23. Sep 2015

Der österreichische Stromverbrauch enthielt bis zu 11 % Atomstromanteil. ©Bild: IG Windkraft

Stromkennzeichnung in Österreich: Mogelpackung „atomstromfrei“

(igwindkraft) Der heute von der E-Control veröffentlichte Stromkennzeichnungsbericht zeigt deutlich, dass Österreich seinen Stromverbrauch noch immer mit bis zu 11 % Atomstrom deckt. „Die von der E-Control verkündete Atomstromfreiheit Österreichs ist ein Märchen“, bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft.

„Solange es keine Änderungen auf europäischer Ebene gibt, sind die Herkunftsnachweise eine Mogelpackung“, fährt Moidl fort.

Wasserkraft steht drauf, Atomstrom steckt drin
Die E-Control präsentierte am 21. September den Stromkennzeichnungsbericht. Zwar gibt es seit diesem Jahr die vollständige Kennzeichnungspflicht des in Österreich verbrauchten Stromes. „Was beim schnellen Hinschauen sehr fortschrittlich erscheint, ist bei genauerer Betrachtung eine richtige Mogelpackung“, bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. Gemäss dem Stromkennzeichnungsbericht der E-Control stammten im Jahr 2014 30.9 % der Stromkennzeichnungszertifikate aus dem Ausland. Laut E-Control handelt es sich hierbei zum Grossteil um schwedische und norwegische Wasserkraftzertifikate. Die Stromzertifikate sind in der Europäischen Union getrennt vom Stromverkauf handelbar. Dadurch ist es auch möglich, saubere Wasserkraftzertifikate zu kaufen und auf dreckigen Atomstrom zu kleben und somit den Strom „grün zu waschen“. „Es steht zwar Wasserkraft drauf, drinnen kann aber Kohle- und Atomstrom stecken“, so Moidl und ergänzt: „So ist unser Nachbarland Tschechien im Bericht gar nicht zu finden, obwohl es jenes Land ist, aus dem wir am meisten Strom importieren.“

Bis zu 11 % Atomstrom in österreichischen Stromnetzen
Geht man davon aus, dass bei 30.9 % der ausländischen Wasserkraftzertifikate nur Kohle- und Atomstrom versteckt wurde, und rechnet man mit einem durchschnittlichen Atomstromanteil in Europa (ohne erneuerbare Energien) von 37.5 %, enthielt der österreichische Stromverbrauch bis zu 11 % Atomstromanteil. „Solange die Pflicht zur vollständigen Kennzeichnung für Strom nicht in ganz Europa eingeführt ist, führt die österreichische Stromkennzeichnung leider zu einer Mogelpackung“, bemerkt Moidl und ergänzt: „Wo sind die Initiativen der E-Control, diese Kennzeichnung auch in anderen europäischen Ländern umzusetzen? Es wäre ein Leichtes, dies in höchsten europäischen Gremien zu vertreten und offensiv einzufordern.“

CO2-Emissionen real gestiegen
Die E-Control rechnet mit den Herkunftsnachweisen geringere CO2-Emissionen aus. „Dies hat aber mit den tatsächlichen CO2-Emissionen nicht viel zu tun“, bemerkt Moidl und setzt fort: „Wenn in der Realität mehr Strom aus Tschechien und Deutschland, also Ländern mit einem sehr hohen Kohle- und Atomstromanteil, nach Österreich importiert wird, glaubt wohl niemand, dass sich dann die Umweltbilanz verbessert.“

Ausbau der Erneuerbaren Gebot der Stunde
Um den Atomstrom aus Österreich wirklich zu verdrängen, muss daher der Ausbau der erneuerbaren Energien mit erhöhtem Tempo fortgesetzt werden. „Leider haben sich die Rahmenbedingungen für Ökostromanlagen extrem verschlechtert, wodurch wir derzeit eher auf einen Stillstand des Ausbaus erneuerbarer Energien zusteuern“, erklärt Moidl und ergänzt abschliessend: „Hier hat die Politik einen klaren Auftrag, sichere und stabile Rahmenbedingungen wieder herzustellen.“

Stromkennzeichnungsbericht 2015 für Österreocj >>

Text: Interessengemeinschaft Windkraft Österreich (IG Windkraft)

1 Kommentare
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Simon Bieri @ 25. Sep 2015 08:34

Elektrizität ist ein sekundärer Energieträger, und jedes Elektron ist physikalisch identisch, weshalb der Nachweis seiner Herkunft nur über ein von der physikalischen Energie losgeslösten System abgebildet werden kann.

Stromattribute (Energiequelle) auf Basis von Stromflüssen zu schätzen, ist höchst ungenau und spekulativ. Da ist das Werkzeug des Herkunftsnachweises (HKN) deutlich zuverlässiger. Österreich und die Schweiz bilden im Bereich der Stromkennzeichnung/HKN die europäische Spitze. Die hier geäusserte Kritik sollte sich deshalb nicht gegen die E-Control/Österreich richten, sondern gegen die Länder, welche die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien nicht oder nur sehr langsam umsetzen. Dazu gehört auch Tschechien, wo jüngst (immerhin) ein nationales HKN-System einführt wurde, die nationale Gesetzgebung zur Stromkennzeichnung aber immer noch auf sich wartet.

Das ideale System besteht darin, dass alle ENTSO-E Länder ihre Stromproduktion in einem international harmonisierten HKN-System erfassen und jeder Stromversorger kundenspezifisch die Stromattribute (Qualitäten) nur noch mit einem HKN belegen darf.

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