13. Mai 2013

Felix Strässle ist überzeugt: „Das ‚Hybridwerk‘ wird wertvolle Impulse und Erfahrungswerte für technologische Entwicklungen und für den Aufbau neuer Geschäftsmodelle liefern.“ ©Bild: Anita Niederhäusern

Funktionsschema des „Hybridkraftwerks“ von Regio Energie Solothurn…

…die Entsprechende Zeichnung, die Direktor Felix Strässler anlässlich der Präsentation gemacht hat. ©Bild: Anita Niederhäusern

Vorhandene Netzinfrastruktur auf dem Areal Aarmatt. Foto: Regio Energie Solothurn

Regio Energie Solothurn: Strom- Gas und Wärmenetz verknüpfen

(©AN) „Die Energiewende stellt neue Anforderungen an die Stadtwerke von der Energieproduktion über die Verteilung und Speicherungbis hin zur Nachfragesteuerung. Mit unserem ‚Hybridwerk‘, dass das Strom-, Wärme und Gasnetz verbindet, antworten wir auf diese Herausforderung“, erklärte FelixSträssle, Direktor von Regio Energie Solothurn am 7. Mai anlässlich der Präsentation des neuen Vorhabens.


„Ausschlaggebend für die Entwicklung unseres Projekts war, dass wir für den sicheren Betrieb unseres Nahwärmenetzes, das mit Abwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage gespiesen wird, eine mit Gas betriebene, wärmegeführtes sechs Megawatt-Wärme-Kraft-Kopplungsanlage planten. Diese sollte aber nur im Falle eines Betriebsausfalls der KVA zum Einsatz kommen. Mir war sofort klar, dass diese Investition noch für andere Zwecke genutzt werden müsste, um wirtschaftlich zu sein“, führte Felix Strässler aus.

Hier kommt die Stärke der Stadtwerke zum Zuge: In Solothurn sind sie Besitzerin von des Stromnetzes, des Gasnetzes sowie des Wärmeverbunds, der zügig ausgebaut wird. Diese Ausgangslage ist optimal, denn für gute neue Lösungen ist das Zusammenspiel zwischen Energieträger und Infrastrukturen matchentscheidend. „Enormes Potenzial für den Transport und die Speicherung grosser Energiemengen schlummert beispielsweise im Erdgasnetz“, erinnerte der Direktor von Regio Energie Solothurn. Dabei ginge es ihm nicht nur um die Frage, ob Gaskraftwerke zur Brückentechnologie taugten.


Power to Gas
„Vielversprechend ist das so genannte Power-to-Gas-Verfahren: Statt Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke bei einem Stromüberangebot vom Netz zu nehmen, werden in einem zweistufigen chemischen Prozess Wasser und CO2 in synthetisches Erdgas umgewandelt. So wird Strom im Gasnetz speicherbar und als Brenn- oder Treibstoff nutzbar, da setzen wir als Stadtwerk an“, führt Felix Strässer aus. Auch eine Rückverstromung sei möglich und in bestimmten Fällen sinnvoll. So sieht das neue Hybridwerk von Solothurn, das in mehreren Etappen realisiert werden wird und dessen beide ersten Ausbaustufen bereits Ende 2014 im Betrieb sein werden, eine Verbindung von Strom-, Wärme- und Gasnetz, Wasserstoffspeichern sowie einen Wärmespeicher vor. Optional könnten in einer dritten Etappe die alten Erdgasspeicher zu Druckluftspeichern ausgebaut werden und eine Methanisierungsanlage bebaut werden.

Schrittweise Umsetzung

Auch geografisch verfügt das Projekt über einen grossen Trumpf: Auf dem Gebiet der Aarmatt kommen die drei Energienetze – Strom, Gas und Fernwärme – am gleichen Ort zusammen. Gestartet wird mit der Erstellung eines wärmegeführten 6 MW-Wärme-Kraft-Koppelungsanlage inklusive Wärmespeicher. Der Verwaltungsrat hat dafür eine erste Finanzierung in der Höhe von 4.3 Mio. Franken gut geheissen. Später folgt ein erstes von drei geplanten, stromgeführten 1 MW-Blockheizkraftwerk (BHKW).

Geplant ist ebenfalls, den überschüssigen erneuerbare Strom, der insbesondere mit dem geplanten Ausbau der Photovoltaik zur Mittagszeit verstärkt anfallen wird, mittels eines Elektrolyseurs zu Wasserstoff zuverarbeitet, der sich wiederum ins Gasnetz einspeisen lässt. Die Leistung der später folgenden BKHW kann den zukünftigen Bedürfnissen angepasst werden. Das Projekt ist von Beginn an modular aufgebaut und bietet Platz für weitere Technologien, die sich je nach Entwicklungsstand im kleineren oder grösseren Massstab integrieren lassen (Druckluftspeicher, Methanisierung, Batteriespeicher). „Wir gehen zum Beispiel davon aus, dass es bald mehr Photovoltaikanlagen geben wird“, erklärt Felix Strässler, „Wir als Stadtwerk müssen in der Lage sein, den Stromüberschuss, der so entstehen könnte, sinnvoll zu verwerten, was wir dank dem Elektrolyseur der bereits in der ersten Bauetappe gebaut wird, in der Lage sein werden.“ Diesem nachgelagert ist ein Wasserstoffspeicher geplant. „Ob wir dem BHKW Wasserstoff zuführen oder aber diesen ins Gasnetz abgeben, das wird die Praxis zeigen. Wichtig ist aber, dass wir fortan Strom und Wärme dank neuer Technologien flexibler dort einsetzen können, wo es am effizientesten und am sinnvollsten ist“, fügt der Energiefachmann an.

Eigene Speicher nutzen

„Wesentlich ist, dass wir unseren Strom- und Wärmebedarf in Zukunft einerseits sehr präzise hervorsagen können und dass wir, falls es Abweichungen gibt, diese aus den eigenen Energiespeichern, sei es vom Gasnetz, aus dem Wasserstoffspeicher oder aus dem Druckluftspeicher selber abrufen können“, unterstreicht Direktor Felix Strässler. Die neue Energieanlage auf der Aarmatt sei deshalb mehr als nur eine Investition in die Zukunft. Es sei für Regio Energie Solothurn eine handfeste Absichtserklärung, die Energiewende aktiv mitgestalten zu wollen. Felix Strässler ist überzeugt: „Das ‚Hybridwerk‘ wird wertvolle Impulse und Erfahrungswerte für technologische Entwicklungen und für den Aufbau neuer Geschäftsmodelle liefern. Mit diesen Schritten festigen wir die Position als eines der führenden Energieversorgungsunternehmen nahe beim Endkunden und erhalten Arbeitsplätze. Die Energiewende ist mit diesem innovativen Projekt definitiv in Solothurn angekommen.“

©Text: Anita Niederhäusern, Redaktorin ee-new.ch

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