Geräte länger nutzen oder vorzeitig durch energieeffiziente Geräte ersetzen? Überblick darüber, wann sich ein Austausch aus Umweltsicht lohnt. ©Bild: Öko-Institut

Ersparnis der vorgeschlagenen Massnahmen in kWh/Jahr. ©Bild: Öko-Institut

Ersparnis der vorgeschlagenen Massenahmen in EUR/Jahr. ©Bild: Öko-Institut

Öko-Institut: Effizienz im Tagesablauf – Energie sparen konkret am Beispiel von Toni und Kim

(Öko-Institut) Von morgens bis abends gibt es Energiesparpotenziale für uns alle. Anhand des fiktiven Paares ‚Toni und Kim‘ zeigt das Öko-Institut, wie sich mit einer Änderung des Lebensstils Geld sparen und klimafreundlicher leben lässt. Prämisse: Die errechneten Sparpreise sind mit den Preisen von 37 Cent für eine Kilowattstunde Strom und 16 Cent für eine Kilowattstunde Gas entstanden.


Der Wecker klingelt, Toni steht auf, geht zum Fenster und zieht die Vorhänge zurück: Es ist Herbst und damit Heizungszeit. Also geht er in den Raum, in dem er nachher sitzen wird, und dreht die Heizung auf. Nicht wie früher auf 21, sondern nur noch auf 20 Grad – das spart 720 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/Jahr) Gas (das entspricht 115 Euro). Anschliessend geht Toni duschen. Seine Frau Kim hat die Armaturen bereits vor einigen Wochen durch einen Sparduschkopf mit Perlator ausgetauscht. Seither sparen sie 240 kWh Gas pro Jahr (das entspricht 38 Euro).

Kürzer und seltener duschen
Toni duscht auch nicht mehr täglich und immer etwas kürzer – das schont die Umwelt und den Geldbeutel: Eine Minute kürzer duschen: 180 kWh/Jahr, das entspricht 29 Euro; einen Tag in der Woche nicht duschen: 280 kWh/Jahr, das entspricht 45 Euro. Diese Einsparungen kann man allerdings nicht einfach zusammenzählen. Wer schon einen Perlator hat, spart durch das kürzere Duschen weniger ein und umgekehrt. Nach dem Abtrocknen zieht er sich warm an und kocht sich einen Tee. Statt im Topf erhitzt er das Wasser mit dem energieeffizienten Wasserkocher, den sie sich zugelegt haben (18 kWh/Jahr, 6.70 Euro).

– Heizung anmachen, ein Grad weniger spart 6 % der Heizenergie (720 kWh/Jahr, 115 Euro)
– Duschen mit Armaturen mit Perlator (240 kWh Gas pro Jahr, 38 Euro)
– Eine Minute kürzer duschen (180 kWh, 29 Euro)
– 1 Tag in der Woche nicht duschen (280 kWh/Jahr, 45 Euro)
– Tee kochen mit Wasserkocher statt auf Glaskeramik-Kochfeld (18 kWh Strom pro Jahr, 6.70 Euro)

Der Vormittag: die Wohnung fit machen fürs Energiesparen
Nach dem Frühstück geht Toni ins Wohnzimmer. Dort ist Kim dabei, zu Umwälzpumpen für Heizungsanlagen zu recherchieren. Im Laufe des nächsten Jahres möchten die beiden die Umwälzpumpe in ihrem Haus austauschen, dort ist eine Ersparnis von 200 bis 400 kWh Strom pro Jahr möglich (entspricht 75 bis 150 Euro). Ihre Heizungsanlage ist bereits mit einem hydraulischen Abgleich ausgestattet – so haben sie eine Ersparnis von 800 kWh Gas pro Jahr (entspricht 128 Euro).

