20. Aug 2019

Die neu Untersuchung ging über das Vorgängerprojekt „Marktanalyse Ökostrom“ (UBA 2014) hinaus. Die vorhandenen Daten aus dem HKN-Register wurden umfangreich ausgewertet und durch Befragungen etwa zur Preisentwicklung für Herkunftsnachweise ergänzt.

Grafik aus dem Abschlussbericht Marktanalyse Ökostrom II, Preisspannen von HKN in Deutschland und Euroap in Euro/MWh, gelb die Preisspannen von HKN in der Schweiz. Bild: Hamburger Institut für Sozialforschung

Deutschland: Nachfrage nach Ökostrom steigt – Herkunftsnachweise kommen aber vorwiegend aus dem Ausland

(BUM) Angebot und Nachfrage von Ökostrom steigen in Deutschland seit Jahren kontinuierlich, das zeigt die „Marktanalyse Ökostrom II“. Die Zahl der Ökostromprodukte ist zwischen 2013 und 2017 von 810 auf 1157 Produkte gestiegen. Knapp 80% der Stromanbieter führten 2017 mindestens ein Ökostromprodukt im Angebot. Viele deutsche Ökostromprodukte basieren jedoch nur auf ausländischen Zertifikaten und haben für die Energiewende kaum einen positiven Nutzen. 2017 wurden in Deutschland Herkunftsnachweise für eine Menge von 95.6 TWh entwertet, was ist gegenüber 2013 ein Anstieg von 22%.


Die Stromkennzeichnung müsste aber verständlicher und bekannter werden, um Wirkung zu entfalten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher hat die Zusammensetzung des Stromproduktes und dessen Preis eine gleichgewichtige Bedeutung, so die repräsentativen Ergebnisse. Label finden Beachtung und darüber hinaus scheint Regionalität beim Strombezug eine zunehmende Rolle zu spielen. Aktuell ist der Blick auf die EEG-Altanlagen und neue Anlagen ohne Förderung besonders wichtig. Die Anzahl Erzeugungsanlagen ohne eine EEG-Vergütung wird zunehmen, damit wird ein neues Potenzial für Herkunftsnachweise eröffnet.

Zukünftig könnten Herkunftsnachweise auch einen Beitrag zur Energiewende leisten
Falls Herkunftsnachweise ein hohes und stabileres Preisniveau erreichen, welches zum Beispiel im Rahmen langfristiger Lieferverträge zu einem relativ verlässlich kalkulierbaren Gewinn werden könnte, würden sich der Stellenwert der Herkunftsnachweise und deren Beitrag zur Energiewende ändern. Das Ziel einiger Ökostromsiegel, mit dem Bezug von Ökostrom die Errichtung neuer Anlagen jenseits der Förderung anzureizen, könnte sich unter diesem Gesichtspunkt in den kommenden Jahren leichter erfüllen lassen.

Der Markt für Herkunftsnachweise in Deutschland ist geprägt von stabilen Handelsbeziehungen, hinsichtlich der Preisbildung ist er jedoch unberechenbar. Nach wie vor stammen die in Deutschland entwerteten Herkunftsnachweise annähernd zur Hälfte aus Norwegen und zu über 90 Prozent aus Wasserkraft. Nur 9 Prozent der gesamten Entwertungsmenge 2017 stammen aus europäischen Anlagen ausserhalb von Deutschland, die eine Vergütung bzw. Förderung in Anspruch nehmen. Der Anteil von Herkunftsnachweisen aus Anlagen, die jünger als sechs Jahre sind, ist mit 5 Prozent gering, daher sind die Preise für Strombezug aus „Neuanlagen“ häufig deutlich höher.

Zielgruppe kleine und mittlere Unternehmen sollten als potenzielle Ökostromkunden stärker in den Blick genommen werden
Ökostrombezug von kleinen und mittleren Unternehmen könnte Wirkung entfalten, da hier grosse Mengen in Summe hinter stecken. Diese Unternehmen machen mehr als 90 Prozent des Anteils aller Unternehmen in Deutschland aus und sind somit auch für einen wesentlichen Anteil des Stromverbrauchs und der damit verbundenen CO2-Emissionen verantwortlich. Momentan beziehen nach eigener Aussage insgesamt 38 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen Ökostromprodukte. Die Stromkennzeichnung könnte bei mehr Beachtung durchaus dafür sorgen, dass der Anteil der Ökostrom beziehenden Unternehmen weiter zunimmt.

Die Studie stellt auch fest, dass auch die Auswirkungen der Geschäftstätigkeiten von Grossunternehmen auf die Umwelt für deren Stakeholder zunehmend an Bedeutung gewinnen und Ökostrombezug in Nachhaltigkeitsberichten eine wichtige Position einnimmt. Der Strombezug fliesst auch in die Berichtspflicht über nichtfinanzielle Kennzahlen ein. Bisher hat die Stromkennzeichnung hier jedoch praktisch keine Bedeutung.

Ökostromprodukte helfen der Energiewende
Ökostromprodukte spielen eine wichtige Rolle für den gesellschaftlichen Wandel im Rahmen der Umgestaltung des Energiesystems. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegt diese Rolle jedoch weitaus weniger in der Zubauwirkung auf erneuerbare Kapazitäten. Vielmehr hat der freiwillige Ökostrom-Markt gesellschaftlichen Nutzen: Verbraucherinnen und Verbraucher werden damit in die Umsetzung der Energiewende eingebunden. Ökostromprodukte verdeutlichen die Verbindung von Erzeugung und Verbrauch und tragen so zur Schärfung des Energiebewusstseins bei. Auf der individuellen Ebene gibt es verschiedene Angebotsoptionen und damit Handlungsmöglichkeiten zur Veränderung des bestehenden Energiesystems.

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Marktanalyse Ökostrom II“ stellt einen umfassenden Abriss zum deutschen Ökostrommarkt dar. Zusätzlich werden bisherige Randthemen wie die Stromkennzeichnung und ihre Wirkung beleuchtet.

Abschlussbericht Marktanalyse Ökostrom II >>

Text: Deutsches Umweltbundesamt

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