Die geplante Neuausrichtung prägte das erste Halbjahr 2020 bei Meyer Burger. Das Konzernergebnis sank von CHF 1.8 Mio CHF im ersten Halbjahr 2019 auf –38.6 Mio. im ersten Halbjahr 2020.

Meyer Burger: Schliesst erstes Halbjahr 2020 mit hohem Verlust ab

(PM) 2020 ist für Meyer Burger ein Jahr der Transformation. Das Unternehmen will sich vom Maschinenbauer zum Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen entwickeln und seine Produktionsmaschinen für die Heterojunction/Smart-Wire-Technologie in Zukunft nur noch exklusiv zum eigenen Gebrauch herstellen. Um die Neuausrichtung finanzieren zu können, hat die Gesellschaft eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von CHF 165 Mio. erfolgreich abgeschlossen, nachdem die Aktionäre an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 10. Juli 2020 zugestimmt hatten (siehe ee-news.ch vom 13.7.20 >>). Der Verkauf des Mikrowellen- und Plasmatechnologie-Unternehmens Muegge (siehe ee-news.ch vom 11.8.20 >>) führt zu einem Cash-Zufluss von rund CHF 24 Mio. und zu einem Buchgewinn von rund CHF 4 Mio.


Die Geschäftstätigkeit im ersten Halbjahr 2020 war belastet durch die strategische Neuausrichtung und ausserordentliche Lage mit der Covid-19 Pandemie. In diesem schwierigen Marktumfeld erzielte Meyer Burger einen Auftragseingang von CHF 32.2 Mio. (H1 2019: CHF 94.0 Mio.). Bereinigt um Devestitionen und Wechselkurseffekte sank der Bestelleingang um 60.1%. Der Auftragsbestand belief sich per 30. Juni 2020 auf CHF 76.1 Mio. (31.12.2019: CHF 105.1 Mio.).

Nettoumsatz sinkt um 52.5%
Der Nettoumsatz sank im Vergleich zur Vorjahresperiode auf CHF 51.0 Mio. (H1 2019: CHF 122.6 Mio., bereinigt um Devestitionen CHF 110.2 Mio.). Positive Währungseinflüsse machten rund CHF 2.7 Mio. aus. Bereinigt um Währungseffekte und Devestitionen lag der organische Umsatzrückgang der weitergeführten Geschäfte bei 52.5%. Der Umsatzmix nach Regionen hat sich leicht verändert, wobei Asien nach wie vor die wichtigste Absatzregion für Meyer Burger bleibt: Asien verzeichnete 66.7% der Umsätze (H1 2019: 73.2%), Europa 24.9% (H1 2019: 21.1%) und Nord- und Südamerika rund 8.4% (H1 2019: 5.7%) des Nettoumsatzes im ersten Halbjahr 2020.

Die Betriebsleistung nach Materialaufwand und Vorleistungen belief sich auf CHF 16.9 Mio. (H1 2019: CHF 89.5 Mio.) mit einer Marge von 33.1% im ersten Halbjahr 2020 (H1 2019: 73.0%). Dies beinhaltet andere betriebliche Erträge, mitunter aus betrieblichen Devestitionen, in Höhe von CHF 3.2 Mio. (H1 2019: CHF 31.2 Mio.). In der Vergleichsperiode resultierten die anderen betrieblichen Erträge insbesondere aus dem Verkauf des Wafering Geschäfts.

Sinkende Personalkosten
Auch aufgrund der Devestitionen nicht strategischer Geschäftseinheiten in der Vergangenheit, sanken die Personalkosten um CHF 25.0 Mio. bzw. 44.5% gegenüber der Vorjahresperiode auf CHF 31.1 Mio. (H1 2019: CHF 56.1 Mio.). Der sonstige Betriebsaufwand lag bei CHF 13.2 Mio. (–30.0% im Vergleich zu H1 2019).

