Leuchtend blau: 2018 wurde der erste CO2-basierte Unterbelag für Sportböden auf dem Hockeyplatz in Krefeld verlegt. ©Bild: Covestro

Eröffnung des ersten Hockeyplatzes auf Basis von Kohlendioxid in Krefeld. ©Bild: Covestro

Forschungsprojekt ‚Anziehen mit CO2‘: Begutachtung der aufgerollten Fasern. ©Bild: Covestro

Covestro: Leverkusener Chemieunternehmen ersetzt Erdöl in Textilfasern und Sportböden teilweise durch CO2

(PM) Das Leverkusener Chemieunternehmen Covestro verwendet das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) als Rohstofflieferant in Polstermöbeln und Sportböden. Im Bodenbelag einer Hockeyanlage in Krefeld sowie in Schaumstoffen für Matratzen und Polstermöbel wurde die spezielle CO2-haltige Zutat für Kunststoffe bereits eingearbeitet. Dadurch kann auf bis zu 20 Prozent des Erdöls in den Materialien verzichtet werden.


Das neue Produkt nennt sich Cardyon und ist ein so genanntes Polyol, das zunächst für den Einsatz in weichem Polyurethan-Schaumstoff konzipiert wurde, dies ist bislang auch das Hauptanwendungsgebiet. Der Schaum, der mit dem besonderen Polyol hergestellt wird, findet insbesondere für Matratzen und Polstermöbel Anwendung. Die Firma Recticel aus Belgien beispielsweise bietet als Vorreiter Schaumstoffe für Matratzen an, die Cardyon enthalten und von ihr unter dem Namen Kapua vermarktet werden. Ebenfalls am Markt sind Unterbeläge für Sportböden, die von Firma Polytan vertrieben werden. Diese enthalten ein Bindemittel, das mit CO2 hergestellt wird. Ein erster entsprechender Boden wurde Ende 2018 in einer Hockeyanlage in Krefeld verlegt.

Bis zu 20 Prozent CO2 wird in Produkte eingebaut
Hergestellt wird Cardyon in einer speziellen Produktionsanlage am Covestro-Standort Dormagen bei Köln. Die Kapazität beträgt derzeit 5000 Tonnen pro Jahr, denn das neue Produkt befindet sich noch in der Markteinführungsphase. Eine Produktion im grossindustriellen Massstab ist jedoch möglich. In der Anlage wird CO2 genutzt, das aus dem Abgasstrom einer Chemieanlage von einem benachbarten Unternehmen stammt. In Cardyon kann bis zu 20 Prozent CO2 eingebaut werden. In entsprechender Grössenordnung wird der konventionelle Rohstoff Erdöl eingespart. Das CO2 wird dabei chemisch fest in die Molekülketten integriert.

Sieben Millionen Tonnen Polyurethan-Schaumstoffe jährlich
Der weltweite Verbrauch an Polyurethan-Rohstoffen belief sich 2018 auf circa 20 Millionen Tonnen, davon entfielen rund sieben Millionen Tonnen auf weichen Polyurethan-Schaumstoff – das Gebiet, in dem derzeit die meisten CO2-Polyole zum Einsatz kommen. Insgesamt wurden 2018 im Weichschaum-Bereich weltweit gut vier Millionen Tonnen Polyole verbraucht. Das theoretische Potenzial zum Einsatz von CO2 und zur Einsparung von Erdöl ist also recht hoch.

Textilindustrie testet neue Fasern
Ein Cardyon-basiertes thermoplastisches Polyurethan (TPU), aus dem elastische Fasern gesponnen werden können, ist in der Entwicklung zur Marktreife. Am Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen (ITA) wurde ein Schmelzspinnverfahren erarbeitet, mit dem sich elastische Fasern aus diesem und ähnlichen TPUs im technischen Massstab in einer industrienahen Anlage stationär produzieren lassen. Erste Unternehmen der Textilindustrie haben die Fasern testweise in ihren Anlagen weiterverarbeitet und erste Produkte zu Testzwecken hergestellt. Die Unternehmen haben weiterhin Interesse an der Weiterentwicklung der neuen elastischen Fasern.

Aktuell will ein Forschungskonsortium entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Polymerhersteller bis zu Unternehmen der Textilindustrie den Nachweis erbringen möchte, dass sich elastische Fasern mit weiter verbesserten Eigenschaften in einem robusten industriellen Schmelzspinnprozess aus Cardyon-basiertem TPU herstellen lassen. Allerdings wird das Implementieren des CO2-basierten Materials in industrielle Schmelzspinnverfahren noch eine Zeit dauern, Tests der weiterverarbeitenden Textilindustrie ebenfalls. Im Erfolgsfall erscheint ein Marktgang in zwei bis fünf Jahren realistisch.

Erdöl ersetzen mit Kohlendioxid, Pflanzen und Kunststoffabfall
Doch schon jetzt ist das Verfahren, CO2 als Rohstoff zu verwenden, ein guter Schritt, um auf Rohstoffe wie Erdöl zu verzichten. Auch Pflanzen und Kunststoffabfall kommen als alternative Kohlenstoffquellen in Betracht, so Covestro. Es gebe bereits Kooperationen mit zehn Unternehmen der Textilindustrie, zum Teil innerhalb eines übergreifenden Forschungskonsortiums.

Bedeutsam ist der Schritt zu der Erdöl-Alternative nicht zuletzt deshalb, weil Covestro mit einem Umsatz von 14.6 Milliarden Euro im Jahr 2018 zu den grossen Polymer-Unternehmen gehört. Geschäftsschwerpunkte sind die Herstellung von Hightech-Polymerwerkstoffen und die Entwicklung innovativer Lösungen für Produkte, die in vielen Bereichen des täglichen Lebens Verwendung finden. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Bauwirtschaft, die Holzverarbeitungs- und Möbelindustrie sowie der Elektro-und Elektroniksektor. Hinzu kommen Bereiche wie Sport und Freizeit, Kosmetik, Gesundheit sowie die Chemieindustrie selbst.

Text: Energieagentur NRW


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