Der Vorsitzende der neuen Task Force Wald + Holz + Energie: Nationalrat Jean-François Rime sowie Peter Müller, Präsident Holzenergie Schweiz. Bilder: TR

An der Medienkonferenz: Bruno Jordi, Geschäftsleitungsmitglied AEK Energie AG und Hans-Peter Aregger, Geschäftsleitungsmitglied Perlen Papier AG.

Standen auch Red und Antwort: Beat Isenegger, Kronospan Schweiz AG und Ernest Schilliger, Verwaltungsratspräsident Schilliger Holz AG.

Bern: Für stärkere Holznutzung im Schweizer Wald

(©TR) Die Rohholzverbraucher in der Schweiz befürchten eine Verknappung des Rohstoffs. In einer neu gebildeten Task Force vereint, setzen sie sich fürs Holz und gegen politische Rahmenbedingungen ein, die ihrer Meinung nach einer nachhaltigen Nutzung des Waldes zuwiderlaufen.


Zurzeit widerspricht die massive Übergewichtung der Naturschutzfunktion des Waldes zu Lasten der Holznutzung den Bedürfnissen der Rohholzverbraucher sowie den ökologischen Erfordernissen. Davon überzeugt ist man jedenfalls bei der neuen Task Force Wald + Holz + Energie Task Force (TF WHE) unter dem Vorsitz von Nationalrat Jean‐François Rime, Präsident von Holzindustrie Schweiz in Bern, bei welcher die Task Force domiziliert ist.

Rundholzangebot auf tiefem Niveau

Das Rundholzangebot ist in der Schweiz laut TF WHE auf ein tiefes Niveau gesunken, insbesondere bei der Fichte. Massgebend hierfür verantwortlich seien sowohl die Ernteintensität, als auch die schwindenden bewirtschafteten Waldflächen: In keinem anderen Land würden Reservate, Sonderwaldstandorte und Laubholz derart zu Ungunsten des nachgefragten Nadelholzes gefördert. Jean-François Rime: «Der Wald produziert mehr als nur Holz – er erbringt auch für die gesamte Bevölkerung weitere wichtige Leistungen wie Schutz, Naturschutz und Erholung. Zurzeit widerspricht jedoch die massive Übergewichtung der Naturschutz‐Funktion des Waldes zu Lasten der Holznutzung den Bedürfnissen der Rohholzverbraucher sowie den ökologischen Erfordernissen.»

Beweggründe der Task Force
Rohholzverbraucher kämpfen laut Task Force gegen Rohstoffknappheit angesichts folgender Problemstellungen:

  • Nach wie vor wird das Holznutzungspotenzial des Schweizer Waldes nicht ausgeschöpft.
  • Angesichts der grossen Holzvorräte kann während Jahren mehr Holz genutzt werden, als nachwächst.
  • Gesamtschweizerisch sind die Erntemengen trotz gestiegener Preise rückläufig.
  • Ohne ökonomisch motivierte Nutzung gibt es keine ökologische Nutzung des Rohstoffes Holz.
  • Eine angemessene Holznutzung steht nicht im Widerspruch zu den übrigen Funktionen des Waldes.
  • Der CO2‐Effekt von Holzprodukten ist in allen Nutzungsphasen (Wald, Wohnen, Wärme) gut.
  • Indem man Holz als Werkstoff einsetzt und danach energetisch nutzt, werden pro Kubikmeter rund 1'300 Kilogramm CO2‐Emissionen eingespart.

Bessere inländische Versorgung
Die TF WHE setzt sich ein für eine bessere inländische Versorgung mit dem Rohstoff Holz, insbesondere mit Nadelholz. Deshalb will sie mit den Mitteln der Kommunikation die Rohstoffmobilisierung verbessern und die Nutzfunktion des Waldes stärken, aber auch Einfluss nehmen auf die Rahmenbedingungen, die nach Auffassung der neu gebildeten Organisation einer nachhaltigen Nutzung des Schweizer Waldes zuwider laufen. Die TF WHE bekennt sich dabei zur Kaskadennutzung von Holz. Danach soll der Rohstoff zuerst mit maximaler Wertschöpfung als Werk‐ und Baustoff und am Ende seines Lebenszyklus als Energieträger genutzt werden.

