05. Jan 2019

Novum in Erftstadt. Erstmals wird solare Energie auf einem öffentlichen Fahrradweg erzeugt. Der neuartige Belag kann dank einer integrierten Heizung im Winter auch Schnee abtauen. ©Bild: Energieagentur NRW, Jochen Tack

Einweihung des Solarradwegs im November 2018. Wie gut er bei realer Belastung und Witterung auf Dauer funktioniert soll genau beobachtet und ausgewertet werden. ©Bild: Energieagentur NRW, Meike Nordmeyer

Detailaufnahme des Fahrbahn-Belags. ©Bild: Energieagentur NRW, Meike Nordmeyer

Erster Solar-Radweg Deutschlands: Mit dem Fahrrad über Solartechnik flitzen gehört zum Alltag

(ee-news.ch) In Erftstadt bei Köln ist im November der erste Solar-Radweg Deutschlands eingeweiht worden, eine Teststrecke von 90 Metern Länge im Stadtteil Liblar. 150 besonders bruch- und rutschfeste Solarmodule wurden dafür zusammengesteckt und auf den Asphalt eines bestehenden Radweges verlegt. Der neuartige von der Solmove entwickelte Fahrbahn-Belag erzeugt Strom, absorbiert Lärm durch seine spezielle Oberflächenstruktur und kann dank einer integrierten Heizung im Winter auch Schnee abtauen.


Mit der Eröffnung des Fahrradweges wurde in Erftstadt die Premiere einer neuen Technologie gefeiert, denn in Deutschland wird damit erstmalig solare Energie auf öffentlichen Wegen erzeugt. „Die Stadt möchte mit der Teststrecke auf dem Radweg zeigen, dass jede Kommune sauberen Strom produzieren kann, ohne das Landschaftsbild zu stören“, erklärte Erftstadts Bürgermeister Volker Erner dazu.

Start-up aus Potsdam mit Forschungspartnern aus Nordrhein-Westfalen
Die Solmove GmbH, ein Start-up aus Potsdam, hat die Solarmodule gemeinsam mit der RWTH Aachen und weiteren Forschungspartnern entwickelt, dazu gehören die Fraunhofer-Institute für Solartechnik ISE und für Silikattechnik ISC, die Universität Bayreuth, das Forschungszentrum Jülich, das Institut für Strassenwesen in Aachen und die Bundesanstalt für Strassenwesen.

Gründer und Geschäftsführer von Solmove ist der 56-Jährige Donald Müller-Judex, gelernter Maschinenbauer und Ingenieur, der lange Zeit auch als Journalist gearbeitet hat. Auf die Idee, die speziellen Solarmodule zu entwickeln, kam er vor etwa zehn Jahren, als er noch im Allgäu wohnte und dort Flächen für Photovoltaik-Anlagen suchte. Er musste feststellen, dass die dafür geeigneten Dächer alle schon belegt waren. »Wir könnten auch die Strasse nutzen, die liegt doch in der Sonne«, dachte er sich und begann zu forschen und mit Solartechnik zu tüfteln.

Doppelte Nutzung
„Für das Ziel 100 Prozent erneuerbare Energien reichen mit Photovoltaik versehene Dachflächen einfach nicht aus“, so erklärt er. „Man muss auch die vorhandenen Asphaltflächen dafür nutzen. Mit den Solarmodulen für Wege und Strassen können vorhandene Flächen doppelt genutzt werden – als Verkehrsweg und für die Stromerzeugung. Dadurch lässt sich der Flächenverbrauch für erneuerbare Energien in der Natur stark verringern.“ Und Müller-Judex hat noch einige Weiterentwicklungen im Sinn: „In Deutschland alleine eignen sich 1400 Quadratkilometer horizontale Flächen für Solarstrassen, die 20‘000‘000 Autos mit Strom versorgen könnten. Mit kombinierbarer, induktiver Ladetechnik lassen sich perspektivisch die E-Autos auch während der Fahrt mit Strom versorgen. In den Solarteppich eingebaute Sensoren könnten zudem bei grösseren Strassen auch Verkehrsströme messen und so dabei helfen, Ampelschaltungen zu optimieren oder vor Eisglätte zu warnen.“

Bis zu 16000 Kilowattstunden Strom im Jahr
Ein Anfang ist nun gemacht, es ist der entscheidende Schritt in die Praxis: Die ersten Module sind in Erftstadt verlegt und damit ein erstes Stück eines Solar-Radwegs eröffnet. „Die Teststrecke umfasst eine Fläche von 200 Quadratmetern. Wir erwarten, dass auf dieser bis zu 16‘000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert werden. Das entspricht etwa dem Jahresverbrauch von vier Haushalten“, sagt Müller-Judex, und er erläutert die spezielle Beschaffenheit der Solarmodule für den Radweg noch genauer.

Fliesenmatte passt sich dem Untergrund an
Die quadratischen Module von jeweils rund 1.4 Quadratmetern bestehen aus einem Gitternetz von vielen flexibel verbundenen Fliesen, in denen jeweils eine Solarzelle zwischen zwei Glasscheiben eingebettet ist. Die Glasoberfläche lenkt Licht in optimierter Weise auf die Solarzellen im Inneren. Die Einbettung zwischen den Glasscheiben schützt die Solarzellen vor mechanischer Belastung und Witterung. Die Fliesenmatte passt sich dem Untergrund an und kann somit mechanischer Belastung nachgeben, ohne zu zerbrechen. Die quadratischen Module werden zusammengesteckt und mit Spezialkleber auf vorhandene Asphaltflächen von Fahrradwegen oder Strassen geklebt. Ein spezielles Rillenprofil sorgt bei dem ausgeklügelten Belag für eine wasserableitende Struktur. Eine gewisse Neigung der Rillen lässt Wasser und Schmutz besonders gut abfliessen. Bei alldem prognostiziert das Unternehmen eine Nutzungsdauer des Belags von mindestens 20 Jahren.

Wie gut das alles bei realer Belastung und Witterung auf Dauer funktioniert, das muss sich nun in alltäglicher Nutzung auf der Teststrecke in Erftstadt erweisen und soll genau beobachtet und ausgewertet werden.

Text: ee-news.ch, Quelle: Energieagentur NRW




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