Toni informiert sich in dieser Zeit über den Austausch von alten gegen neue Geräte. Einige Geräte haben sie bereits gegen neue, energieeffiziente Geräte ausgetauscht, aber Toni schaut noch einmal nach, wo es sich noch lohnt. Einen neuen Led-Fernseher mit Energieeffizienzklasse D statt des alten Plasma-Geräts würden sie sich gern kaufen. Zu gross dürfte er auch nicht sein. Das würde 100 kWh/Jahr sparen und 37 Euro. Sinnvoll ist ebenso ein effizienter Geschirrspüler mit Effizienzklasse A (90 kWh/Jahr, 33 Euro). Kleingeräte wie Fön und Staubsauger verbrauchen und sparen weniger Energie. Deswegen sind Toni und Kim mit ihren Geräten erstmal weiter zufrieden.

EU-Effizienzklassen
Die EU-Energieeffizenzklassen wurden im Jahr 2021 überarbeitet. Bei Fernsehern ist D aktuell die beste erhältliche Klasse. Bei Spülmaschinen ist A aktuell die beste erhältliche Klasse. Bei Kühl-Gefrierkombinationen ist A aktuell die beste erhältliche Klasse.

– effiziente Umwälzpumpe 200-400 kWh Strom pro Jahr / 75-150 EUR
– Optimierung Heizungsanlage mit hydraulischem Abgleich (800 kWh Gas pro Jahr, 128 Euro)
– Neuer Fernseher Klasse D (100 kWh/Jahr, 37 Euro)
– Neue Geschirrspülmaschine Klasse A (90 kWh/Jahr, 33 Euro)

Mittagessen: Weniger Energie geniessen
Für das Mittagessen will Toni etwas kochen. Dafür wirft er einen prüfenden Blick in die neue effiziente Kühlgefrierkombination, Effizienzklasse A (Ersparnis im Vergleich zum Altgerät: 100 kWh/Jahr, 37 Euro). „Das Gefrierfach müsste ich mal wieder abtauen“, denkt er (regelmässiges Abtauen: Ersparnis: 26 kWh/Jahr, 9.60 Euro). Er überlegt, ob er etwas auf dem Herd kocht oder den Backofen nutzt (kein Vorheizen und Restwärme nutzen spart 40 kWh/Jahr, 14.80 Euro; Umluft statt Ober- und Unterhitze spart 11 kWh/Jahr, 4 Euro).

Geschirrspüler mit Ökoprogramm
Wegen der vorhandenen Lebensmittel entscheidet er sich für den Herd. Für die Gemüsepfanne mit Reis macht er Deckel auf die Töpfe, nutzt die Restwärme und gart das Gemüse mit Dampf (Ersparnis: 34 kWh/Jahr, 12.60 Euro). Nach dem Essen räumt er das schmutzige Geschirr in den Geschirrspüler und schaltet ihn ein – immer nur im Ökoprogramm. Denn Toni hat ausgerechnet, dass ihnen das am meisten Ersparnis bringt (24 kWh/Jahr, 9 Euro).

– Neue Kühlgefrierkombi Energieeffizienzklasse A: 100 kWh/Jahr, 37 Euro, regelmässiges Abtauen, 26 kWh, 9,60 Euro
– Backofen kein Vorheizen und Restwärme nutzen, 40 kWh, 14.80 Euro
– Umluft statt Ober-Unterhitze 11 kWh, 4 Euro
– Herd, Töpfe mit Deckel, Restwärme, Dampfgaren 34 kWh, 12.60 Euro
– Geschirrspüler nur Ökoprogramm, 24 kWh, 9 Euro

Nachmittags wird gewaschen
Nachdem sie gemeinsam gegessen haben, geht Kim weitere Energiesparmassnahmen an: Sie rückt die Möbel weg von den Heizkörpern. Sie erinnert sich, dass sie mit Toni sprechen muss, wie sie die Isolierung zwischen Heizkörpern und Aussenwand am Samstag einbauen wollen. Ausserdem lüftet Kim über den Tag verteilt stossweise (Ersparnis 120 kWh Gas /Jahr, 25.60 Euro).