Es wird weniger Holz geschlagen
Im Schweizer Wald wird weniger Holz geschlagen, wurden die Journalisten orientiert: Verglichen mit 2007 lag die Holzernte beim Nadelstammholz 2010 beispielsweise im Kanton Thurgau lediglich bei 50 Prozent, in Zürich bei 61 Prozent, in Luzern bei 64 Prozent und in den Kantonen Bern, Neuenburg und Freiburg bei je 80 Prozent. Im Verlauf der letzten Jahre waren die Erntemengen gesamtschweizerisch rückläufig – trotz gestiegener Preise. Das Holznutzungspotenzial des Schweizer Waldes wird laut Task Force nicht ausgeschöpft. Angesichts der grossen Holzvorräte kann gar während Jahren mehr Holz genutzt werden als nachwächst. Selbst ohne Reduktion der Vorräte sollten in den nächsten 20 Jahren 3,4 Mio. m3 Nadelstammholz pro Jahr genutzt werden. Für einen langfristig hohen Zuwachs ist zunächst ein Vorratsabbau nötig; Über die nächsten 20 Jahre ergäbe das sogar ein Potenzial von 4,4 Mio. m3 Nadelstammholz pro Jahr. Im Vergleich zur tatsächlichen Nutzung sind Steigerungen um 25 bis 60 Prozent möglich und sinnvoll.

«Ökonomisch motivierte Nutzung»
Ohne ökonomisch motivierte Nutzung gibt es laut Task Force keine ökologische Nutzung des Rohstoffs Holz. Eine angemessene Nutzung stehe nicht im Widerspruch zu den übrigen Funktionen des Waldes, wie Naturschutz, Schutz und Erholung. Die CO2‐Bilanz von Holzprodukten sei äussert gut, weil

  • der Wald beim Aufbau der Holzmasse der Atmosphäre CO2 entziehe und Kohlenstoff speichere;
  • die Kohlenstoff‐Speicherung in den Holzprodukten über Jahre bis Jahrzehnte erhalten bleibe;
  • die Holzprodukte an Stelle von weniger ökologischen Materialien eingesetzt würden;
  • die Holzprodukte am Ende der stofflichen Nutzung noch CO2‐neutral energetisch genutzt werden könnten.

Indem man Holz als Werkstoff einsetze und danach energetisch nutze, würden pro m3 rund 1'300 kg CO2‐Emissionen eingespart. Lasse man das Holz im Wald liegen, bleibe diese Wirkung aus, hiess es gegenüber den Medien.

Rund 4,4 Mio. m3 feste Holzmasse pro Jahr
Die inländischen Rohholzverbraucher kaufen und verarbeiten rund 90 Prozent des Holzes aus dem Schweizer Wald. Das sind rund 4,4 Mio. m3 feste Holzmasse pro Jahr. Sie sind damit der Motor der Waldbewirtschaftung überhaupt. Zudem verarbeiten sie über 300'000 m³ Flurholz, welches bei der Pflege von Böschungen und Bachgehölzen anfällt. Neben dem frischen Holz verarbeiten die Rohholzverbraucher auch 700'000 m³ Altholz und 1,5 Mio. m3 Altpapier (ca. 1,5 Mio. t). Die Rohholzverbraucher sichern die Arbeitsplätze von zirka 7'000 Mitarbeitenden. Die Rohholzverbraucher sind die Drehscheibe der Kuppelwirtschaft «Wald und Holz», bei der auf jeder Stufe die anfallenden Haupt‐ und Nebenprodukte die Ausgangsprodukte für die nächste Verarbeitungsstufe darstellen. So fallen in den Sägewerken bei der Verarbeitung und Veredelung des konischen Rundholzes in parallele Schnittholzprodukte wertvolle Sekundärrohstoffe wie Rinde (ca. 400'000 m³ pro Jahr) und Restholz (ca. 1 Mio. m³ pro Jahr; Hackschnitzel, Schwarten/Spreissel, Säge‐ und Hobelspäne).

Was tut die Task Force?
Basierend auf grundsätzlichen, konzeptionellen Überlegungen zielen die Kommunikationsmassnahmen der TF WHE primär ab auf «eine bessere Rohstoffmobilisierung sowie auf die Beeinflussung der völlig unzulänglichen Rahmenbedingungen». Dabei setzt die TF WHE auf das gesamte Spektrum der Kommunikationsmassnahmen. Die neue Task Force vereinigt auf Verbands‐ und Unternehmensebene die Rohstoffverbraucher im Holz‐ und Energiebereich in der Schweiz. Der TF WHE gehören sowohl Verbände (Holzindustrie Schweiz und Holzenergie Schweiz) als auch Unternehmen (Pavatex SA, Kronospan Schweiz AG, Perlen Papier AG, Utzenstorf Papier, Holliger Paletten Logistik AG, Axpo Holz + Energie AG, AEK Energie AG) aus dem Holz‐ und Energiesektor an.

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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