Seit Anfang des Jahres fährt der erste WSW-Wasserstoffbus in Wuppertal. Neun weitere werden folgen. ©Bild: STH

Energiewende-Partnerstadt: Welche Rolle spielt Wasserstoff auf der kommunalen Ebene in Europa?

(AEE) Wasserstoff hat grosses Potenzial, zur Dekarbonisierung der Sektoren Industrie, Mobilität, Energie und Wärme beizutragen. Es gibt vielfältige Überlegungen auf europäischer, nationaler und kommunaler Ebene, wie eine zukünftige Wasserstoffwirtschaft vorangebracht werden kann. Wie bei vielen anderen Energiewende-Massnahmen spielt die lokale Ebene eine wichtige Rolle, um Innovationen mit zu entwickeln und die Akzeptanz der Bevölkerung zu motivieren. Darüber hinaus tragen eine europäische Zusammenarbeit und ein gemeinsames Lernen zum Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft bei.


Wasserstoff ist ein vielseitig einsetzbarer Energieträger und gilt insbesondere für die Anwendung in Industrie, Wärme und Mobilität als zentraler Baustein, um das Ziel eines klimaneutralen Europas zu erreichen. Dazu soll Wasserstoff langfristig auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt werden (grüner Wasserstoff), wofür die notwendige Infrastruktur etabliert werden muss. Welche Rolle spielen die Kommunen im Rahmen der deutschen und europäischen Wasserstoffstrategie? Und welche kommunalen Projekte gibt es, die den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft mitgestalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Online-Workshops, der im Rahmen des Projekts Energiewende-Partnerstadt von der Humboldt-Viadrina Governance Platform und der deutschen Agentur für Erneuerbare Energien organisiert wurde.

Erfahrungen und Fragen
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Christina Hülsken, Projektverantwortliche bei der deutschen Agentur für Erneuerbare Energien. In einer anschliessenden Vorstellungsrunde konnten die teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen Galway (Irland), Pfaffenhofen (Bayern), Steinhagen (Nordrhein-Westfalen), Kozani (Griechenland) und Marburg-Biedenkopf (Hessen) ihre Erfahrungen und Fragen in den Workshop einbringen. Während einige der Kommunen noch ganz am Anfang ihrer Überlegungen zu Wasserstoff stehen wie bspw. Kozani in Griechenland, sind andere Kommunen bereits mit Forschungs- oder Umsetzungsprojekten befasst wie Galway und Marburg-Biedenkopf.

Chancen und Herausforderungen einer Wasserwirtschaft
Der erste inhaltliche Input erfolgte durch Simon Müller, Energieexperte und Abteilungsleiter Energiesysteme bei Enertrag. Er stellte die grundlegenden Chancen und Herausforderungen einer Wasserstoffwirtschaft dar. Wasserstoff sei vielseitig einsetzbar — als Energiespeicher, in der Sektorenkopplung, als Grundstoff in chemischen und industriellen Prozessen sowie als Energieträger im Wärme- und Verkehrssektor. Bei der Herstellung von grünem Wasserstoff müsse stets auch die Effizienz mitbedacht werden, da mit Wirkungsverlusten von bis zu 70% im Vergleich zu einer direkten Nutzung von erneuerbaren Energien zu rechnen sei. Hinsichtlich des Aufbaus einer grünen Wasserstoffinfrastruktur betonte Simon Müller, dass Elektrolyseure noch sehr teuer sind und eine allein auf Überschussstrom gerichtete Investition sich nicht amortisieren könne.

Europäische Wasserstoffstrategie
Der nächste Vortrag durch Bernd Westphal, wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion fokussierte auf die Europäische Wasserstoffstrategie, in die die deutsche Wasserstoffstrategie eingebunden ist. Ziel sei, eine grüne Wasserstoffwirtschaft schrittweise aufzubauen. Dazu sei eine europäische Zusammenarbeit notwendig sowie die Nutzung des starken Offshore-Potenzials. Die Roadmap der europäischen Kommission sieht dafür vor, bis 2024 die Installation von Elektrolyseuren für die Produktion von bis zu einer Millionen Tonnen grünem Wasserstoff zu unterstützen. Zwischen 2025-2030 soll Wasserstoff zur Integration und Kopplung der Sektoren im Energiesystem etabliert werden und ab 2030 steht der Ausbau grünen Wasserstoffs auf der Agenda. Vorreiter auf europäischer Ebene sind bisher die Niederlande und Frankreich.

Rolle der Kommunen
Auf die Rolle von Kommunen im Rahmen der deutschen und europäischen Wasserstoffstrategie ging Fabian Schmitz-Grethlein, Bereichsleiter Energiesystem und Energieerzeugung beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) ein. Er stellte dazu einige kommunale Wasserstoffprojekte vor wie das Projekt ‚H2-W – Wasserstoffmobilität für Wuppertal‘, welches gemeinsam von der AWG Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH und den Wuppertaler Stadtwerken umgesetzt wird. Dabei kommen wasserstoffbetriebene Busse im öffentlichen Personennahverkehr zum Einsatz. Der dafür benötigte Wasserstoff wird durch die AWG im Müllheizkraftwerk hergestellt. Weitere Projekte sind der Energiepark Mainz und die dezentrale Power-to-Gas-Anlage der Stadtwerke Augsburg zur Versorgung einer Wohnanlage mit Strom und Wärme. Ein wichtiger Aspekt beim Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur: alle Schritte – Erzeugung, Transport und Nutzung – von Wasserstoff mitzudenken – auch in dezentralen Projekten.

Bildungskonzept für alle Altersgruppen
Der letzte Input des Workshops befasste sich mit dem HyStarter-Projekt in Marburg-Biedenkopf, welches durch den Energiecoach des Landkreises Erich Weber vorgestellt wurde. HyStarter-Projekte sind neben HyExpert und HyPerformer Teil des vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur geförderten Wettbewerbs HyLand, um den Aufbau der deutschen Wasserstoffwirtschaft lokal zu unterstützen. Im Marburger Projekt geht es neben der Weiterentwicklung möglicher Anwendungsfelder von Wasserstoff in der Region vor allem auch um die Wissensvermittlung und Bildung zum Thema, um die positive Akzeptanz in der Bevölkerung zu unterstützen. Dabei soll ein Bildungskonzept für alle Altersgruppen erstellt werden.

Projekt Energiewende-Partnerstadt
Das vom Deutschen Auswärtigen Amt geförderte Projekt Energiewende-Partnerstadt läuft seit 2018 in Kooperation zwischen der Humboldt-Viadrina Governance Platform und der Agentur für Erneuerbare Energien. Als Praxispartner unterstützen der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DGStB) die Projektaktivitäten, die durch bilaterale Workshops und multilaterale Online-Treffen sowie Auftakt- und Abschlusskonferenz den Wissens- und Technologieaustausch zwischen deutschen und europäischen Kommunen stärken möchten.

Text: Deutsche Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)

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