Der Langzeitwärmespeicher sorgt dafür, dass auch im Winter Solarwärme zur Verfügung steht. ©Bild: Sonnenhaus Schuster/Petra Höglmeier

Grosse Solarwärme- und Solarstromanlagen auf dem Süddach erzeugen Energie für Wärme, Strom und Elektromobilität. ©Bild: Sonnenhaus Schuster/Petra Höglmeier

Die Solarwärmeanlage (oben) hat 45 Quadratmeter Kollektorfläche. Die Photovoltaikanlage darunter besteht aus 39 Modulen und ist 58 Quadratmeter gross. ©Bild: Sonnenhaus Schuster/Petra Höglmeier

Solarthermie: Das verkannte Genie auf dem Dach

(PM) Auch 2017 können Bauherren und Sanierer wieder von einer attraktiven Förderung für klimaschonende und kostensparende Solarwärmeanlagen profitieren. Sie kann beim deutschen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden. Grosse solarthermische Anlagen für die Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung werden in besonderenm Masse gefördert.


„Solarwärmeanlagen können einen Grossteil des Wärmebedarfs bis hin zu 100 Prozent solar decken“, sagt Georg Dasch, 1. Vorsitzender des Sonnenhaus-Instituts, einem internationalen Kompetenznetzwerk für weitgehend solar beheizte Gebäude. „Sie haben ein hohes Potenzial für die Einsparung von CO2 und fossilen Rohstoffen.“

5000-Liter-Speicher reicht aus
Das wirtschaftliche Optimum von grossen Solarwärmeheizungen liegt bei einem solaren Deckungsgrad zwischen 50 und 70 Prozent. „Solche Systeme können mittlerweile mit deutlich kleineren Wärmespeichern als früher realisiert werden“, fährt Dasch fort. „Ein 5000-Liter-Speicher in einem Einfamilien-Sonnenhaus, das zu 60 Prozent solar beheizt wird, ist heute gängige Praxis“, so Dasch. Der dafür notwendige eingeschossige Raumbedarf von nur 4.8 Quadratmetern ist in den meisten Häusern problemlos zu realisieren. Einige Beispiele für die lukrativen Zuschüsse aus dem Marktanreizprogramm, die Bauherren nicht zurückzuzahlen brauchen:

Basisförderung
Für heizungsunterstützende Solarwärmeanlagen mit 15 bis 40 Quadratmeter Solarkollektoren in bestehenden Gebäuden gibt es im Rahmen der Basisförderung im Marktanreizprogamm (MAP) einen Zuschuss von 140 Euro je Quadratmeter Kollektorfläche. Für Anlagen bis 14 Quadratmeter Fläche, die Wärme für das Brauchwasser und die Heizung erzeugen, zahlt das BAFA eine Pauschale von 2000 Euro.

Innovationsförderung
Noch attraktiver ist die Innovationsförderung mit ihren höheren Fördersätzen. Diese gibt es für Solarwärmeanlagen in Gebäuden mit drei und mehr Wohneinheiten sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser. Bei letzteren muss der solare Deckungsgrad mindestens 50 Prozent betragen und die Dämmung KfW-Effizienzhaus-Standard 55 entsprechen. Bei Neubauten gibt es für heizungsunterstützende Solarthermieanlagen mit 20 bis 100 Quadratmeter Kollektoren einen Zuschuss von 150 €/m². Im Gebäudebestand gibt es 200 €/m².

Effizienzbonus
Einen zusätzlichen Anreiz für die energetische Sanierung im Bestand hat der Gesetzgeber mit dem Gebäudeeffizienzbonus geschaffen. Erreicht das Gebäude KfW-Standard 55, so kann noch ein Bonus von 50 Prozent des Betrages aus der Basis- oder der Innovationsförderung beantragt werden.

Ertragsförderung
Alternativ zur grössenabhängigen Innovationsförderung, bei welcher der Zuschuss nach der Kollektorfläche berechnet wird, gibt es die Variante Ertragsförderung. Sie soll dazu motivieren, leistungsstarke Kollektoren zu nutzen. Der Zuschuss errechnet sich mit 0.45 Euro multipliziert mit dem jährlichen Kollektorertrag und der Fläche der Solarkollektoren. Um die Ertragsförderung für Anlagen mit 20 bis 100 Quadratmeter Kollektorfläche zu bekommen, muss der eingesetzte Kollektor ein Solar Keymark-Zertifikat besitzen. Förderfähige Kollektoren sind auf der BAFA-Website aufgelistet. Hier sind auch die detaillierten Förderbedingungen zu finden. So gibt es zum Beispiel für Solarthermieanlagen, die an eine Biomasseheizung, eine Wärmepumpe, ein Wärmenetz oder an einen Kesseltausch gekoppelt werden, noch einen Kombinationsbonus in Höhe von 500 Euro.

„Bauherren sind gut beraten, wenn sie diese Förderung nutzen. Zusammen mit günstigen KfW-Krediten, Tilgungszuschüssen und niedrigen Bauzinsen können sie kostensparend ökologisch bauen und sich langfristig niedrige und kalkulierbare Energiekosten sichern“, sagt Dasch. Im Neubau sei die Ertragsförderung in der Regel die attraktivere Variante.

