit IBC Solution International in Skandinavien sehr erfolgreich unterwegs, aber auch in Osteuropa, insbesondere in Polen. Zudem ist Holland inzwischen ein sehr wichtiger Markt.“

IBC Solar: „The sky is the limit!“ – über Chancen und Stolpersteine des internationalen Photovoltaikmarkts

(AN) „Der politische Diskurs über den Klimawandel ist wichtig für die Branche, denn Photovoltaik ist heute die günstigste Stromtechnologie. Ein Intersolar-Standgespräch vom 15. Mai mit Albert Engelbrecht, Senior Vice President Solutions International bei IBC Solar, über Chancen und Stolpersteine des internationalen Photovoltaikmarkts. IBC Solar gehört zu den Pionierunternehmen der Photovoltaikbranche. Der Systemanbieter ist auch im Projektgeschäft tätig, rund um den Globus.


Welche
Märkte sind weltweit am vielversprechendsten?
Für uns ist das natürlich Europa, denn da liegt unser Schwerpunkt. Daneben gibt es zurzeit die grossen Märkte Indien, Australien, Japan und die USA. Aber auch Afrika wird zunehmend ein Thema.

Welcher Markt ist in Europa am wichtigsten?
Der deutsche Markt ist nach wie vor der wichtigste für uns. Hier sind wir aufgrund unserer Historie, unseres Portfolios und unseres Leistungsspektrums einer der führenden Anbieter.

Und der zweitwichtigste Markt?
Im Moment sind wir mit IBC Solution International in Skandinavien sehr erfolgreich unterwegs, aber auch in Osteuropa, insbesondere in Polen. Zudem ist Holland inzwischen ein sehr wichtiger Markt für uns, da die Fördermechanismen sowohl fürs Gewerbe wie auch für Private stimmen.

Handelt es sich in Holland primär um Freiflächenanlagen?
Sowohl als auch. Die Gebäudeintegration spielt hier eine grosse Rolle. Vergangene Woche haben wir ein spannendes Projekt in Betrieb genommen, eine Photovoltaikanlage in Kombination mit einem 2.2-MW-Wasserkraftwerk. Hier haben wir zusammen mit unserer niederländischen Tochtergesellschaft die Planung, den Bau und die Inbetriebnahme einer Solarstromanlage für den Eigenverbrauch der Wasseraufbereitungsanlage in Arnheim realisiert.

Im Bereich der Gebäudeintegration ist übrigens auch die Schweiz ein sehr wichtiger Markt für uns.

Und welcher Markt ist für Sie international am wichtigsten?
Unser Bereich IBC Solution International fokussiert verstärkt auf den Norden Afrikas und mit unserer Tochtergesellschaft auch auf den Süden Afrikas. Und darüber hinaus in Zukunft auch auf Lateinamerika.

Was ist das Interessante am afrikanischen Markt?
Afrika ist der Kontinent, auf den unsere Produkte gut abgestimmt sind: Der Kontinent braucht viel Energie und die Sonne scheint überdurchschnittlich häufig. Daher sind wir bereits seit 3 Jahren in Südafrika mit einer Tochtergesellschaft vertreten.

Sehr spannend!
Ja, das ist es in der Tat. Wir haben mit einer ganz kleinen Truppe angefangen und haben uns jetzt etabliert. Wir realisieren jetzt nicht nur in Südafrika selber, sondern auch in den umliegenden Ländern zunehmend Projekte. Dabei sind wir – wie übrigens in allen Ländern, in denen wir tätig sind – nicht nur Distributor, sondern wir unterstützen unsere Partner auch bei der Realisierung komplexer Projekte. Beispielsweise bei Off-Grid-Projekten.

Da wollte ich gerade nachhacken: Realisieren Sie in Afrika viele Off-Grid-Anlagen?
Das ist der Schwerpunkt von IBC Solution International generell. Dabei begleiten wir unsere Partner, die Installateure, immer in der Umsetzung aller Phasen eines Projekts.

Ich möchte nochmals auf Ihre erste Frage zu den wichtigsten Märkten zurückkommen: In meinen Bereich, der IBC Solution International, ist Europa der wichtigste Mark. Im Projektbereich sind die wichtigsten Märkte Indien und Japan. (Anmerkung der Redaktion: siehe Intersolar-Interview vom 21.6.18 mit José María Llopis von IBC über die Märkte Indien und Japan >>)

Gibt es Märkte, die IBC Solar gerne bewirtschaftet hätte, und die dann enttäuschend waren?
Es ist natürlich nach wie vor ein Thema, dass die ganze Branche volatil ist. Ich bin jetzt auch schon über 10 Jahre in der Branche, inzwischen sind auch die Ursachen für die Volatilität bekannt. Der Photovoltaikmarkt ist ein globaler Markt, der, was die Versorgung angeht, verstärkt aus China heraus bestimmt wird. Und Angebots- wie auch Nachfrageschwankungen sind somit weltweit spürbar. Nach wie vor bestimmen auch politische Entscheidungen den Markt. Wenn unabhängig von der Vergütung ganz generell die Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, wie zum Beispiel die Zulassungen oder die Einspeisung ins Netz, hat man als Unternehmen ein weiteres Handicap zu lösen. Aber an diese Schwankungen haben wir uns gewöhnt. So schwingt zum Beispiel das Pendel in Spanien mal auf die eine Seite und dann wieder auf die andere Seite aus. Der spanische Markt ist übrigens auch ein sehr guter Markt in Europa. Das gilt für alle Bereiche, sowohl für den Projektbereich wie auch für den Commercial- und Residential-Bereich, den wir mit IBC Solutions International bearbeiten.

