Plötzlich teuer: Heizen mit fossiler Energie leert das Portemonnaie. Bild: Holzenergie Schweiz/Rutschmann

Kuno Moser, Burgergemeinde Biel: Liefert zuverlässig Energieholz zu stabilen Preisen. Bild: Holzenergie Schweiz/Rutschmann

Versorgungstransparenz: Holzhackschnitzel aus dem Wald. Bild: Holzenergie Schweiz/Rutschmann

In der Kälte lagert Wärme: Energieholz aus dem Wald ist preisstabil. Bild: Holzenergie Schweiz/Rutschmann

Holzenergie Schweiz: Versorgungstransparenz und erstaunlich stabile Holzenergiepreise auch dank Schnitzel-Preisindex

(Holzenergie Schweiz) Man sollte sich warm anziehen, denn die Energiepreise ziehen massiv an. Die Heizkosten für eine mit Gas oder Öl beheizte Mietwohnung erhöhen sich um einige Hundert Franken pro Winterhalbjahr. Wer das Glück oder die Weitsicht hat, in einem mit Stückholz oder Holzhackschnitzeln beheiztem Haus zu wohnen, ist davon weniger betroffen. Denn der Energieholzpreis ist erstaunlich stabil. (Texte en français >>)


Die Energiewende ist eine gute Sache. Sie befreit uns aus dem Würgegriff der fossilen Energien. Sie schafft eine unabhängige, sichere, zuverlässige und erst noch klimafreundliche Energieversorgung. Leider kommt sie in der Schweiz seit Jahren nur zögerlich voran. Denn wir haben uns an die billigen, angeblich endlos verfügbaren fossilen Energien gewöhnt. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass sich daran etwas ändert. Die Politik hat leider einen zügigen Umbau unserer Energieversorgung auf einheimische und erneuerbare Energien bislang gebremst. Plötzlich aber ist das Undenkbare eingetreten: Russland startete einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Russland ist der wichtigste Öl- und Gaslieferant einiger europäischer Staaten. Jetzt steigen die Preise für die fossilen Energien explosionsartig an, um dreissig, fünfzig und vielleicht bald schon mehr als hundert Prozent.

Weniger fossile Energie bedeutet mehr Stabilität
Schlägt jetzt die Stunde der einheimischen Energien? Oder machen deren Promotoren den Fehler, aufs schnelle Geld zu setzen und die Preise ebenfalls hochzuschrauben? «Das wäre ein Riesenfehler und auch gar nicht möglich!», entgegnet dezidiert Kuno Moser, Oberförster der Burgergemeinde Biel. Er beliefert sechs Holzheizzentralen mit jährlich etwa 7’000 Kubikmetern Holzschnitzel, Tendenz steigend. «Bei den meisten Holzschnitzelheizungen ist der Preis des Energieholzes vertraglich geregelt. Da kann man nicht handeln wie ein Scheich oder Oligarch. Und das will man auch nicht! Wir sind weiterhin zuverlässige Partner. Das stärkt unsere Position, ist die Basis für ein gesundes Wachstum unseres Marktes und garantiert für beide Seiten faire Preise.»

Leicht steigende Preise
Die Burgergemeinde Biel bietet neben Hackschnitzeln auch Stückholz für Öfen und Cheminées an. «Viele Jahre lag der Energieholzpreis sehr tief. Man verglich unseren Preis mit importiertem Holz aus Osteuropa. Er deckte nicht einmal die Kosten der Bereitstellung des Holzes. Wir haben die Preise schon letztes Jahr leicht erhöht. Die Kunden zeigen dafür zunehmend Verständnis. Unsere Preisgestaltung ist weitgehend unabhängig von der Willkür undemokratischer Lieferanten. Unser Ziel ist primär eine Kostendeckung und sekundär ein Deckungsbeitrag, der uns weitere Investitionen in die rationelle Energieholzbereitstellung ermöglicht. Das ist im Interesse aller Beteiligten.», betont Kuno Moser.