Ebitda weit unter Vorjahreszeitraum
Resultierend aus dem schwachen Geschäftsgang lag der Ebitda unter dem Vergleichswert der Vorjahresperiode. Der Wert erreichte im ersten Halbjahr 2020 CHF –27.5 Mio. (H1 2019: CHF 14.5 Mio.). Abschreibungen und Wertberichtigung beliefen sich auf CHF 4.8 Mio. (H1 2019: CHF 8.0 Mio.). Der EBIT lag entsprechend bei CHF –32.3 Mio. (H1 2019: CHF 6.6 Mio.).

Konzernergebnis sinkt auf CHF –38.6
Das Finanzergebnis netto betrug im ersten Halbjahr 2020 CHF –4.5 Mio. (H1 2019: CHF –3.9 Mio.). Im Finanzaufwand enthalten waren Zinsaufwendungen für die Wandelanleihe von CHF –1.0 Mio. (H1 2019: CHF –1.0 Mio.). Die Bewertung von Intercompany-Darlehen an ausländische Tochtergesellschaften führte zu nicht realisierten positiven Fremdwährungseffekten von CHF 1.5 Mio. (H1 2019: CHF 2.1 Mio.). Des Weiteren waren übrige nicht realisierte Fremdwährungseffekte von CHF –4.1 Mio. (H1 2019: CHF –3.4 Mio.), Zinsen für Immobiliendarlehen und übrige Zinsen von CHF –0.3 Mio. (H1 2019: CHF –0.6 Mio.) sowie übriger Finanzaufwand von CHF –0.6 Mio. (H1 2019: CHF –1.0 Mio.) im Finanzergebnis enthalten. Das anteilige Ergebnis assoziierter Unternehmen betrug CHF –2.1 Mio. (H1 2019: CHF –0.7 Mio.). Für das erste Halbjahr 2020 fiel ein Steuerertrag von CHF 0.2 Mio. an (H1 2019: Steueraufwand von CHF 0.3 Mio.).

Meyer Burger hat somit im ersten Halbjahr 2020 ein Konzernergebnis von CHF –38.6 Mio. erwirtschaftet (H1 2019: CHF 1.8 Mio.).

Bilanz per 30. Juni 2020
Per 30. Juni 2020 lag die Bilanzsumme bei CHF 224.4 Mio. (31.12.2019: CHF 274.6 Mio.). Die flüssigen Mittel beliefen sich auf CHF 38.0 Mio.. Zusätzlich verfügt die Gruppe über CHF 20.2 Mio. Liquidität mit beschränkter Verfügbarkeit im Rahmen von Garantielinien für Kundenanzahlungen. Das verzinsliche Fremdkapital lag bei CHF 30.0 Mio., wovon CHF 26.6 Mio. der ausstehenden Wandelanleihe zuzuordnen sind. Inklusive der Liquidität mit beschränkter Verfügbarkeit belief sich die Netto-Cash-Position somit auf CHF 28.2 Mio. (31.12.2019: CHF 33.9 Mio.).

In Zusammenhang mit dem Geschäftsverlauf reduzierte sich das Nettoumlaufvermögen von CHF 79.6 Mio. per 31. Dezember 2019 auf CHF 50.1 Mio. per 30. Juni 2020, insbesondere aufgrund des geringeren Lagerbestands und der reduzierten Forderungen aus Fertigungsaufträgen und Debitoren. Das Eigenkapital betrug CHF 136.6 Mio. (31.12.2019: CHF 176.2 Mio.). Die Eigenkapitalquote per 30. Juni 2020 lag bei 60.9% (31.12.2019: 64.1%).

Cashflow
Der operative Cashflow lag bei CHF –5.7 Mio. (H1 2019: CHF –57.6 Mio.). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit lag bei CHF 8.1 Mio. und enthielt CHF 4.2 Mio. aus dem Verkauf von Geschäftsaktivitäten und CHF 6.1 Mio. aus der Rückerstattung von Bankguthaben mit beschränkter Verfügbarkeit (H1 2019: CHF 17.7 Mio.). Damit erreichte der Free Cashflow CHF 2.4 Mio. (H1 2019: CHF –39.9 Mio.). Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit lag bei CHF 0.5 Mio. (H1 2019: CHF –18.1 Mio.) und inkludierte CHF 1.0 Mio. bereits vor dem 30. Juni 2020 bezahlte Kapitalerhöhungskosten.