Wie wichtig ist noch die Einspeisevergütung in Europa?
Grundsätzlich haben wir die Grid Parity erreicht. Solarenergie ist jetzt bereits die effizienteste und wirtschaftlichste Technologie. Die Einspeisevergütung wird kontinuierlich an Bedeutung verlieren. Mittlerweile geht es darum, inwiefern wir generell ins Netz einspeisen dürfen. Ist das nicht gegeben, muss diese Herausforderung gemeistert werden. Die eigene Nutzung von Strom, den man selber herstellt, wird zunehmend an Bedeutung gewinnen, auch für Firmen.

Welche Märkte in Europa funktionieren schon ohne Einspeisevergütung?
In Deutschland gibt es jetzt bereits Modelle, die komplett ohne Einspeisevergütung funktionieren. Auch in Spanien gab’s die ersten Projekte. Das ist erst der Anfang dieser Entwicklung, längerfristig werden wir die Einspeisevergütung nicht mehr brauchen.

Was sind die wichtigsten Entwicklungen, die Sie neben der Grid Parity feststellen?
Wenn wir uns jetzt die aktuelle politische Diskussion anschauen, werden der Klimawandel und die CO2-Problematik immer wichtiger. Nicht nur bei den Europawahlen, sondern auch weltweit. Diese Thematik wird jetzt Bestandteil des politischen Diskurses. Ich denke, dass diese Problemstellungen und die Lösungen, die es dazu gibt, Anstoss für den langfristigen erfolgreichen Ausbau der erneuerbaren Energien sein werden.

In der Schweiz wird Photovoltaik ja insbesondere im Gebäude verbaut. Gibt es weitere Märkte, wo insbesondere auf Dächern und Fassaden gebaut werden soll?
Sicher gibt es solche Märkte. Unser Ansatz von IBC Solutions International ist es, sich anzuschauen, welche Fläche wo vorhanden ist, um dann die beste Lösung für den jeweiligen Standort bereitzustellen. Diese Entscheidung hängt auch stark von den Regularien ab. Generell ist es so: Je weniger Fläche vorhanden ist, desto mehr wird ins Gebäude integriert.

Der Schweizer Mark hat übrigens mit den Vorschriften bezüglich der Absturzsicherheit dazu geführt, dass IBC Solar eigens dafür ein Produkt entwickelt hat, um eben diese gesetzlichen Regularien zu erfüllen. Und dieses Produkt bieten wir jetzt auch in anderen Märkten an.

Regularien sind ein weiteres wichtiges Thema, das haben Sie vorhin ja schon angesprochen. Und da schliesst sich auch der Kreis: Es müssen Regularien beschlossen werden, die es ermöglichen, Energie, die ich an einer Stelle produziere, – zum Beispiel ausserhalb der Stadt, weil dort eine Fläche existiert, die sonst nicht genutzt werden kann –, in der Stadt beim selben Netzbetreiber verbraucht werden kann. Ich denke hier an bergiges, steiniges Land ausserhalb der Städte in Spanien. Wir sprechen hier von Netmetering/Netbilling, sprich wir produzieren an einer Stelle und verbrauchen genau diesen Strom an anderer Stelle. Solche Regularien sind wichtig zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Netbilling gibt es übrigens bereits in Chile.

Wo steht der Photovoltaikmarkt Ende 2019? Zum Beispiel in Deutschland, der EU?
Wir sind sehr optimistisch, ich verweise da auch auf die vorhin erwähnte politische Diskussion, die für uns sehr wichtig ist. Die Bedeutung des Klimawandels wird von vielen Parteien in den Vordergrund gerückt und solange dieses Bewusstsein vorhanden ist und auch politisch gewünscht ist, können wir zuversichtlich sein, dass sich die Rahmenbedingungen wieder verbessern. Zum Beispiel müsste der 52-GW-Photovoltaikdeckel in Deutschland wieder abgeschafft werden, so dass Energie, die gebraucht wird, auch produziert werden kann, unabhängig von künstlichen Deckeln. Da sind wir zuversichtlich und sagen „the sky is the limit“!

Weitere Interviews, die anlässlich von The Smarter E geführt wurden:

©Text: Anita Niederhäusern, Herausgeberin und leitende Redaktorin ee-news.ch

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