Beispiel aus der Praxis
Dies konnte Rainer Körner, Geschäftsführer des Bauunternehmens KHB-Creativ Wohnbau und 2. Vorsitzender des Sonnenhaus-Instituts, bei einem aktuellen Bauprojekt feststellen. Körner baut in diesem Jahr ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten in Obersulm-Sülzbach im Landkreis Heilbronn. Das Gebäude mit 520 Quadratmeter Wohnfläche hat KfW-Effizienzhaus 55-Standard. Um einen solaren Deckungsgrad von 50 Prozent zu erreichen, werden 75 Quadratmeter Solarkollektoren montiert.

Über die grössenabhängige Förderung hätte er 150 €/m² Kollektorfläche BAFA-Zuschuss erhalten. Körner hat sich aber für die Ertragsförderung entschieden und deshalb für die Kollektorfläche einen Zuschuss von 15‘000 € bekommen. Das entspricht 200 €/m² bzw. 33 Prozent mehr, als es bei der grössenabhängigen Förderung der Fall gewesen wäre. Rund die Hälfte der Kosten für die Solarthermie-Anlagen konnte er somit mit der BAFA-Förderung abdecken. „Durch die hohe Förderung sind Sonnenhaus-Heizungen für Bauträger eine preisattraktive Lösung, den künftigen Käufern oder Mietern niedrige Nebenkosten zu gewährleisten“, resümiert der Heilbronner Bauunternehmer.

Tilgungszuschuss
Das Gebäude ist auch ein Beispiel für die deutlich gesunkene Wärmespeichergrösse. Die Wärme wird in einem Wasserspeicher mit 10‘000 Liter Fassungsvermögen gespeichert. „In einem Mehrfamilienhaus wird ständig Wärme abgenommen, deshalb kann der Speicher hier kleiner dimensioniert werden“, sagt Körner, der rund 20 weitgehend solar beheizte Häuser gebaut hat. Für den Solarspeicher kann zusätzlich ein Tilgungszuschuss in Höhe von Euro 2500 beantragt werden.

Die künftigen Eigentümer dieser Wohnungen können auch beim Strom mit niedrigen Energiekosten rechnen. Denn jede Wohnung erhält noch eine kleine Photovoltaikanlage für die Eigenstromversorgung. Die Gesamtleistung der PV-Anlage liegt bei rund 12 Kilowatt. „Solarthermie und Photovoltaik für eine intelligente Eigenversorgung mit Solarenergie für Wärme, Strom und Mobilität“: So lautet das Motto des Sonnenhaus-Instituts. Kriterium für die Klassifizierung als Sonnenhaus ist, dass mindestens 50 Prozent des Heizenergiebedarfs solar gedeckt werden, sei es mit Solarthermie oder Photovoltaik. Zur Deckung des restlichen Wärmebedarfs wird im Idealfall eine Biomasseheizung eingesetzt, möglich ist auch eine Gasbrennwerttherme.

Nur 900 Kubikmeter Erdgasverbrauch
Ein Beispiel für ein Sonnenhaus mit Solarthermie und Gasheizung ist das Mehrfamilienhaus von Familie Schuster in Oberschleissheim bei München. In dem Gebäude mit 552 Quadratmeter Nutzfläche decken 45 Quadratmeter Solarkollektoren rund 60 Prozent des Heizbedarfs mit Sonnenenergie. Der Pufferspeicher hat ein Fassungsvermögen von 9360 Liter. Bei der Nachheizung haben die Bauherren sich für eine Gasbrennwerttherme entschieden. Nach vier Wintern in dem Haus (2012 - 2016) wissen sie, dass sie rund 900 Kubikmeter Erdgas im Jahr für die Nachheizung benötigen. Das entspricht zwischen 600 und 750 Euro im Jahr, je nach Verbrauch und Erdgaspreis.

Unabhängiger bei Wärme und Strom
Für sechs Personen – in dem Haus leben drei Generationen zusammen – ist das sehr wenig. Auch bei der Stromversorgung handeln sie umweltbewusst. Die Photovoltaikanlage mit 7.8 Kilowattpeak Spitzenleistung erzeugt elektrische Energie für den Haushalt, die Anlagentechnik und das Elektroauto der Familie. „Bauherren von Sonnenhäusern können aus einem grossen Heiztechnik-Angebot wählen: Auch Wärmepumpe und Photovoltaik sind möglich“, sagt Georg Dasch. „Trotzdem werden wir auch weiterhin die Werbetrommel für die Solarthermie rühren. Die thermische Wärmespeicherung ist ökonomisch und effizient.“ Die Kombination einer Solarwärmeanlage mit einer Photovoltaikanlage bietet Hausbesitzern noch mehr Unabhängigkeit vom Energieversorger: bei der Wärme und beim Strom. Solaranlagen ersparen der Umwelt schädliche Emissionen und dem Besitzer Energiekosten.

Mit dem Sonnenhaus-Konzept lassen sich die KfW Effizienzhaus-Standards 55, 40 und 40+ realisieren.

Text: Sonnenhaus-Institut e. V.

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