Ausblick
Der Start der eigenen Solarzellen- und Modulfertigungen ist für das 2. Quartal 2021 vorgesehen. Meyer Burger hat sich bereits für Standorte im «Solar Valley» in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) sowie in Freiberg (Sachsen) entschieden (siehe ee-news.ch vom 14.7.20 >>). Die Voraussetzungen an den Standorten hat ein Team aus internen und externen Produktionsspezialisten evaluiert und als sehr vorteilhaft bewertet.

In Bitterfeld-Wolfen mietet Meyer Burger Gebäude des ehemaligen Solarzellenherstellers Sovello langfristig und kostengünstig an. Es handelt sich zunächst um Flächen von 27‘000 Quadratmetern, Erweiterungsflächen können bei Bedarf zusätzlich angemietet werden. Meyer Burger will hier seine neusten Produktionsmaschinen nutzen, um Solarzellen mit der proprietären Heterojunction-Technologie herzustellen. In Freiberg sollen die Hocheffizienz-Zellen zu Smart-Wire-Modulen weiterverarbeitet werden. Die patentgeschützten Smart-Wire-Module will Meyer Burger in einer Produktionsanlage des ehemaligen Solarworld-Konzerns fertigen. Bis heute sei es die grösste und modernste Anlage ihrer Art in Europa, schreibt Meyer Burger. Auf rund 19‘000 Quadratmetern bestehen gute Voraussetzungen für die Umrüstung und Anpassung der bestehenden Infrastruktur und der hochautomatisierten Modulfertigungslinien. Die Anlage verfügt heute über eine jährliche Nominalkapazität von mehr als 600 MW, die mit neuen Technologien auf mehr als 800 MW erhöht werden kann.

Gläubigerversammlung stimmt zu
Zusätzlich erwirbt Meyer Burger am ehemaligen Solarworld-Standort Freiberg (rund 14‘000 Quadratmeter), das moderne Logistik- und Distributionszentrum, das den Aufbau einer effizienten Vertriebsstruktur infrastrukturell absichert. Die Gläubigerversammlung der Solarworld Industries GmbH stimmte dem Verkauf der Gebäude am ehemaligen Produktionsstandort von Solarworld in Freiberg (Sachsen) zu (siehe ee-news.ch vom 3.8.20 >>). Der Kaufpreis beträgt EUR 12 Mio. und beinhaltet Gebäude mit einer Gesamtfläche von 33‘000 Quadratmetern, Patente sowie Markenrechte.

Damit werden zwei der traditionsreichsten Solarstandorte Europas wiederbelebt. Bestehende Infrastrukturen und die hohe Fachkompetenz in den Regionen nutzen zu können, ist eine bewusste strategische Entscheidung, die Meyer Burger ein schnelles Hochfahren der Produktion sowie eine hohe Produktqualität ermöglichen soll. Der Bau der Fertigungslinien mit der proprietären Heterojunction/SmartWire-Technologie soll demnächst aufgenommen werden. Gleichzeitig soll die Struktur am Standort Hohenstein auf die eigenen Bedürfnisse und an das neue Geschäftsmodell angepasst werden.

Kapazitäten
Die Kapazitäten zum Produktionsstart im ersten Halbjahr 2021 werden bei jährlich 400 MW in der Solarzellenproduktion und 400 MW in der Modulproduktion liegen, so Meyer Burger. Der Verwaltungsrat rechne damit, dass die neu ausgerichtete Meyer Burger Gruppe bereits mit diesem Produktionsvolumen einen operativen Gewinn erreichen könne. Vorgesehen sei ein weiterer Ausbau bis zu 5 GW.

Text: Meyer Burger Technology AG

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