Neugikeiten aus Fukushima. ©Bild: SES

Fukushima: Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen

(©SES Newsletter) Ende August hat die Abteilung für Gesundheitstests der Präfektur Fukushima die neuesten Ergebnisse der Schilddrüsenuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen bekanntgegeben. Bis Ende Juni sind 300‘000 von insgesamt 370‘000 betroffenen jungen Menschen untersucht worden. Davon sind 57 an Schilddrüsenkrebs erkrankt, bei 46 besteht Verdacht.


Die japanische Regierung hat im August in allen grossen Zeitungen unter dem Titel «Richtige Informationen über Strahlung» Inserate geschaltet. Darin werden offensichtlich einseitige, verharmlosende Meinungen verbreitet – etwa: «Auch bei 100 Millisievert pro Jahr werden die Krebsfälle nicht zunehmen» oder «Eine Strahlung von 100-200 Millisievert pro Jahr erzeugt etwa dieselbe Krebsrate wie eine Ernährung mit zu wenig Gemüse.» Mit Tricks versucht das japanische Umweltministerium die Kosten für die Dekontamination der verstrahlten Gebiete zu senken – leidtragend ist die Bevölkerung. Der finanzielle Aufwand für die staatliche Dekontaminierungsarbeit ist für 2015 mit 300 Milliarden Yen (rund 2.6 Milliarden Franken) budgetiert.

Japan ein Jahr ohne Atomstrom - Strom von 13 AKW eingespart
Am 15. September jährte sich die vollständig atomstromlose Zeit Japans. Seit diesem Tag vor einem Jahr sind sämtliche 48 Reaktoren ausser Betrieb. 46 davon wurden sogar schon vor mehr als zwei Jahren abgeschaltet. Vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima-Daiichi am 11. März 2011 erzeugten 54 Reaktoren jährlich etwa 280 TWh Strom, rund 30 % des Gesamtverbrauchs Japans. Trotzdem gab es in diesem Jahr keinerlei Engpässe in der Stromversorgung des Landes.

Nach aktuellen Berechnungen von Greenpeace Japan hat das Land diese «Lücke» vor allem mit Energiesparen und Gaskraftwerken ausgefüllt. Der Beitrag des Energiesparens betrug 2013 bereits 78.9 TWh, was der Produktion von 13 AKW und dem Verbrauch von 22 Millionen Haushalten entspricht. Dank dem intelligenten Umgang mit Energie konnten die Kosten für fossile Stromerzeugung um 1700 Miliiarden Yen (rund 14 Milliarden Franken) gesenkt werden.

Gleichzeitig wächst die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien rasant, vor allem dank der im Juli 2012 eingeführten Einspeisevergütung. 2013 entsprach die Stromerzeugung aus neuen Erneuerbaren bereits jener von rund drei Atomreaktoren und damit dem Verbrauch von etwa fünf Millionen Haushalten. Es werden nicht nur grosse Solarparks, sondern auch immer mehr kleine Hausdachanlagen installiert. Innert zwei Jahren wurden 530‘000 solcher Kleinanlagen gebaut.

Quelle: Greenpeace Japan



Wiederinbetriebnahmen erst ab 2015?
Zur Zeit sind Gesuche für die Wiederinbetriebnahme von 20 Reaktoren beim japanischen Sicherheitsamt NRA hängig. Zwei Reaktoren von Kiushu Electricity haben als erste die Sicherheitstests im Juli bestanden. Nun braucht der Betreiber Kiushu Electricity aber noch die Zusage der Standortgemeinde und muss darüber hinaus noch eine Reihe von Formalitäten erledigen. Die Wiederinbetriebnahme dürfte erst 2015 erfolgen.

Quelle: Mainichi Shinbun


 

Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen
Ende August hat die Abteilung für Gesundheitstests der Präfektur Fukushima die neuesten Ergebnisse der Schilddrüsenuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen bekanntgegeben. Bis Ende Juni sind 300‘000 von insgesamt 370‘000 betroffenen jungen Menschen untersucht worden. Davon sind 57 an Schilddrüsenkrebs erkrankt, bei 46 besteht Verdacht.
Die japanische Regierung hat im August in allen grossen Zeitungen unter dem Titel «Richtige Informationen über Strahlung» Inserate geschaltet. Darin werden offensichtlich einseitige, verharmlosende Meinungen verbreitet – etwa: «Auch bei 100 Millisievert pro Jahr werden die Krebsfälle nicht zunehmen» oder «Eine Strahlung von 100-200 Millisievert pro Jahr erzeugt etwa dieselbe Krebsrate wie eine Ernährung mit zu wenig Gemüse.»
Mit Tricks versucht das japanische Umweltministerium die Kosten für die Dekontamination der verstrahlten Gebiete zu senken – leidtragend ist die Bevölkerung. Der finanzielle Aufwand für die staatliche Dekontaminierungsarbeit ist für 2015 mit 300 Milliarden Yen (rund 2.6 Milliarden Franken) budgetiert.

Quelle: Präfektur Fukushima, www.gov-online.go.jp, Kahoku Zeitung, 47 news



Probleme zuhauf in Fukushima-Daiichi
Noch immer wächst die Mengen radioaktiv verseuchten Wassers weiter. Der Versuch, im Boden um die Reaktoren eine gefrorene Erdmauer zu errichten, um den Grundwasserstrom zu stoppen, war bisher nicht erfolgreich.
Das japanische Amt für Energie plant den Bau der weiteren Wassertanks mit einem Fassungsvermögen von 100‘000 Tonnen (insgesamt 1 Million Tonnen). Nach Angabe von Tepco ist während der letzten 10 Monate (August 2013 bis Mai 2014) Strahlung von 2000 Milliarden Becquerel zusammen mit dem verseuchten Wasser ins Meer geflossen.
Im Herbst 2013 wurde in Reis von der Gemeinde Minamisoma – 20 Kilometer von Fukushima-Daiichi entfernt – über 100 Becquerel Cäsium gemessen. Erst in diesem Sommer wurde die vermutliche Ursache für die erhöhte Strahlung festgestellt: radioaktiver Staub von den Aufräumarbeiten im Reaktor 3. Tepco gibt jetzt zu, dass bei diesen Arbeiten im Sommer 2013 280 Milliarden Becquerel pro Stunde entwichen seien. Die betroffene Bevölkerung wurde damals nicht informiert. Der Staub hat bis zu 50 Kilometer entfernte Gebiete erreicht.
Demnächst sollen die Trümmerteile von Reaktor 1 entfernt werden. Eine weitere Verbreitung radioaktiven Staubs wird befürchtet.
Ende August wurde in Fischen aus zwei Seen in der Präfektur Gumma radioaktive Strahlung über dem Grenzwert festgestellt. Die Seen liegen mehr als 200 Kilometer von Fukushima-Daiichi entfernt.

Quelle: CNIC, Tokyo-Shinbun



SES Newsletter Nr. 89 >>

©Text: von Kaori Takigawa-Wassmann im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung, Quelle: CNIC, Tokyo-Shinbun, Schweizerische Energie-Stiftung (SES)

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