Wer in einem Neubau oder bei einer Sanierung eine mechanische Lüftung einbauen lässt, profitiert von einer dauerhaft hohen Luftqualität. ©Bild: iStock

Übersicht gängiger Lüftungssysteme mit Frischluft (grün), Zuluft (rot), Abluft (gelb) und Fortluft (braun). Grafiken: Faktor Verlag

Die Konzentration von Aerosolen (rote Punkte), die eine mit dem Coronavirus infizierte Person abgibt, ist in einem Raum ohne Lüftung (links) deutlich höher als in einem Raum mit mechanischer Lüftung (rechts). Grafiken: REHVA

Der Faktor Verlag gibt im September 2021 das aktualisierte und erweiterte Planungshandbuch zur mechanischen Lüftung heraus: «Wohnungslüftung – Planung, Ausführung, Betrieb». Bild: Verlag Faktor

Überarbeitetes Planungshandbuch für Wohnungslüftung: Warum eine mechanische Lüftung so wichtig ist

(©RB) Eine frische, gesunde Raumluft ohne Schadstoffe und Krankheitserreger – das erwarten wir am Arbeitsplatz ebenso wie zu Hause. Doch nach wie vor fehlt in vielen Schweizer Gebäuden ein Lüftungssystem, das die Qualität der Raumluft sicherstellt. Das sollte sich ändern, zumal es mittlerweile für jeden Immobilientyp ein passendes System gibt. Welche das sind und wie richtig gelüftet wird, zeigt das überarbeitete und erweiterte Planungshandbuch zur mechanischen Lüftung: «Wohnungslüftung – Planung, Ausführung, Betrieb».


Das Phänomen ist wohlbekannt: Wenn man am Feierabend nach Hause kommt, wirkt die Luft dort abgestanden, obwohl tagsüber niemand zu Hause war. Oder vielleicht gerade deshalb, weil niemand zu Hause war? Tatsächlich lässt sich eine hohe Luftqualität in Innenräumen nur dann sicherstellen, wenn ein regelmässiger Luftaustausch gewährleistet ist – unabhängig davon, ob sich jemand im Raum aufhält.

Manuelles Lüften reicht nicht
Moderne Gebäude sind stark gedämmt, damit möglichst wenig Energie verloren geht. Dadurch haben sie im Vergleich zu älteren Häusern auch eine sehr dichte Hülle, die kaum mehr unkontrollierten Luftaustausch über Ritzen oder Spalten zulässt. Es ist also ein systematischer Austausch nötig, damit die Luft gut bleibt. Die klassische Methode dafür ist das Lüften von Hand über die Fenster, was aber mit einigen Nachteilen verbunden ist:

  • Rund viermal pro Tag sollte man stosslüften, um eine befriedigende Luftqualität zu erreichen. Das ist heute in vielen Haushalten nicht möglich, weil die Bewohnerinnen und Bewohner berufstätig und damit tagsüber nicht zu Hause sind.

  • Vor allem bei hoher Raumbelegung nimmt die Luftqualität rasch wieder ab, wenn man die Fenster schliesst.

  • Bei offenem Fenster gelangt Lärm von draussen in den Raum, vor allem an Standorten mit hoher Verkehrsbelastung oder anderen Lärmquellen.

  • Im Sommer strömt heisse Luft ins Gebäude, wenn man die Fenster öffnet, im Winter wird es rasch kalt. Für die Anwesenden ist dies unangenehm.

Belastung für die Gesundheit
Schlechte Luft ist indes nicht nur unangenehm, sondern kann sich auch negativ auf die Gesundheit auswirken. «Schlecht» wird Luft dann, wenn sich in ihr viele Fremdstoffe ansammeln. Einen Grossteil davon gibt der Mensch selbst ab, etwa beim Atmen oder Schwitzen. Daneben können gewisse Materialien und Einrichtungsgegenstände aber auch Schadstoffe wie Lösungsmittel abgeben. Je mehr sich solche Stoffe in der Luft anreichern, desto schlechter die Luftqualität. Die Folge: Anwesende fühlen sich müde und haben Mühe, sich zu konzentrieren. Auch ernsthafte gesundheitliche Probleme sind bei längerer Belastung möglich, besonders etwa bei Asthmatikern.