Trockner im Sommer nicht nutzen
Während Kim mit den Möbeln beschäftigt ist, fällt Tonis Blick auf den vollen Wäschekorb und er befüllt die Waschmaschine. Diese lässt er im Ecomodus mit maximal 30 Grad laufen (15 kWh/Jahr, 5.50 Euro). Einmal monatlich muss Toni die Waschmaschine allerdings mit 60 Grad durchlaufen lassen, damit sich kein Bakterienfilm bilden kann. Ihren Trockner haben die beiden den ganzen Sommer nicht genutzt (Ersparnis: 100 kWh/Jahr, 37 Euro). „Aber langsam wird es wohl wieder Zeit“, denkt Toni mit einem Blick aus dem Fenster. Er ist froh, dass sie nur bügelfreie Kleidung besitzen – auch wenn es nicht ums Energiesparen ging. Toni kann Bügeln nicht ausstehen.

– Möbel wegrücken von den Heizkörpern, Isolierung zwischen Heizkörper und Aussenwand, immer wieder Stoss lüften (120 kWh Gas /Jahr; 25.60 Euro)
– Waschmaschine Ökoprogramm mit maximal 30 Grad 15 kWh, 5.50 Euro
– Trockner nicht im Sommer nutzen 100 kWh, 37 Euro
– Nicht bügeln, 37 kWh, 13.70 Euro

Abends wird’s gemütlich
Als es dämmert, schaltet Toni das Licht ein. Toni und Kim schalten das Licht aus, wenn sie einen Raum verlassen und haben es nur dort an, wo sie es brauchen (je nach Beleuchtung bis zu 94 kWh/Jahr, 35 Euro). Obwohl Fernsehen auch viel Strom frisst, schauen Toni und Kim heute ihre Lieblingsserie (2.5 Stunden weniger TV pro Tag: 164 kWh/Jahr, 61 Euro).

Rebound-Effekt vermeiden
“Was meinst Du?“ schlägt Toni Kim vor. „Wollen wir das gesparte Geld in einen weiteren Fernseher im Schlafzimmer stecken?“. Aber Kim zieht nur die Nase kraus und schüttelt den Kopf. Toni fällt es wieder ein: Geräte gegen effizientere auszutauschen, führt oft zu Rebound-Effekten: Die Geräte sind zwar effizienter, werden aber mehr genutzt oder es werden mehr von ihnen angeschafft, zum Beispiel mehrere Led-Fernseher statt einem alten Plasmagerät. „Ok, schon gut“ sagt Toni.

Ausschalten statt Standby
Bevor sie ins Bett geht, schaltet Kim alle Geräte aus statt auf Standby. Toni meint allerdings, das lohnt nicht wirklich. Seit der EU-Ökodesign-Verordnung verbrauchen Geräte im Standby kaum noch Strom. Aber Kim nimmt es genau. Es sind immerhin 8 kWh/Jahr, 3 Euro, das ergibt schon ein kleines Bier. Den Router fürs Wlan und die Horizon-Box auszustellen, vergisst sie allerdings meistens (Ersparnis: 50 kWh/Jahr, 17.50 Euro).

– Licht ausmachen, wo es nicht gebraucht wird 94 kWh, 35 Euro
– 2.5 h weniger TV täglich (alter Plasmafernseher) 164 kWh, 61 Euro
– 2.5 h weniger TV täglich (effizienter LED-Fernseher) (75 kWh, 28 Euro)
– Standby von Geräten, 8 kWh, 3 Euro
– Wlan und Horizon Box, nachts abgeschaltet, wenn Telefon nicht darüber läuft, 50 kWh, 17.50 Euro

Die Autorinnen
Corinna Fischer ist stellvertretende Leiterin des Bereichs Produkte & Stoffströme und arbeitet zu nachhaltigem Konsum am Standort Darmstadt. Für diesen Beitrag hat sie die Einsparpotenziale recherchiert und errechnet. Die Grafik zur Warmwassereinsparung stammt aus ihrem Haushalt. Den Text hat Clara Wisotzky verfasst. Sie arbeitet in der Öffentlichkeit & Kommunikation und setzt sich viel mit einem nachhaltigeren Leben auseinander.

Text: Öko-Institut e. V.

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