29. Okt 2013

Dr. Reto Knutti, Professor für Klimaphysik am Institut für Atmosphäre und Klima (IAC) der ETH Zürich. ©Bild: Jürg Wellstein

ETH Zürich: „Das Ausmass der Erwärmung bestimmen wir!“

(PM) Die von Prof. Dr. Reto Knutti geleitete Forschungsgruppe für Klimaphysik an der ETH Zürich konzentriert sich auf das Modellieren des Klimasystems und auf die Berechnung der weltweiten Klimaveränderungen für verschiedene Szenarien der gesellschaftlichen Entwicklung.


Am Herbstseminar vom 21. November 2013 in Bern – der Auftaktveranstaltung der BauHolzEnergie-Messe – wird Reto Knutti das Thema „Der Klimawandel als Treiber der Energiewende“ behandeln und dabei aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen. Damit betont er einen wesentlichen Treiber für die Neuausrichtung der Energiesysteme.


Interview mit Dr. Reto Knutti, Professor für Klimaphysik am Institut für Atmosphäre und Klima (IAC) der ETH Zürich:

Sie leiten die Forschungsgruppe der Klimaphysiker, die sich mit Modellierungen des globalen Klimasystems befasst. In welche Richtung geht das weltweite Klima in der Zukunft?
Reto Knutti: Die Welt wird sich weiter erwärmen, und als Folgen davon steigt der Meeresspiegel, ändert sich der Wasserkreislauf, schmelzen Gletscher, Meereseis und Eisschilder, und ändern die Häufigkeiten von extremen Wetterereignissen. Die meisten der in den Modellen vorausgesagten Veränderungen sind heute schon erkennbar, aber werden sich massiv verstärken. Wie stark, das hängt von unseren Entscheidungen ab.

Mit welchen Veränderungen werden wir in der Schweiz konfrontiert?

Mit insgesamt wärmeren Temperaturen, mehr Hitzetagen und weniger Frost, weniger Regen im Sommer, schmelzenden Gletschern werden wir hier rechnen müssen. Dies hat Auswirkungen auf alle möglichen Sektoren: Gesundheit, Tourismus, Infrastruktur, Landwirtschaft und Energie. Nicht alle sind zwar negativ: Wer gerne warme Sommer hat, wird sich freuen. Aber die Auswirkungen für eine hohe Erwärmung wird für die meisten ein Problem sein.

Eingeschlossene Luftbläschen im arktischen Eis, alte Meeressedimente und die Jahresringe von Bäumen geben Hinweise auf die vergangenen klimatischen Entwicklungen. Sind die heutigen Veränderungen grösser als früher
Das Klima hat sich immer verändert, aber die heutigen Veränderungen sind aussergewöhnlich hoch im historischen Kontext, extrem schnell, und haben andere Ursachen. Die Konzentrationen der Treibhausgase sind heute höher als je in den vergangenen 850’000 Jahren. Die vorausgesagte Erwärmung von bis zu 5 °C entspricht dem Unterschied zwischen der letzten Eiszeit vor 25’000 Jahren und heute. Nur dass wir das in gut 100 Jahren erleben, was damals Jahrtausende gedauert hat.

Lange Zeit konnten die Klimaforscher den Einfluss der Menschen auf die beobachteten Veränderungen des Weltklimas nicht bestätigen. Heute fällt ihnen dies leichter. Weshalb?
Während früher jemand zweimal täglich an wenigen Orten ein Quecksilber-Thermometer abgelesen hat, messen heute präzise Instrumente an Tausenden von Stationen. Satelliten vermessen die Atmosphäre, Bojen die Ozeane. Dank längeren, genaueren Messreihen, kombiniert mit vollständigeren Computermodellen und einem besseren Verständnis der Prozesse sind wir heute über 90 % sicher, dass der Mensch die Erwärmung zum grössten Teil verursacht.

Als Gradmesser für die Beeinflussung des Klimas dient der Anteil des Kohlendioxid in der Luft (CO2-Emission). Andere klimaschädliche Gase sind zwar bekannt, werden aber weniger dramatisch kommuniziert. Welche Bedeutung hat diese Klassifizierung?
Von allen Gasen verursacht Kohlendioxid (CO2) den grössten Teil der Erwärmung, und wird dies auch in Zukunft tun. Zudem bleibt es viel länger in der Atmosphäre als z.B. Methan oder Lachgas (N2O). Einmal verursacht, sind die Auswirkungen als Folge des CO2 praktisch nicht mehr rückgängig zu machen, und darum sollten wir CO2 mit höchster Priorität reduzieren.

Die Botschaft ist vertraut: Es kommt auf jeden Einzelnen an, der seinen CO2-Ausstoss vermindert. Gleichzeitig stossen die bevölkerungsstarken Länder gewaltige Emissionen in die Atmosphäre. Was sagen Sie da einem Skeptiker?
Natürlich verursachen grosse Länder wie China auch hohe Emissionen, und alle müssen mithelfen. Aber der Ausstoss pro Kopf ist in den Industriestaaten immer noch besonders gross. Somit haben wir eine besondere Verantwortung, den ersten Schritt zu machen. Wir haben zudem viel Know-how, finanzielle Möglichkeiten und ein stabiles politisches System. Damit ist vieles möglich, was in Schwellenländern im Moment undenkbar ist, weil sie zu viele andere Probleme und damit Prioritäten haben.

Die Schweiz besitzt zahlreiche Möglichkeiten, ihre Cleantech-Entwicklungen auch weltweit so einzusetzen, dass damit ein wesentlicher Beitrag zur Schonung der Luft und damit des Klimas erreicht werden kann. Sollten wir dort vermehrt investieren?
Es ist nicht Aufgabe des Klimaforschers zu entscheiden, was die Politik und Wirtschaft tun soll. Aber aus meiner Sicht ist es klar, dass wir das Problem lösen müssen. Die Frage ist nur, wie lange wir zuwarten. Wenn das so ist, dann mag abwarten im Moment günstiger sein. Aber wer heute eine Vorreiterrolle übernimmt – sowohl in Politik als auch Technologie – hilft nicht nur anderen, sondern wird später auch selber Vorteile haben.

Text: Jürg Wellstein, energie-cluter.ch Newsletter

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