Zur Luftqualität gehört auch die Luftfeuchtigkeit. Ist sie langfristig zu hoch oder zu tief, kann dies ebenfalls negative gesundheitliche Folgen haben – nicht zuletzt dann, wenn daraus ein Schimmelbefall entsteht. Und: In der Raumluft können sich auch Krankheitserreger ansammeln, die ab einer gewissen Konzentration zu Ansteckungen führen. Dies haben uns die vergangenen Monate mit der Coronapandemie vor Augen geführt.

Eine Lösung für jedes Gebäude
In den meisten Fällen ist die einzige Lösung, um all diese Probleme zu vermeiden und eine dauerhaft hohe Luftqualität sicherzustellen, der Einbau einer mechanischen Lüftung. Sie sorgt für konstanten Luftaustausch, indem sie regelmässig frische Luft zu- und verbrauchte Luft abführt. Dafür kommen je nach Gebäude verschiedene Systeme infrage. Die wahrscheinlich bekannteste Variante ist zumindest ihm Wohnbau die klassische Komfortlüftung. Bei ihr wird die Luft in den Zimmern zu- und in den Nasszellen sowie der Küche wieder abgeführt. Sie eignet sich aber wegen der vielen erforderlichen Zu- und Abluftleitungen eher für Neubauten. Mittlerweile gibt es aber für Erneuerungen auch einfachere und kostengünstigere Systeme wie etwa die Verbundlüftung. Sie kommt wegen der einfacheren Luftführung mit deutlich weniger Rohrleitungen aus.

Wer also langfristig für gute Luft im Gebäude sorgen will, sollte sich die Installation einer mechanischen Lüftung überlegen – am besten so früh wie möglich im Projekt. Die technischen Lösungen dazu sind vorhanden und haben sich im Alltag bewährt.


Planungshandbuch Wohnungslüftung – Planung, Ausführung, Betrieb

Der Faktor Verlag gibt im September 2021 das aktualisierte und erweiterte Planungshandbuch zur mechanischen Lüftung heraus: «Wohnungslüftung – Planung, Ausführung, Betrieb». Der Autor, HSLU-Professor Heinrich Huber, hat das Standardwerk von Grund auf überarbeitet. Dabei wurden insbesondere neue Lüftungssysteme berücksichtigt, die sich in den letzten Jahren am Markt etabliert haben. Zudem sind die Inhalte dem neusten Stand bei Normen und Standards angepasst, beispielsweise der jüngst erschienenen Wohnungslüftungsnorm SIA 382/5. Die rund 160 Seiten umfassende Publikation ist Teil der Fachbuchreihe von Bund und Kantonen und eignet sich für Fachleute aus der Praxis ebenso wie für die Ausbildung.


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©Text: Remo Bürgi, Verlag Faktor

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1 Kommentare

Max Blatter

Lange war ich ein Gegner der mechanischen Lüftung in Wohngebäuden. Bis meine heutige Ex-Frau und ich eine Eigentumswohnung erwarben, perfekt gedämmt, aber ohne mechanische Lüftung.

Nach kurzer Zeit hatten wir, trotz Einhalten des empfohlenen Lüftungsverhaltens, Schimmelbildung zu beklagen. Das Hygrometer brachte Aufklärung: Das Lüften brachte die relative Feuchte nur kurzfristig auf akzeptable Werte; schon nach einer halben Stunde war sie wieder viel zu hoch.

Es endete damit, dass ich bei den Fenstern eigenhändig einen Teil der Dichtungsprofile herausriss. Nicht "im Sinne des Erfinders" und der Energieeffzienz, aber das Feuchteproblem war gelöst...

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