30. Aug 2016

SNBS 2.0 kann in den Stufen Platin, Gold und Silber zertifiziert werden. Bewertet werden die einzelnen Kriterien nach dem bekannten Schweizer Schulnotensystem. Damit ein Objekt zertifiziert werden kann, müssen alle Kriterien mindestens eine 4 erreichen.

SGS-Geschäftsleiterin Elvira Bieri: «Ein Gemeinschaftswerk von privater und öffentlicher Hand, das Anliegen an das nachhaltige Bauen aus unterschiedlichen Initiativen und Instrumenten konsolidiert. ©Bild: T. Rütti

Für Präsident Martin Hitz ist der SNBS «eine schweizerische Erfolgsgeschichte, die auf der Kooperation zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft und auf dem Wiederverwerten von Bewährtem beruht. . ©Bild: T. Rütti

Laut Joëlle Zimmerli, technische Projektleiterin, liegt der Mehrwert des neuen Standards vor allem darin, dass er als Projektentwicklungsinstrument die Komplexität reduziert. ©Bild: T. Rütti

Martin Meyer, Geschäftsführer Minergie, wies darauf hin, dass die eigentliche Vorstufe zum SNBS in Form des Standards Minergie-Eco bereits schon eine Kooperation zwischen seiner Organisation und dem Verein eco-bau war. ©Bild: T. Rütti

Die Sicht des Architekten auf das neue Zertifizierungssystem erläuterte Raphael Frei von pool Architekten. Er war als Vertreter des Bunds Schweizer Architekten BSA an der Überarbeitung des SNBS beteiligt. ©Bild: T. Rütti

420 Teilnehmende erfuhren, dass möglichst alle Aspekte der Nachhaltigkeit gleichermassen, gleichberechtigt und möglichst umfassend in Planung, Bau und teilweise den Betrieb einbezogen werden. ©Bild: T. Rütti

Zertifizierung: Verschlankter und vereinfachter Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz

(©TR) 2013 offiziell von Bundesrätin Doris Leuthard lanciert, drängte sich basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen eine Neugestaltung auf: Am 23. August 2016 stellte die Société Générale de Surveillance (SGS) einen wohltuend verschlankten und vereinfachten Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz vor.


Den Gästen wurden an der Lancierungsveranstaltung in Bern die Anforderungen des neuen Standards und der Zertifizierungsprozess erläutert. Der Einladung zur Lancierungsveranstaltung und Zertifikatsübergabe im Berner Grandhotel Bellevue Palace folgten rund 420 Personen – Investoren, Bauherren, Projektentwickler, Architektinnen, Fachplaner, Baubehörden, Stadt-/Raumplaner, Berater und weitere Interessierte. Die Version 2.0 des Standards sowie das ganze Zertifizierungssystem wurde im Auftrag des Bundesamts für Energie entwickelt. Die Version SNBS 2.0 soll besser denn je ermöglichen, die bauliche Qualität eines Gebäudes und dessen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung einzuschätzen sowie allfälliges Verbesserungspotenzial auszumachen.

«Twist Again»
Das erste nach SNBS 2.0 zertifizierte Gebäude der Schweiz ist das Dienstleistungsgebäude «Twist Again» im Berner Stadtteil WankdorfCity. Der fünfgeschossige, langgezogene Baukörper «zeichnet sich durch die prägnant akzentuierte Schichtung seiner transparenten Etagen aus», wie es anlässlich der Lancierungsveranstaltung hiess. Im Erdgeschoss sind Dienstleistungsflächen vorgesehen, die vier Obergeschosse bieten «bedarfsgerecht modulierbare» Büroflächen. Eigentümer: Credit Suisse Real Estate Fund Green Property.

Runder Bau erinnert an olympischen Ringe

Ein weiteres Objekte, an dem die Zertifizierung noch getestet werden soll: Der Neubau des IOC in Lausanne. Das Internationale Olympische Komitee will die Arbeitsplätze ihres Lausanner Hauptquartiers in einem Neubau am See konzentrieren. Er kommt in einen grosszügigen Park zu stehen, der für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Der runde Bau soll an die olympischen Ringe erinnern. Im Erdgeschoss werden repräsentative Räume die Besucher empfangen. Die Mitarbeitenden sollen von Gastronomie- und Fitnessangeboten profitieren können. In den Obergeschossen werdeb offene Grossraumbüros, abgeschlossene Bürozellen und Nischen vielfältige Arbeitsplätze bieten. Erörtert wurde überdies ein Ersatzneubau in Châtel-St-Denis. Eines der Objekte, an dem der SNBS 2.0 getestet wurde. Die Stärken des 7300-m2-Baus liegen unter anderem im Nutzungsmix und in der Gestaltung des Aussenraums. Das Gebäude wird mit einer Grundwasser-Wärmepumpe ausgestattet.

