Viviana Buchmann: "Wenn es gelingt, im Bereich der Hybriden und Range-Extender Übergangsprodukte zu entwickeln, welche auch grössere Distanzen allein mit elektrischem Antrieb meistern, dann wird das dem Durchbruch der Elektromobilität den Weg ebnen."

Viviana Buchman: «Elektromobilität kann ein Teil der Kette sein»

(CD) TA-SWiSS im Gespräch mit Viviana Buchmann, die seit September 2008 Geschäftsführerin der Mobility Genossenschaft, dem zweitgrössten Carsharing-Anbieter weltweit, ist. Mobility hat seit Ende 2011 Elektroautos im Carsharing im Angebot


TA-SWISS: Seit September 2011 bietet Mobility Elektroautos im Carsharing- Betrieb an. Warum?
Viviana Buchmann: Nachhaltigkeit ist für Mobility ein wichtiges Thema. Die Genossenschaft bezweckt durch gemeinsame Selbsthilfe, den energie-, rohstoff- und umweltschonenden Einsatz von Betriebsmitteln aller Art. Innovative Konzepte interessieren uns deshalb. Und die Elektromobilität als neue und zukunftsträchtige Antriebsform, die langsam aus ihrem Nischendasein herauskommt und sich der Serienreife nähert, geht genau in diese Richtung. Aber noch fehlt Praxiserfahrung, noch ist wenig über die Akzeptanz in der Bevölkerung bekannt. Um hier aus erster Hand Informationen sammeln zu können, hat Mobility als grosser Flottenbetreiber gemeinsam mit m-way, der SBB und Siemens ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt.

Wie sind die ersten Erfahrungen?
Nach so wenigen Monaten ist es natürlich schwierig, verbindliche Aussagen zu machen. Sicher lässt sich bereits sagen, dass das Angebot genutzt wird. Die erwarteten Berührungsängste sind ausgeblieben – vor dem «Betanken» beispielsweise, oder davor, dass man mit dem Elektroauto stehen bleiben könnte, weil die Batterie leer ist. Wir sehen zudem, dass sich unsere Kunden sehr gut über Elektromobilität informieren und sich vor dem Gebrauch genau mit den Eigenschaften und Eigenheiten der Elektroautos auseinandersetzen.



Gibt es bei den eingesetzten Autos Verbesserungpotenzial?
Sicher muss an der Reichweite gearbeitet werden, auch wenn wir wissen, dass diese für die durchschnittliche Carsharing-Fahrt meist reichen würde. Und wenn wir Elektroautosflächendeckend einsetzen wollen, dann ist die Ladeinfrastruktur zu verbessern. Dieser Entscheid wird gefällt werden müssen, wenn die Schweiz sich dafür entscheidet, auf diese Technologie für die Zukunft zu setzen. Die Fahrzeuge selber bewähren sich bis jetzt gut. Ich persönlich hatte am Anfang Bedenken, weil man sie kaum hört – Stichwort Fussgängerstreifen oder Kinder im Strassenverkehr. Aber bisher haben wir diesbezüglich keine negativen Rückmeldungen bekommen.

Woher kommt der Strom?
Wir verwenden zu 100 Prozent Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen. Mit einem «naturemade star»-Zertifikat wird sichergestellt, dass der Strom aus Schweizer Wasserkraft stammt. Und auf Wunsch der Kunden prüfen wir nun auch, ob wir unser Pilotprojekt ausschliesslich mit zusätzlich geschaffener Energie, zum Beispiel Sonnenenergie, betreiben könnten.

Sehen Sie die Elektromobilität als Alternative oder als Ergänzung zum Verbrennungsmotor?
Wenn es gelingt, im Bereich der Hybriden und Range-Extender Übergangsprodukte zu entwickeln, welche auch grössere Distanzen allein mit elektrischem Antrieb meistern, dann wird das dem Durchbruch der Elektromobilität den Weg ebnen. Parallel dazu muss das Ladenetz ausgebaut werden und wir müssen uns darauf verlassen können, dass die Batterien umweltverträglich sind. Hier fehlen uns die nötigen Informationen heute noch: Es gibt in Bezug auf Elektromobilität kaum Studien im Bereich der Nachhaltigkeit oder der grauen Energie. Aber wenn die Entwicklung in diese Richtung geht, dann sehe ich, wenn nicht in naher, so doch in mittlerer Zukunft, eine grosse Chance für die Elektromobilität.

Kritiker sprechen von einem Plazebo im Kampf gegen den Klimawandel...
Auch ich bin klar der Meinung, dass in Bezug auf unser Mobilitätsverhalten ein Umdenken nötig ist. Wir können die Verbrennungsmotoren nicht eins zu eins durch Elektromotoren ersetzen und ansonsten alles beim Alten lassen, bis der Verkehr, gerade in den urbanen Zentren, ein solches Ausmass annimmt, dass es nur noch Stau gibt und der Verkehrskollaps unausweichlich wird. Mobility arbeitet genau in diese Richtung: Wir bieten alternative Mobilitätsmodelle. Im Jahr 2010 haben wir mit unserem System die Anzahl der immatrikulierten Fahrzeuge des Kantons Uri von der Strasse geholt. Ich glaube aber, dass ein Umdenken nur dann gelingt, wenn die ganze Transportkette vernetzt wird. Elektromobilität kann ein Teil dieser Kette sein und zum Beispiel dabei helfen, eine Reduktion des CO2-Ausstosses zu bewirken. Aber dazu müssen wir, wie gesagt, zuerst einmal wissen, welches die genauen Auswirkungen der Elektromobilität wirklich sind.

Interview: Christine D'Anna-Huber, Quelle: Newsletter 1/2012 TA-SWISS, Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung

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