Sicherheit und Stabilität sind das Wichtigste
Mit dieser Philosophie ist die Burgergemeinde Biel in bester Gesellschaft. Eine kleine Umfrage bei etwa einem halben Dutzend Energieholzlieferanten liefert die gleichen Aussagen. Dazu kommt im Bereich des Stückholzes noch ein Trend, der mit Corona zusammenhängt: Die Menschen blieben in den vergangenen zwei Jahren häufiger zuhause und haben ihre Wohnraumfeuerungen wieder vermehrt benutzt. Entsprechend ist die Nachfrage nach Stückholz gestiegen. Einzelne Lieferanten bekundeten Mühe, die gewünschten Mengen getrockneter Scheiter liefern zu können. Sie haben nun vorgesorgt und ihre Lager vergrössert. Da sie den Waldbesitzern heute leicht höhere Preise bezahlen können, kamen sie relativ problemlos an die gewünschten Mengen. Insbesondere im Privatwald, den sich in der Schweiz fast 250'000(!) Besitzerinnen und Besitzer teilen, erhöhten sich mangels Nutzung infolge tiefer Preise die Holzvorräte in den letzten zwanzig bis dreissig Jahren. Es lassen sich somit «aus der Region – für die Region» noch grosse zusätzlichen Energieholzmengen nachhaltig nutzen. Lokale und regionale Player wie Forstbetriebe oder private Unternehmer kennen die örtlichen Verhältnisse. Die gute Vertrauensbasis und die Nähe zwischen Angebot und Nachfrage sind Garant für eine zuverlässige Versorgung mit den gewünschten Holzsortimenten und -mengen.

Ein Index und Verträge garantieren stabile Preise
Ein weiterer Garant für eine vernünftige Preispolitik sind die Verträge, mit denen bei den meisten grösseren Holzenergieanlagen mit Nahwärmenetz zur Versorgung mehrerer Gebäude oder ganzer Ortsteile, die Preise der Energie geregelt sind. Der Preis, den man für die Wärme aus Holz bezahlt, besteht fast immer aus mehreren Elementen. Erstens aus dem Anschlusspreis, den man einmalig bezahlt, wenn man seine Liegenschaft an ein Wärmenetz anhängt. Zweitens aus dem Grundpreis, das ist eine Summe pro Kilowatt (kW) Anschlussleistung sowie drittens aus dem Arbeitspreis, einer Summe pro bezogener Energieeinheit (Kilowattstunde kWh). Diese Preisgestaltung hat den sehr grossen Vorteil, dass sich allfällige Veränderungen des Holzpreises nur auf einen Teil des gesamthaft zu bezahlenden Wärmepreises – nämlich auf den Arbeitspreis – auswirken.

Preisindex Schnitzel
Ein weiterer, wichtiger Regelfaktor zur Verhinderung unerwünschter Preissprünge ist der Preisindex Schnitzel von Holzenergie Schweiz, der in sehr vielen Fällen im Sinne eines Vorschlags als Grundlage für die Preisgestaltung dient. Er wird alle zwei Monate aktualisiert und berücksichtigt diverse Preisindizes des Bundesamtes für Statistik, beispielsweise den Energieholzpreis zur Hackschnitzelherstellung, den Landesindex der Konsumentenpreise, Landwirtschaftsmaschinenpreise und weitere. Die ausserordentliche Stabilität der Hackschnitzelpreise zeigt sich in der Tatsache, dass der Indexstand seit Dezember 2005 vom Wert 100.0 bis Oktober 2021 auf lediglich 11.,1 gestiegen ist. (Link: Preisindex_Schnitzel)

Energieholz aus dem Wald bleibt zuverlässig
Damit die Holzenergie auch in Zukunft berechenbar bleibt, ist es wichtig, dass man ihre Möglichkeiten und Grenzen kennt. Andreas Keel, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz, bringt es auf den Punkt: «Die Holzenergie ist ein guter und zuverlässiger Player im Schweizer Energiemarkt. Sie wird von sehr vielen Akteuren dezentral produziert und genutzt und ist nicht Gegenstand wilder Spekulationen. Ihre Menge kann noch deutlich gesteigert werden, ohne den Wald zu übernutzen. Das aktuell frei verfügbare Potential erlaubt eine Erhöhung der heute genutzten Menge um etwa 35 bis 50 Prozent. Viel weiter geht es nicht. Das heisst, wir müssen mit der Ressource Holz sorgsam umgehen und uns gut überlegen, welche Anwendungsbereiche wir aktiv fördern wollen und von welchen wir die Finger lassen sollten. Holzenergie Schweiz kann und will dabei eine koordinierende Rolle spielen. Wir streben die Versorgungstransparenz an, das heisst Klarheit und Sicherheit sowohl für die Produzenten als auch für die Käufer von Energieholz. Damit garantieren wir, dass die Holzenergie eine wichtige Säule einer diversifizierten, zuverlässigen und preiswerten Versorgung unseres Landes mit einheimischen und erneuerbaren Energien ist und bleibt.»

Text: Christoph Rutschmann im Auftrag von Holzenergie Schweiz

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