Neue Module von Minergie in Aussicht

Daniel Büchel vom Bundesamt für Energie, hielt sich in seiner Grussbotschaft an Dichter und Schriftsteller Christian Morgenstern: «Sag mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist». Für Daniel Büchel heisst dies, dass Nachhaltigkeit am Bau nicht bloss durch Konzepte, Vorschriften oder technische Lösungen alleine zu erreichen sei. Was es brauche, sei ein Gesinnungswandel in der Gesellschaft. Und genau dafür sei der SNBS ein gutes Beispiel: Breit abgestützt und umfassend, wie eine Sache angegangen werde. Für Martin Hitz ist der SNBS «eine typisch schweizerische Erfolgsgeschichte». Wörtlich sagte der NNBS-Präsident: «Sie beruht auf Kooperation zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft und auch auf dem Wiederverwerten von Bekanntem und Bewährtem: Das ist effizient, weil nicht alles immer neu erfunden werden muss.» Diese Steilvorlage nahm Martin Meyer gerne auf. Der Geschäftsführer Minergie wies darauf hin, dass die eigentliche Vorstufe zum SNBS in Form des Standards Minergie-Eco bereits schon eine Kooperation zwischen seiner Organisation und dem Verein eco-bau war. Wörtlich: «Nun sind die Konzepte zum ökologischen und gesunden Bauen dieser beiden Organisationen wiederum im SNBS aufgegangen. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass Bauherren, die nach Minergie-Eco bauen, bereits auch die Kriterien zu Energie, Bauökologie und Gesundheit des SNBS weitgehend erfüllen. Für die Zukunft stehen neue Module von Minergie in Aussicht, die noch besser auf den SNBS abgestimmt sein werden.»

Kriterien von 78 auf 45 reduziert
Wie der SNBS 2.0 zustande kam und wie er methodisch aufgebaut ist, erklärte Joëlle Zimmerli. Sie war als technische Projektleiterin massgebend an der Entwicklung des Zertifizierungssystems beteiligt. Der Mehrwert des neuen Standards liegt für sie vor allem darin, dass er als Projektentwicklungsinstrument die Komplexität reduziert. «Eine Voraussetzung dafür war, dass die Anzahl der Kriterien gegenüber der Vorgängerversion von 78 auf 45 reduziert werden konnte. Zudem ist der Standard darauf ausgerichtet, die relevanten Themen zum richtigen Zeitpunkt auf der geeigneten Flughöhe anzugehen. Dabei hat sich der Schwerpunkt weg von den Massnahmen, hin zu den Zielen verschoben.» Es gehe also nicht mehr darum,  ein Gebäude mithilfe von vielen einzelnen Massnahmen nachhaltiger zu machen, sondern zu fragen, was im Gebäudekontext sinnvoll und angemessen sei und dies dann auch umzusetzen. Es können also keine schlechten Bewertungen mehr mit guten kompensiert werden. Joëlle Zimmerli: «Das verhindert ein Greenwashing, wie es mit der alten Version prinzipiell noch möglich war.» Interessant zu hören war, dass die Version 2.0 gegenüber der 1.5 tendenziell zu eher besseren Bewertungen führt. Die Sicht des Architekten auf das neue Zertifizierungssystem erläuterte Raphael Frei von pool Architekten. Er war als Vertreter des Bundes Schweizer Architekten BSA an der Überarbeitung des SNBS beteiligt. Den SNBS 2.0 hält er für «ein hervorragendes Arbeitsinstrument, das den Architekten keineswegs einschränkt, wenn es darum geht, gute und kulturell wertvolle Gebäude zu bauen».

Reduzierung der Indikatoren

Der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS 2.0 gibt zwar konsequent die Ziele vor, lässt den Baubeteiligten aber gleichzeitig auch zum Teil freie Hand bei der Ausgestaltung. Der neue Standard baut auf Bestehendem auf und nimmt Bezug auf Normen und Regelwerke von SIA, Eco-bau, IFMA und weiteren Organisationen, die sich mit dem nachhaltigen Bauen befassen. «Im Vergleich zur Vorgängerversion SNBS V1.5 wurde bei der neuesten Version 2.0 die Anzahl der Indikatoren reduziert, ohne dass sie an Qualität und Aussagekraft eingebüsst hat. Das Ziel war eine einfache und schlanke Anwendbarkeit», wie Elvira Bieri, Geschäftsleiterin der Société Générale de Surveillance (SGS), erklärte.

Geforderte Vorbildfunktion erfüllen
«Wussten Sie, dass gerade für Bauherrschaften der öffentlichen Hand die Anwendung des Standard eine gute Möglichkeit darstellt, die geforderte Vorbildfunktion im nachhalten Bauen umfassend und glaubwürde zu erfüllen?» Dies fragen die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB und das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz NNBS in ihrer gemeinsamen Broschüre mit dem Titel «Empfehlung». Das Papier richtet sich an Bauherrschaften und ihre Auftragsnehmenden, insbesondere Planer. Der überarbeitete Standard soll eine integrierte Betrachtung der wichtigen Nachhaltigkeitskriterien ermöglichen, angefangen beim Standortentscheid über die Projektentwicklung bis hin zur Ausführung und zum Betrieb. Grundsätzlich schaut der SNBS «möglichst über das Gebäude hinaus und bezieht den Kontext konsequent in die Betrachtung ein». Er misst Kriterien wie «Kontext und Architektur» und «Nutzung und Raumgestaltung» zentrale Bedeutung bei. Der Standard versteht sich als ein Instrument, das den Anspruch erhebt, mit einem pragmatischen Vorgehen die Bautätigkeit und Siedlungsentwicklung in der Schweiz in die richtige Richtung zu beeinflussen.

Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gleichberechtigt
Beurteilt werden die Aspekte der Nachhaltigkeit anhand von Indikatoren. Pro Indikator ist ein Resultat zwischen 1 (nicht nachhaltig) und 6 (sehr nachhaltig) möglich, vergleichbar mit unserem Schulnotensystem. Laut besagter «Empfehlung» maximieren gute Lösungen nicht einfach nur den einzelnen Indikator, sondern tragen zu einem «stimmige Gesamtbild» bei. Bewertet werden die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt mittels den zugeordneten Indikatoren bzw. Themen. Diese drei gleichberechtigten Beurteilungen lassen sich zu einer Gesamtnote aufsummieren. Eines kann hier nicht verschwiegen werden: Nachhaltiges Bauen birgt auch Zielkonflikte und daher kommt es leicht zu Auseinandersetzungen – zu verschieden können die Aspekten und Anforderung sein, so dass es unweigerlich zu einem Abwägen und schliesslich Priorisieren kommt.

Platin, Gold und Silber
Trotz Verschlankung und Vereinfachung hat der neue Standard laut SGS-Direktorin Elvira Bieri nichts an Wirksamkeit eingebüsst: «Vielmehr sei er für die Anwender offener und wirkungsorientierter ausgestaltet worden. Bewertet werden die einzelnen Kriterien nach dem bekannten Schweizer Schulnotensystem. Damit ein Objekt zertifiziert werden kann, müssen alle Kriterien mindestens eine 4 erreichen. Ausnahmen sind nur bei Erneuerungen möglich, weil dort wegen der Qualität der bestehenden Substanz nicht immer optimale Lösungen umgesetzt werden können. SNBS 2.0 kann in den Stufen Platin, Gold und Silber zertifiziert werden. Anwendbar ist das Bewertungssystem für Neubauten und Erneuerungen der Nutzungen Wohnen und Büro oder Mischnutzungen.»

BFE tritt Rechte ans Netzwerk ab
Über allem steht das Ziel, ein handhab- und bezahlbares Instrument auf den Markt zu bringen, das hilft, die Siedlungsentwicklung künftig in die richtige Richtung zu lenken. Wer fortan nachhaltig bauen will, dem stehen der SNBS und mehrere Hilfstools weiterhin gratis zur Verfügung. Für jene, die sich ihre Leistungen im nachhaltigen Bauen von unabhängiger Seite bestätigen lassen wollen, stellt SGS ab sofort ein kostenpflichtiges Zertifizierungsverfahren zur Verfügung.  SGS mit Hauptsitz in Genf und Zweigstellen in Zürich und Locarno hat SNBS 2.0 im Auftrag des Bundesamtes für Energie BFE erarbeitet, und zwar unter der fachlichen Federführung von Zimraum Raum + Gesellschaft. Zudem hat SGS die Zertizierungsstellen aufgebaut. Der Standard Nachhaltiges Bauen, Version SNBS 2.0, basiert somit auf der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundesrats. 2018 wird das BFE die Rechte am SNBS an das Netzwerk abtreten. SGS und Minergie Schweiz haben die Zusammenarbeit in den Bereichen Prüfen-Schulung-Marketing vertraglich vereinbart.

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch/Quelle: René Mosbacher, Naska GmbH

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